Thema des Tages, Konjunktur

Trumps Handelskrieg hat viele Verlierer

02.02.2025 - 16:42:27 | dpa.de

(Aktualisierung: Reaktionen EU-Kommission (5. Absatz) und Mercedes (9.

Absatz) sowie neue Äußerungen Trumps (13. Absatz) ergĂ€nzt.)

BERLIN/WASHINGTON (dpa-AFX) - Der Handelskrieg des US-PrĂ€sidenten gegen China, Kanada und Mexiko reicht bis nach Deutschland. Zwar ist die EU nicht direkt von Donald Trumps neuen Einfuhrabgaben betroffen - noch nicht. Aber vor allem die deutsche Autoindustrie dĂŒrfte die Auswirkungen der erhobenen Zölle gegen die beiden US-Nachbarn und den großen Rivalen in Fernost zu spĂŒren bekommen.

Die USA verhÀngen auf Importe aus den NachbarlÀndern Mexiko und Kanada 25 Prozent Zölle, nur auf Energie-Einfuhren aus Kanada 10 Prozent. Auf alle Einfuhren aus China werden ebenfalls zusÀtzlich 10 Prozent fÀllig. Und die EU könnte die nÀchste sein: "Absolut", sagte der PrÀsident zuletzt auf die Frage, ob er auch Zölle auf Produkte aus der EU erheben werde.

Dabei wirken sich schon die Zölle gegen Kanada, China und Mexiko auf Europa aus, vor allem letztere. Die großen deutschen Auto-Hersteller und auch viele Zulieferer nutzen Mexiko als billigen Produktionsstandort - und bedienen von dort aus den US-Markt. VW DE0007664039, Audi und BMW DE0005190003 haben in dem Land eigene Fabriken, Mercedes-Benz DE0007100000 produziert in einem Gemeinschaftswerk mit Nissan JP3672400003.

Auswirkungen fĂŒr Europa

Dirk Jandura, PrĂ€sident des deutschen Außenhandelsverbands BGA, sieht in den neuen US-Zöllen bereits ein deutliches Zeichen an die EU und Kommissions-PrĂ€sidentin Ursula von der Leyen. "Wir dĂŒrfen nicht erstarrt abwarten, bis auch die EU oder Deutschland mit Zöllen belegt werden", warnt Jandura in einer Reaktion auf die US-Zölle.

Die EU-Kommission betonte sogleich ihre StĂ€rke: Sie werde entschieden auf jeden Handelspartner reagieren, der unfair oder willkĂŒrlich Zölle auf Waren erhebe, sagte ein Sprecher. Und er unterstrich, derzeit seien keine zusĂ€tzlichen US-Zölle auf EU-Produkte bekannt.

Auch der deutsche Bundeskanzler klingt selbstbewusst. Auf die Frage nach möglichen europĂ€ischen Gegenmaßnahmen sagte Olaf Scholz, die EU sei ein starker Wirtschaftsraum und habe "ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten". Auf dieser StĂ€rke aufbauend, wolle man die wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA fortsetzen. Aber es gehe erst mal darum, dass "wir jetzt nicht die Welt aufteilen durch viele Zollbarrieren".

Deutsche Autobauer sind betroffen

Ein Volkswagen DE0007664039-Sprecher Ă€ußert sich am Tag nach der Zoll-AnkĂŒndigung nur vorsichtig: "Als global agierender Automobilhersteller beobachten wir die Entwicklungen in den USA sehr genau und bewerten etwaige Effekte auf die Automobilindustrie und unser Unternehmen, die in Folge der angekĂŒndigten Zölle fĂŒr Importe aus Kanada und Mexico in die Vereinigten Staaten möglich sind", sagte der Deutschen Presse-Agentur.

