Gold, International

Erstmals 4.000 Dollar: Warum der Goldpreis steigt und steigt

08.10.2025 - 11:59:17 | dpa.de

Allein in diesem Jahr hat das Edelmetall bereits um mehr als 50 Prozent zugelegt - und andere Anlageformen abgehĂ€ngt. Was sind die GrĂŒnde fĂŒr den anhaltenden «Goldrausch»?

Gold gilt bei vielen Investoren als sicherer Hafen in politisch unsicheren Zeiten. (Symbolbild) - Foto: Sven Hoppe/dpa

Der Goldpreis ist seit Wochen im Höhenflug und hat die nÀchste Rekordmarke geknackt. In der Nacht zum Mittwoch kostete eine Unze (etwa 31,1 Gramm) des Edelmetalls erstmals mehr als 4.000 US-Dollar und erreichte am Nachmittag ein Rekordhoch bei 4.050 Dollar. Seit mittlerweile zwei Jahren geht es mit dem Goldpreis tendenziell nach oben. Allein seit Ende 2024 verteuerte sich das Edelmetall bereits um rund 54 Prozent. 

Was sind die Preistreiber? 

Es ist eine Kombination aus verschiedenen GrĂŒnden, die fĂŒr eine immer stĂ€rkere Nachfrage nach Gold sorgt. Zuletzt sind aber politische Krisen stĂ€rker in den Vordergrund gerĂŒckt. Mit dem Haushaltsstreit in den USA und dem «Shutdown» in zahlreichen amerikanischen Behörden sowie der sich zuspitzenden Staatskrise in Frankreich setzen viele Investoren verstĂ€rkt auf Gold, das bei Anlegern als «sicherer Hafen» in politisch unsicheren Zeiten gilt. 

Welche weiteren GrĂŒnde fĂŒr den Preisanstieg gibt es? 

Hierzu zĂ€hlen vor allem die Spekulation auf sinkende Zinsen in den USA und der Kauf von Gold durch Notenbanken, die ihre nationalen Reserven unabhĂ€ngiger vom US-Dollar machen wollen. Eine Rolle spielen auch GoldkĂ€ufe durch Goldfonds sowie ein schwacher Dollar. Da Gold in US-Dollar gehandelt wird, fĂŒhrt eine Abwertung des Dollars dazu, dass Gold fĂŒr Anleger außerhalb der USA gĂŒnstiger wird - was Nachfrage und Preis antreibt. Auch Unsicherheiten wegen anderer WĂ€hrungen verstĂ€rken die Flucht in das Edelmetall. 

Spielt auch die Inflation eine Rolle?

Ja. Gold gilt auch als eine Absicherung gegen Inflation. Bei erwarteten Preissteigerungen kaufen Anleger Gold, um ihren Vermögenswert zu erhalten. Ist die Inflation höher ist als die Nominalzinsen, belastet dies Spareinlagen. Gold wirft zwar keine laufenden ErtrÀge ab, aber der Goldpreis hat bisher in vielen Phasen mit der Inflation mitgehalten. 

Warum ist gerade Gold in unsicheren Zeiten gefragt?

Gold haftet seit Jahrtausenden der Nimbus als sicherer Hafen an, denn man kann es auch in Krisenzeiten umtauschen. Anders als WĂ€hrungen, die durch geldpolitische Entscheidungen beeinflusst werden können, oder Aktien, die Unternehmensrisiken oder -chancen widerspiegeln, behĂ€lt Gold seinen Wert - ĂŒber Grenzen und politische Systeme hinweg. Gold ist bestĂ€ndig und kann geteilt sowie transportiert werden.

Was bedeutet der Anstieg fĂŒr Handel und Verbraucher?

«Weder Industrie noch Handel können die Goldpreisentwicklung in der Kalkulation auffangen», sagte Joachim DĂŒnkelmann, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbands der Juweliere, Schmuck- und UhrenfachgeschĂ€fte. Viele Lieferanten mĂŒssten die Preise anpassen. Eine ZurĂŒckhaltung bei der Kundschaft bemerke DĂŒnkelmann aber nicht. «Wir beobachten derzeit weder einen Trend zu minderwertigeren Legierungen noch eine Abkehr vom Gold zu anderen Edelmetallen.» Diese Akzeptanz der Kunden mĂŒsse aber nicht so bleiben.

