Altersvorsorgedepot: Experten warnen vor Steuerfalle im Alter
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Vorfeld der Einführung des neuen Altersvorsorgedepots mehren sich kritische Stimmen bezüglich der langfristigen steuerlichen Auswirkungen für Anleger. Experten wie Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg wiesen am 11. August 2026 darauf hin, dass sich die steuerlichen Vorteile, die während der Erwerbsphase entstehen, im Ruhestand deutlich umkehren könnten. Insbesondere Gutverdiener stünden vor der Herausforderung, dass Entnahmen aus dem Depot im Alter einer vollen Besteuerung unterliegen.
Risiken für Gutverdiener und hohe Steuerlast im Alter
Nach Einschätzung von Finanzexperten wie Niels Nauhauser sei bei Gutverdienern mit einer verstärkten Vertriebswelle für das neue Produkt zu rechnen. Das Altersvorsorgedepot ermöglicht es dieser Gruppe, deutlich höhere Beträge einzuzahlen, als für den Erhalt der staatlichen Grundförderung notwendig wäre. Während der Einzahlungsphase können diese Beiträge steuerlich geltend gemacht werden. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % ergibt sich beispielsweise eine Ersparnis von 420 Euro pro 1.000 Euro Einzahlung. Ab einem Einkommen von 70.000 Euro liege die Steuererstattung bei 443 Euro, bei einem Steuersatz von 50 % sogar bei 630 Euro.
Die Problematik entstehe jedoch in der Auszahlungsphase, da die Entnahmen voll versteuert werden müssen. Simulationen zeigen, dass jährliche Auszahlungen von 50.000 Euro über einen Zeitraum von sieben Jahren zu Gesamtsummen zwischen 350.000 Euro und 420.000 Euro führen können. Solche hohen Entnahmen könnten Anleger im Alter in den Spitzensteuersatz treiben. Eine Rentabilitätsrechnung lohne sich daher nur dann, wenn das Einkommen im Ruhestand signifikant niedriger ausfalle als während der Erwerbsphase.
Übergang von Riester zum neuen Depotmodell
Das Altersvorsorgedepot soll ab Januar 2027 zur Verfügung stehen. In diesem Zuge wird die staatliche Förderung für die bisherige Riester-Rente zum 31. Dezember 2026 eingestellt. Eine Neuerung des Modells ist die Ausweitung des berechtigten Personenkreises: Ab Anfang 2027 können auch Beamte und Selbstständige die staatliche Förderung in Anspruch nehmen.
Für die Ausgestaltung der Verträge gelten spezifische Regeln. Es ist möglich, bis zu zwei Verträge mit jeweils 6.840 Euro zu besparen, wobei ungeförderte Einzahlungen bis zu 11.880 Euro pro Jahr möglich sind. Ein wesentlicher Vorteil während der Ansparphase besteht darin, dass Umschichtungen innerhalb des Depots steuerfrei bleiben und keine Vorabpauschale anfällt. Bei der späteren Auszahlung wird zwischen dem geförderten Teil, der voll steuerpflichtig ist, und dem ungefördeten Teil unterschieden. Letzterer unterliegt entweder dem Halbeinkünfteverfahren oder der Abgeltungsteuer, sofern die Haltedauer weniger als 12 Jahre betrug. Bei einem Auszahlplan liegt die Besteuerung ab dem 65. Lebensjahr bei 18 % und sinkt ab dem 67. Lebensjahr auf 17 %.
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Wissenschaftliche Prognosen zur Rentenhöhe und Kostenstruktur
Eine Simulation der Universität Augsburg durch Prof. Wilkens und Dr. Birk untersuchte die potenziellen Ergebnisse des Altersvorsorgedepots. Den Berechnungen zufolge liegt die durchschnittliche reale Monatsrente nach Steuern bei 724 Euro, während der Mittelwert bei 557 Euro angesetzt wird. In 10 % der simulierten Fälle fiel die Rente jedoch unter 237 Euro, in 5 % sogar unter 189 Euro.
Die Studie verdeutlicht zudem den massiven Einfluss der Gebühren auf das Endkapital. Bei einer Gebührenstruktur von 0,5 % errechneten die Forscher die genannte Durchschnittsrente von 724 Euro. Steigen die Gebühren auf 1,0 %, sinkt die zu erwartende Rente um 18 % auf 594 Euro. Bei sehr niedrigen Kosten von 0,1 % könnte die monatliche Zahlung hingegen auf 850 Euro steigen. Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass Garantien im aktuellen Marktumfeld unattraktiv seien und eine hohe Aktienquote die reale Rentenhöhe in den Simulationen paradoxerweise senken könne.
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Hohe Wechselbereitschaft trotz geringem Bekanntheitsgrad
Trotz der bevorstehenden Einführung ist das Wissen über das neue Instrument in der Bevölkerung noch begrenzt. Laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom kennen derzeit nur 39 % der Deutschen das Altersvorsorgedepot. Dennoch bekunden 66 % der Nicht-Rentner Interesse an einer Nutzung. Ein Großteil der potenziellen Nutzer (75 %) lege dabei Wert auf eine digitale Verwaltung des Depots.
Hinsichtlich der staatlichen Zulagen weichen die Angaben in aktuellen Berichten leicht voneinander ab. Während einige Quellen von einer Förderung von 50 Cent pro Euro bis 360 Euro und 25 Cent bis zu einer Grenze von 1.800 Euro sprechen (maximal 540 Euro Zuschuss), gibt der Verband Bitkom die Förderung mit 30 Cent pro Euro für die ersten 1.200 Euro und 20 Cent für weitere 600 Euro an, was einer maximalen Grundzulage von 480 Euro entspräche.