Der Konzern werbe fĂŒr offene MĂ€rkte und stabile Handelsbeziehungen, denn die seien essenziell fĂŒr eine wettbewerbsfĂ€hige Wirtschaft und insbesondere fĂŒr die Automobilbranche. Und die Hoffnung stirbt zuletzt: "Wir setzen darauf, dass konstruktive GesprĂ€che zwischen den Handelspartnern gefĂŒhrt werden, um Planungssicherheit und wirtschaftliche StabilitĂ€t zu gewĂ€hrleisten und einen Handelskonflikt zu vermeiden", sagte der VW-Sprecher.

Ähnlich vorsichtig Ă€ußert sich Mercedes. Eine Sprecherin betont die Bedeutung von freiem Handel und fairem Wettbewerb. Und: "Mercedes-Benz unterstĂŒtzt daher eine liberale Handelsordnung auf Basis der WTO-Regeln. Dazu gehört das Prinzip, dass alle Beteiligten die gleichen Bedingungen vorfinden", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

VW-Fabrik in Kanada geplant

Branchenexperte Stefan Hecht von der Unternehmensberatung Advyce & Company geht deutlich weiter. Er erwartet, dass die Hersteller zumindest einen Teil der Fertigung von Mexiko in die USA verlagern, wo VW, BMW und Mercedes ebenfalls Werke haben. Dazu Ă€ußerten sich die drei Hersteller zunĂ€chst nicht.

Auch zu den VW-PlÀnen einer neuen Batteriezellfabrik im kanadischen Ontario sagte der VW-Sprecher zunÀchst nichts. Die Fabrik soll die E-Auto-Werke des Konzerns in den USA beliefern.

Am Ende zahlt der Verbraucher

Die Menschen in den USA sieht Außenhandels-Experte Jandura als Verlierer der Zoll-Politik ihres PrĂ€sidenten: "Trumps Entscheidung wird die Amerikanerinnen und Amerikaner teuer zu stehen kommen, Zölle wirken immer auf beiden Seiten." Gegenmaßnahmen der betroffenen LĂ€nder wĂŒrden einen "Handelskonflikt zwischen den Nationen" noch verschĂ€rfen, warnte er. "Die Verlierer sind immer die Endverbraucher, die die Preissteigerungen an der Kasse spĂŒren. Ich wĂŒrde mir wĂŒnschen, dass die Zölle noch abgewendet werden können."

Trump verteidigt am Tag danach die Zölle gegen die Kritik, sie trĂ€fen die eigenen BĂŒrger. "Wird es Schmerzen geben? Ja, vielleicht (und vielleicht auch nicht!)", schrieb er auf der Plattform Truth Social. Der Schritt werde Amerika aber wieder großartig machen, "und das wird den Preis wert sein, der dafĂŒr zu zahlen ist".

Wer letztlich fĂŒr die Zölle aufkommt, hĂ€ngt von den LiefervertrĂ€gen zwischen KĂ€ufer und VerkĂ€ufer ab. In der Regel sind es die Importeure, die höhere Kosten an Verbraucher weitergeben. Ein Beispiel: Wenn Autos wie in den USA von Zulieferungen aus Mexiko und Kanada abhĂ€ngen und auf diese Teile Zölle erhoben werden, werden die Autos teurer.

Betroffene LĂ€nder wehren sich

Noch in der gleichen Nacht, in der Trump die Zölle ausrief, kĂŒndigten Kanada, Mexiko und China Gegenmaßnahmen an. Kanada will ab Dienstag unter anderem Gegenzölle in Höhe von 25 Prozent auf US-Waren erheben. Auch Mexiko und China kĂŒndigten "entsprechende Gegenmaßnahmen" an. Zudem will China eine Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO) einreichen.

Ob das Land Recht bekommt, ist offen: Die 166 WTO-MitgliedslĂ€nder haben sich zu fairem Handel und einem Abbau von Handelshemmnissen wie Zöllen verpflichtet. Nur unter bestimmten Voraussetzungen können Zölle WTO-konform ĂŒber das beim Beitritt versprochene Niveau angehoben werden. Ein Argument wĂ€re, dass sonst die nationale Sicherheit gefĂ€hrdet ist.

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