Weshalb kaufen Notenbanken vermehrt Gold? 

FrĂŒher war Schmuck ein wesentlicher Treiber der Goldnachfrage, inzwischen entfĂ€llt ein Großteil auf Investitionen und ZentralbankkĂ€ufe. Notenbanken kaufen Gold aus strategischen GrĂŒnden, die vor allem mit wirtschaftlicher Sicherheit und UnabhĂ€ngigkeit zusammenhĂ€ngen. WĂ€hrungshĂŒter besonders aus LĂ€ndern wie China und anderen aufstrebenden Volkswirtschaften wollen mit dem Aufbau ihrer Goldreserven die AbhĂ€ngigkeit vom US-Dollar verringern. Auch LĂ€nder, die mit Sanktionen belegt sind, bevorzugen Gold.

Warum kaufen sicherheitsbewusste Anleger nicht Staatsanleihen?

Auch hier spielen die politischen Krisen eine wichtige Rolle. An den MĂ€rkten gibt es die Sorge, dass LĂ€nder wie die USA, Japan oder auch Frankreich ihre Staatsverschuldung weiter in die Höhe treiben. Die Anleger befĂŒrchten, dass es zu wenig Anstrengungen gibt, die Haushalte zu konsolidieren. Außerdem drohen negative Bewertungen durch die fĂŒhrenden Ratingagenturen. 

Wie sieht der Vergleich mit anderen Anlageklassen aus?

Auch andere Edelmetalle legen zu. Mit dem Anstieg um mehr als die HĂ€lfte sticht Gold in diesem Jahr allerdings die meisten anderen Anlageklassen aus. Selbst der Bitcoin, der wie Gold von den geopolitischen Krisen und der politischen Unsicherheit profitiert, kann da nicht mithalten.

Kann der Preis von Silber ebenfalls so stark zulegen? 

Auch der Preis von Silber kennt seit Beginn des Jahres nur eine Richtung: nach oben. Ähnlich wie beim Goldpreis hat sich die Rekordjagd ab September deutlich beschleunigt. Die Notierung fĂŒr Silber profitierte ebenfalls von starker Nachfrage und erreichte etwa zeitgleich mit dem Goldpreis ein Rekordhoch. Das liegt aber weit niedriger als der Goldpreis, bei 48,93 Dollar je Feinunze.

Ist Gold mittlerweile nicht zu teuer fĂŒr Privatanleger?  

Offenbar nicht. Trotz des Rekordpreises können EdelmetallhÀndler wie Alexander Zumpfe vom Handelshaus Heraeus bisher keine Auswirkungen der hohen Preise erkennen: «In Deutschland ist die Nachfrage privater Investoren weiterhin ungebrochen hoch, ungeachtet des deutlich gestiegenen Preisniveaus», sagte er. Das starke Interesse zeigt sich auch bei der Nachfrage nach börsengehandelten Wertpapieren, die mit physischem Gold gedeckt sind (ETFs). Analysten der Postbank verweisen auf RekordkÀufe im September.

Wie weit kann der Goldpreis noch steigen? 

Experten gehen ĂŒbereinstimmend davon aus, dass der Anstieg des Goldpreises noch nicht zu Ende ist. Commerzbank-Expertin Thu Lan Nguyen sieht wegen der zu erwartenden Zinssenkung in den USA noch Luft nach oben und erhöhte die Prognose auf 4.200 US-Dollar bis zum Ende des nĂ€chsten Jahres. Auch nach EinschĂ€tzung des Heraeus-HĂ€ndlern Zumpfe dĂŒrfte die Dynamik der Preisrallye am Goldmarkt von den Zinsentscheidungen der US-Notenbank Fed abhĂ€ngen. Sollten die Zinsen in der grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaft der Welt weiter sinken, dann gebe es Chancen auf eine Fortsetzung der Rekordjagd.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
wirtschaft | 68255481 |