Was kommt auf den Tisch? EUIPO geht gegen gefÀlschte Lebensmittel und GetrÀnke in der EU vor
11.06.2025 - 10:27:51GefĂ€lschte Produkte werden oft mit Luxusartikeln und Mode in Verbindung gebracht. Doch laut der Bewertung der Bedrohungslage im Bereich der Verbrechen gegen das geistige Eigentum fĂŒr 2022 stellten Lebensmittel - insbesondere Kekse, Teigwaren, Chips und SĂŒĂigkeiten - die am zweithĂ€ufigsten beschlagnahmte Produktkategorie an den EU-AuĂengrenzen im Jahr 2020 dar.
Aktuelle Erkenntnisse verdeutlichen das alarmierende AusmaĂ dieser kriminellen AktivitĂ€ten. Der Europol-Bericht zur Bewertung der Bedrohungslage im Bereich der schweren und organisierten KriminalitĂ€t in der EuropĂ€ischen Union fĂŒr 2025 (SOCTA) hebt hervor, dass das Wachstum des E-Commerce FĂ€lschern neue Vertriebswege fĂŒr betrĂŒgerische Lebensmittel eröffnet hat. Dies erschwert es Verbrauchern zunehmend, echte Produkte zu erkennen. Kriminelle manipulieren Lebensmitteletiketten und -verpackungen und passen Herstellungsverfahren an, um hochwertige Produkte zu imitieren.
Auch die StrafverfolgungsmaĂnahmen vor Ort haben das AusmaĂ des Problems deutlich aufgezeigt. Die jĂ€hrlich durchgefĂŒhrte gemeinsame Operation OPSON von Europol und Interpol fĂŒhrte im Jahr 2024 zur Beschlagnahmung von gefĂ€lschten und minderwertigen Lebensmitteln im Wert von 91 Millionen Euro.
Der Exekutivdirektor des EUIPO, João Negrão, erklÀrte:
"GefĂ€lschte Lebensmittel und GetrĂ€nke sind ein groĂes Problem fĂŒr die öffentliche Gesundheit. Mit unserer Kampagne wollen wir den Verbrauchern das nötige Wissen vermitteln, damit sie sich schĂŒtzen können, und gleichzeitig legitime Unternehmen unterstĂŒtzen, die die EU-QualitĂ€tsstandards einhalten. Dies ist ein Kampf, den wir gemeinsam fĂŒhren mĂŒssen - Behörden, Hersteller und Verbraucher gleichermaĂen."
Gesundheitsrisiken bleiben ein zentrales Problem. Der SOCTA-Bericht von 2021 warnt davor, dass in gefÀlschten Lebensmitteln gefÀhrliche Substanzen wie Methanol, Quecksilber, Fipronil sowie verschiedene Insektizide und Pestizide nachgewiesen wurden.
Die FÀlschung von GetrÀnken, insbesondere alkoholischen GetrÀnken, bleibt ein erhebliches Problem, da organisierte kriminelle Gruppen ausgefeilte Methoden zur VerbrauchertÀuschung einsetzen. FÀlscher verwenden dabei hÀufig Originalflaschen wieder oder bringen gefÀlschte Etiketten auf leere Flaschen auf. Dies erschwert es Verbrauchern und Behörden erheblich, zwischen legalen und gefÀlschten Produkten zu unterscheiden.
Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen sind erheblich. Nach Angaben des EUIPO gehörte der Wein- und Spirituosensektor im Zeitraum 2013-2017 zu den am stÀrksten von FÀlschungen betroffenen Branchen. Insgesamt gingen in der EU jÀhrlich 2,289 Milliarden Euro an Umsatz verloren, und fast 5.700 ArbeitsplÀtze wurden durch FÀlschungen vernichtet. Die SteuerausfÀlle beliefen sich auf betrÀchtliche 2,068 Milliarden Euro.
China und die TĂŒrkei zĂ€hlten 2019 und 2020 zu den HauptherkunftslĂ€ndern gefĂ€lschter Lebensmittel und GetrĂ€nke, die an den EU-AuĂengrenzen beschlagnahmt wurden.
GEOGRAFISCHE ANGABEN, EIN ZEICHEN FĂR ECHTHEIT
Die Lebensmittel- und GetrĂ€nkeindustrie ist ein Eckpfeiler der EU-Wirtschaft und leistet einen wichtigen Beitrag zur regionalen Entwicklung, zur BeschĂ€ftigung und zur Schaffung von ArbeitsplĂ€tzen. Von Weinen bis hin zu traditionellen Lebensmitteln ermöglichen geografische Angaben (g.A.) den Verbrauchern, QualitĂ€tsprodukte zu erkennen und zu unterscheiden, wĂ€hrend sie gleichzeitig den Erzeugern bei der Vermarktung helfen. Diese Bezeichnungen schĂŒtzen die Namen von Produkten aus bestimmten Regionen, deren Eigenschaften oder Merkmale wesentlich auf diese geografische Herkunft zurĂŒckzufĂŒhren sind.
Das EU-System der g.A. umfasst die geschĂŒtzte Ursprungsbezeichnung (g.U.), die geschĂŒtzte geografische Angabe (g.g.A.) und die garantiert traditionelle SpezialitĂ€t (g.t.S.). Diese Zertifizierungen bewahren das reiche kulinarische Erbe Europas und bieten den Verbrauchern eine Garantie fĂŒr AuthentizitĂ€t und QualitĂ€t. Derzeit sind in der EuropĂ€ischen Union ĂŒber 3 600 Produkte als geografische Angaben registriert.
