Inflation in Deutschland bleibt stabil bei 2,0 Prozent
31.07.2025 - 15:26:36(Aktualisierung: Weitere EinschÀtzungen von Volkswirten)
WIESBADEN (dpa-AFX) - Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im Juli mit unverÀndertem Tempo gestiegen. Wie bereits im Juni sind Waren und Dienstleistungen im Schnitt 2,0 Prozent teurer als vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt berichtet.
Damit sei die hohe Inflationswelle der vergangenen Jahre aber ausgelaufen, meint Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater. "Die privaten Haushalte sind immer noch dabei, sich an das erhöhte Preisniveau zu gewöhnen, mittlerweile haben aber auch die Löhne nachgezogen. Das Thema Inflation wird mehr und mehr aus den Köpfen der Verbraucher verschwinden."
Auf der Grundlage vorlĂ€ufiger Daten zeigt sich, dass besonders Dienstleistungen mit einem Anstieg von 3,1 Prozent und Lebensmittel mit einem Plus von 2,2 Prozent die Preisentwicklung antreiben. Die Energiepreise haben hingegen erneut die Teuerung gedĂ€mpft, wenn auch nicht mehr so stark wie in den Vormonaten. Energie war 3,4 Prozent gĂŒnstiger als im Juli 2024.
Die sogenannte Kerninflation - also die Rate ohne die schwankungsanfĂ€lligen Preise fĂŒr Nahrungsmittel und Energie - liegt weiterhin höher: Wie im Juni betrĂ€gt sie 2,7 Prozent. Commerzbank DE000CBK1001-Chef-Volkswirt Jörg KrĂ€mer bezeichnet das als "Schönheitsfehler", weil dies bei anziehender Konjunktur ein Inflationsrisiko darstelle.
Seit Monaten ĂŒberdurchschnittliche Teuerung bei Dienstleistungen
Die erhöhte Teuerung bei Dienstleistungen hĂ€lt sich seit Monaten hartnĂ€ckig, geht nun aber langsam zurĂŒck: Die 3,1 Prozent in diesem Bereich bedeuten 0,2 Punkte weniger als im Juni. Ein Grund sind gestiegene Löhne. Hier erwartet ING NL0011821202-Volkswirt Carsten Breszki fĂŒr die kommenden Monate weniger Inflationsdruck, weil angesichts der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt höhere Löhne nicht mehr so einfach durchsetzbar scheinen.
EZB beobachtet ohne Zinsschritt
Die EuropĂ€ische Zentralbank hat sich bei ihrer jĂŒngsten Zinssitzung vor einer Woche vorlĂ€ufig in die Beobachterrolle zurĂŒckgezogen. Nach sieben Zinssenkungen in Folge sahen die WĂ€hrungshĂŒter die Inflation offenbar so weit eingedĂ€mmt, dass vorerst kein weiterer Zinsschritt notwendig schien. Der Leitzins blieb daher unverĂ€ndert bei 2,0 Prozent. FĂŒr den Herbst werden Kontroversen zwischen BefĂŒrwortern und Gegnern einer noch lockeren Geldpolitik erwartet.
Bei einer Inflationsrate von 2,0 Prozent sieht die EZB ihr Ziel der PreisstabilitÀt gewahrt. Geringere Preissteigerungen könnten das wirtschaftliche Wachstum hemmen, weil Privatleute und Firmen in Erwartung noch niedrigerer Preise ihre Investitionen hinauszögern könnten.
Erwartungen fĂŒr das Gesamtjahr
Im Vergleich zum Juni sind die Preise um 0,3 Prozent gestiegen, berichtet die Behörde. Die möglichen Auswirkungen des kĂŒnftigen Zollabkommens mit den USA sind noch unklar. Breszki zufolge könnten die Preise fĂŒr bestimmte Produkte in der Eurozone fallen, weil sie sich in den USA schlechter verkauften. Andererseits könnten globale Konzerne versuchen, höhere Preise in Europa durchzusetzen, um ihre Verluste in den USA auszugleichen.
Die Bundesbank geht davon aus, dass die Inflationsrate in Deutschland in den kommenden Monaten um die Zwei-Prozent-Marke schwanken wird. Der SachverstÀndigenrat ("Wirtschaftsweise") rechnet damit, dass auch im Jahresschnitt 2025 ein Wert um zwei Prozent herauskommen wird.
Im Gesamtjahr 2022 war die Inflation in Deutschland auf 6,9 Prozent geschnellt, 2023 waren es 5,9 Prozent. Nach dem russischen Ăberfall auf die Ukraine im Februar 2022 waren die Preise fĂŒr Energie und Lebensmittel sprunghaft geklettert. Im vergangenen Jahr flaute die Teuerung auf 2,2 Prozent ab. Je höher die Inflationsrate, umso geringer die Kaufkraft der Menschen.

