Schröder verteidigt Freundschaft zu Putin - Kreml reagiert erfreut
28.03.2024 - 15:04:18 | dpa.de"Wir haben ĂŒber lange Jahre vernĂŒnftig zusammengearbeitet. Vielleicht kann das immer noch helfen, eine Verhandlungslösung zu finden, eine andere sehe ich nicht", sagte Schröder in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.
Der Kreml in Moskau begrĂŒĂte die ĂuĂerungen Schröders. Gute, konstruktive Beziehungen auf persönlicher Ebene wie zwischen Putin und Schröder könnten bei der Lösung von Problem helfen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag russischen Nachrichtenagenturen zufolge. Putin und Schröder hĂ€tten dies zu der Zeit, als Schröder im Amt war, wiederholt gezeigt. "Das hat dabei geholfen, die schwierigsten Fragen zu lösen und die schrittweise Entwicklung in den bilateralen Entwicklungen zu gewĂ€hrleisten."
Schröder ist seit seiner Kanzlerschaft von 1998 bis 2005 mit Putin befreundet und weiterhin fĂŒr die mehrheitlich russischen Gesellschaften der Nord-Stream-Pipelines durch die Ostsee tĂ€tig. Er hat den russischen Angriff auf die Ukraine zwar als "fatale Fehlentscheidung" bezeichnet, sich aber dennoch nicht von Putin losgesagt. Die SPD-Spitze grenzt ihn deshalb aus, ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn scheiterte aber.
Schröder will "positive Ereignisse" mit Putin nicht vergessen machen
Auf die Frage, warum er trotz Zehntausender Toter und russischer Kriegsverbrechen im Ukraine-Krieg an der Freundschaft mit dem russischen PrĂ€sidenten festhalte, antwortete Schröder im dpa-Interview: "Es ist ja so, dass das eine Dimension ist, die eine andere ist." Es habe schon einmal so ausgesehen, als könnte diese persönliche Beziehung auch mal hilfreich sein, um ein politisch auĂerordentlich schwieriges Problem zu lösen. "Und deswegen hielte ich es fĂŒr völlig falsch, alles vergessen zu machen, was es auch an positiven Ereignissen zwischen uns in der Politik in der Vergangenheit gegeben hat. Das ist nicht meine Art und das tue ich auch nicht."
Schröder spielt damit offensichtlich auf seine Vermittlungsmission im MÀrz 2022 kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine an. Damals traf er nach eigenen Angaben zunÀchst den damaligen ukrainischen Parlamentarier und heutigen Verteidigungsminister Rustem Umerow in Istanbul und reiste zu GesprÀchen mit Putin nach Moskau weiter. Die Initiative scheiterte aber.
Altkanzler nennt Spekulationen ĂŒber Atomschlag Putins "Quatsch"
Heute plĂ€diert Schröder fĂŒr einen neuen Vermittlungsversuch auf Regierungsebene. "Frankreich und Deutschland mĂŒssten dazu die Initiative ergreifen. Dass der Krieg nicht mit einer totalen Niederlage der einen oder anderen Seite enden kann, das liegt doch auf der Hand."
Die Spekulationen, Putin könnte einen Atomkrieg anzetteln oder ein Nato-Land an der Ostflanke angreifen, bezeichnete Schröder als "Quatsch". Um eine Eskalation hin zu solchen Szenarien im Keim zu ersticken und die Beunruhigung der Bevölkerung nicht gröĂer werden zu lassen, mĂŒsse neben der UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine ernsthaft ĂŒber eine Lösung des Konflikts nachgedacht werden, betonte er.
Scholz: "Putin muss nur seinen barbarischen Feldzug abbrechen"
Bundeskanzler Olaf Scholz hat seit Dezember 2022 nicht mehr mit Putin telefoniert. In einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der "MĂ€rkischen Allgemeinen" wies er aber darauf hin, dass es immer wieder GesprĂ€che mit Moskau etwa ĂŒber das Abkommen ĂŒber den Export ukrainischen Getreides, die Sicherheit am Atomkraftwerk Saporischschja oder ĂŒber den Austausch von Gefangenen gegeben habe. "Gerade sind eine Reihe von LĂ€ndern dabei, auch die Ukraine, auf Ebene der Sicherheitsberater zu diskutieren, wie etwas aussehen könnte, was zu einem Friedensprozess fĂŒhrt", sagte er. "Lassen Sie mich aber eines ganz klar sagen: Frieden ist jederzeit möglich. Putin muss nur seinen barbarischen Feldzug abbrechen und Truppen zurĂŒckziehen."
Kremlsprecher Peskow machte deutlich, dass Moskau bei den heute politischen Handelnden in Deutschland keinen Willen sehe, den Konflikt zu beenden. Deutschland sei unter Kanzler Scholz (SPD) massiv in den Krieg verwickelt. In Europa dominiere ein Ansatz, "die Ukraine dazu zu provozieren, bis zum letzten Ukrainer zu kĂ€mpfen". Moskau beobachte zwar die verschiedenen Standpunkte in Europa, sehe aber keine Ănderung der Lage./mfi/gö/mau/DP/ngu
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