Frankreich, Italien und Deutschland fĂŒhren sowohl bei der Herstellung als auch beim Verbrauch von GI-Produkten, wobei allein Frankreich fast 32 % des EU-Absatzes ausmacht. Da Wein 54 % des gesamten GI-Verbrauchs in der EU reprĂ€sentiert, ist er besonders anfĂ€llig fĂŒr FĂ€lschungen. Weitere stark betroffene Produktkategorien sind Olivenöl, Bier, Fleisch, KĂ€se und Milchprodukte.
WIE VERBRAUCHER SICH SCHĂTZEN KĂNNEN
Die EUIPO-Kampagne "Was kommt auf den Tisch?" bietet Verbrauchern praktische Hinweise, wie sie sich vor gefĂ€lschten Produkten schĂŒtzen können. Um FĂ€lschungen zu vermeiden, wird Verbrauchern dringend empfohlen, bei vertrauenswĂŒrdigen HĂ€ndlern, ĂŒber offizielle VertriebskanĂ€le sowie auf den Markenwebsites der Hersteller einzukaufen. Die ĂberprĂŒfung der Produktkennzeichnung und der Herkunft sowie die Suche nach Zertifizierungslogos können dabei helfen, die Echtheit eines Produkts zu bestĂ€tigen. Besonders wichtig ist es, auf die offiziellen EU-GI-Kennzeichnungen wie g.U., g.g.A. und g.t.S. zu achten.
Es ist auch wichtig, die Verpackung und das Produkt selbst sorgfĂ€ltig zu prĂŒfen, da FĂ€lschungen oft Verarbeitungsfehler oder Rechtschreibfehler aufweisen. Der Einsatz von Authentifizierungsinstrumenten wie QR-Codes und Hologrammen kann zusĂ€tzlich zur ĂberprĂŒfung der Echtheit eines Produkts beitragen. Das EUIPO hat einen Leitfaden zu Technologien zur BekĂ€mpfung von FĂ€lschungen und Piraterie veröffentlicht, der ĂŒber 40 verschiedene Technologien enthĂ€lt, die Unternehmern beim Schutz ihrer Marken helfen können.
BEKĂMPFUNG VON FĂLSCHUNGEN IN EUROPA
Die FĂ€lschung von Lebensmitteln und GetrĂ€nken sowie der Missbrauch geografischer Angaben stellen schwerwiegende Verbrechen dar, die internationale BekĂ€mpfung erfordern. Das EUIPO engagiert sich aktiv gegen FĂ€lschungen in der gesamten EU. Dabei arbeitet es mit verschiedenen Organisationen und Strafverfolgungsbehörden, darunter PolizeikrĂ€fte und Rechteinhaber, zusammen, um die grenzĂŒberschreitende Kooperation und Rechtsdurchsetzung in Europa zu stĂ€rken.
HochkarĂ€tige Operationen wie OPSON - was im Altgriechischen "Lebensmittel" bedeutet - tragen dazu bei, gefĂ€lschte und minderwertige Lebensmittel und GetrĂ€nke vom Markt zu nehmen. Bei der OPSON-Operation 2024, koordiniert von Europol und Interpol in Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden aus 29 europĂ€ischen LĂ€ndern sowie Lebensmittel- und GetrĂ€nkeherstellern, wurden rund 22.000 Tonnen Lebensmittel und etwa 850.000 Liter (vorwiegend alkoholische) GetrĂ€nke im Wert von 91 Millionen Euro beschlagnahmt. Zudem wurden elf kriminelle Netzwerke zerschlagen und 278 Personen wegen FĂ€lschungsdelikten bei den Justizbehörden angezeigt. Das EUIPO stellt dabei Fachwissen im Bereich der Rechte des geistigen Eigentums - insbesondere zu Marken und geografischen Angaben - zur VerfĂŒgung, bietet Schulungen an und arbeitet eng mit Strafverfolgungsbehörden zusammen.
Wie EUIPO-Berichte zeigen, steht die Herstellung und der Vertrieb gefÀlschter Produkte hÀufig in Verbindung mit organisierter KriminalitÀt. Diese AktivitÀten untergraben legitime Unternehmen, gefÀhrden die Verbrauchergesundheit und finanzieren andere schwere Straftaten wie Drogenhandel, GeldwÀsche, CyberkriminalitÀt, Betrug und sogar Terrorismus.
ĂBER DAS EUIPO
Das Amt der EuropĂ€ischen Union fĂŒr geistiges Eigentum (EUIPO) ist eine der gröĂten dezentralen Agenturen der EuropĂ€ischen Union mit Sitz in Alicante (Spanien). Das EUIPO verwaltet seit 1994 die Eintragung von EU-Marken und seit 2003 die Eintragung von EU-Designs, beides Rechte des geistigen Eigentums, die in allen 27 EU-Mitgliedstaaten gelten. Im Jahr 2023 hat die Agentur ihr Portfolio um ein weiteres Recht des geistigen Eigentums erweitert: geografische Angaben fĂŒr handwerkliche und gewerbliche Erzeugnisse. Das EUIPO fĂŒhrt zudem KooperationsmaĂnahmen auf EU- und internationaler Ebene durch, um weltweit faire Wettbewerbsbedingungen im Bereich des geistigen Eigentums zu schaffen, und beherbergt die EuropĂ€ische Beobachtungsstelle fĂŒr Verletzungen von Rechten des geistigen Eigentums. 2024 wurde das EUIPO bereits zum fĂŒnften Mal als innovativstes Amt fĂŒr geistiges Eigentum der Welt ausgezeichnet.
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