AliExpress: EU verhängt Rekord-Geldbuße von 550 Millionen Euro
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 10:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Es ist die höchste Strafe, die jemals unter dem Digital Services Act (DSA) ausgesprochen wurde.
Systematische Mängel bei der Produktkontrolle
Grund sind schwerwiegende Versäumnisse bei der Überwachung illegaler und gefährlicher Produkte. EU-Beamte führten Testkäufe durch und stellten fest: AliExpress hatte unzureichende Mechanismen zur Risikobewertung implementiert.
Konkret geht es um gefälschte Kleidung, unsicheres Spielzeug und gesundheitsgefährdende Kosmetika. Diese Artikel blieben teilweise über Wochen online – selbst nachdem sie als problematisch identifiziert worden waren.
Die internen Prüfprozesse sind ein weiterer Kritikpunkt. Für die Überprüfung eines einzelnen Artikels stand den Mitarbeitern oft nur ein Zeitfenster von 10 bis 20 Sekunden zur Verfügung. Die Personalausstattung war laut Kommission viel zu knapp bemessen.
Hohe Bußgelder durch mangelhafte Kontrollmechanismen betreffen längst nicht mehr nur globale Marktplätze, sondern zunehmend auch spezialisierte Unternehmen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen in 5 Schritten, wie Sie Ihre rechtlichen Pflichten zur Dokumentation und Risikobewertung zuverlässig erfüllen. In 5 Schritten DSGVO-konform: Jetzt Gratis-Ratgeber sichern
Hinzu kommt: Die Empfehlungsalgorithmen der Plattform förderten die Verbreitung illegaler Waren zusätzlich. Aufsichtsbehörden schätzen, dass fast 15 Millionen verbotene Produkte durch diese Systeme aktiv beworben wurden.
Bisherige DSA-Verfahren weit unterlegen
Die Strafe gegen AliExpress übertrifft frühere Bußgelder deutlich. Temu musste 200 Millionen Euro zahlen, der Kurznachrichtendienst X sogar nur 120 Millionen Euro.
Mit 193 Millionen Nutzern in der EU unterliegt AliExpress den strengen Auflagen für sehr große Online-Plattformen. Theoretisch hätte die EU-Kommission noch härter sanktionieren können: Strafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes sind möglich. Bei einem geschätzten Umsatz der Muttergesellschaft Alibaba von rund 120 Milliarden Euro wären das bis zu 7 Milliarden Euro gewesen.
Ob DSA oder DSGVO – lückenhafte Dokumentationsprozesse können Unternehmen bis zu 2 % ihres Jahresumsatzes kosten. Mit dieser kostenlosen Excel-Vorlage erstellen Sie Ihr notwendiges Verzeichnis rechtssicher und vermeiden empfindliche Sanktionen der Aufsichtsbehörden. Kostenlose Muster-Vorlage für Ihr Verarbeitungsverzeichnis herunterladen
Frist bis Oktober – Einspruch möglich
AliExpress hat angekündigt, die Vorwürfe und den Bußgeldbescheid eingehend zu prüfen. Ein Einspruch wird erwogen, da das Unternehmen sich mit den Feststellungen nicht einverstanden zeigt.
Unabhängig vom Rechtsstreit muss der Online-Marktplatz bis zum 20. Oktober 2026 einen detaillierten Aktionsplan vorlegen. Darin muss AliExpress konkrete Maßnahmen zur Behebung der Mängel darlegen – bei der Erkennung illegaler Inhalte, der Personalausstattung und der Sanktionierung von Händlern. Die europäischen Aufsichtsbehörden werden die Einhaltung überwachen.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
