Ein Jahr Trump: Wie US-Zölle die deutsche Wirtschaft treffen
20.01.2026 - 04:30:11Ob aus GrĂŒnden der «nationalen Sicherheit» oder als StrafmaĂnahme: Kaum ein Druckmittel war und ist fĂŒr US-PrĂ€sident Donald Trump so wichtig wie Zölle, die er wiederholt als sein «Lieblingswort» bezeichnete. Gegen die EU, China, Brasilien oder Kanada: Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit spielten Zölle eine wesentliche Rolle.Â
Und das ganz aktuell auch im Grönland-Konflikt: Trump kĂŒndigte erst am Samstag Zölle gegen Deutschland und sieben weitere europĂ€ische LĂ€nder an. Die gestaffelten Zölle von 10 Prozent ab 1. Februar und 25 Prozent ab 1. Juni sollen so lange gelten, bis eine Einigung ĂŒber den «vollstĂ€ndigen und umfassenden Kauf Grönlands» erzielt sei. Trump besteht darauf, dass das ressourcenreiche Grönland wegen der nationalen Sicherheit in den Besitz der USA ĂŒbergehen mĂŒsse.
Ein Jahr nach Trumps Amtsantritt wird klar, dass die Negativfolgen fĂŒr die deutsche Wirtschaft von Dauer sind. Zwar hatten sich die EU und die USA im Sommer 2025 auf ein Abkommen geeinigt, das fĂŒr die meisten europĂ€ischen Produkte einen US-Zoll von 15 Prozent vorsieht. Doch mit Trumps neuen Zolldrohungen droht der Handelskonflikt abermals zu eskalieren.
Das Ifo-Institut rechnet wegen der US-Zölle mit jahrelangen Belastungen fĂŒr die deutsche Wirtschaft. Eine Bilanz, wie sie sich bereits heute auswirken.Â
Dauer-Schock fĂŒr die KonjunkturÂ
«Die US-Zölle sind ein negativer Schock fĂŒr die deutsche Wirtschaft und treffen sie gleich dreifach», sagte Lisandra Flach, Leiterin des Ifo-Zentrums fĂŒr AuĂenwirtschaft. «Erstens, weil Deutschland weniger in die USA exportiert und zweitens, weil die Zölle Chinas Wirtschaft treffen und damit die Nachfrage nach deutschen Waren sinkt. Drittens, weil China wegen Trumps Zöllen nach neuen MĂ€rkten sucht und Waren verstĂ€rkt nach Europa umgelenkt werden, was Deutschland Konkurrenz macht.»
Schwere Last fĂŒr ExporteureÂ
Die hohen US-Zölle treffen die deutschen Exporteure auf ihrem wichtigsten Exportmarkt. Das GeschĂ€ft mit den Vereinigten Staaten, in die 2024 deutsche Waren im Wert von 161 Milliarden Euro gingen, ist im vergangenen Jahr eingebrochen, im November lag es laut Statistischem Bundesamt sogar um fast ein Viertel unter Vorjahresniveau. Der RĂŒckgang im US-GeschĂ€ft lastet schwer auf dem gesamten deutschen Export, der 2025 das dritte Jahr in Folge schrumpfte. Von ihm hĂ€ngt fast jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland ab.Â
Die Zölle unter Trump dĂ€mpften dem Ifo zufolge das Wachstum der deutschen Wirtschaft 2025 um 0,3 Prozentpunkte, dieses Jahr sollen es 0,6 Prozentpunkte sein. Das klingt wenig, entspricht aber etwa dem Effekt, den das Ifo aus den riesigen Staatsausgaben fĂŒr Infrastruktur und Verteidigung sowie weiterer Entlastung fĂŒr die Wirtschaft erwartet. Als wĂ€re das nicht genug, hat der Dollar seit Trumps Amtsantritt krĂ€ftig an Wert verloren, was deutsche Waren auf den WeltmĂ€rkten verteuert.
Autobranche leidetÂ
Gerade die deutsche Autobranche wird von Trumps Zöllen belastet. Die USA zĂ€hlen traditionell zu den wichtigsten AuslandsmĂ€rkten, vor allem fĂŒr Porsche, BMW und Mercedes. Und die Zölle trafen die Branche hĂ€rter und frĂŒher als andere: ZunĂ€chst mit 27,5 Prozent, die im August nach dem Deal mit der EU auf 15 Prozent sanken. Das ist aber immer noch sechsmal so viel wie die 2,5 Prozent, die vorher galten.Â
In der Folge brach der Auto-Export aus Deutschland in die USA ein. Noch 2024 gingen laut dem Branchenverband VDA fast 450.000 Autos in die Vereinigten Staaten, knapp ein Neuntel der Gesamtproduktion. In den ersten elf Monaten 2025 waren es laut VDA acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, in den Monaten ab der Zoll-EinfĂŒhrung im April lag das Minus mit 16 Prozent doppelt so hoch.
«Trump hat die Autoindustrie in Deutschland und in Europa massiv getroffen», sagt Autoexperte Stefan Bratzel. Mit seinen Zöllen verstĂ€rke er den Trend, dass Autos immer mehr da gebaut werden, wo sie verkauft werden. «FĂŒr unsere exportorientierte Autoindustrie ist das ein völliges Erodieren ihres klassischen GeschĂ€ftsmodells. FĂŒr die ArbeitsplĂ€tze in Europa, in Deutschland, ist das natĂŒrlich Gift.»
Maschinenbau und Stahl unter DruckÂ
Besonders hoch sind die US-Zölle auf Stahl mit 50 Prozent. In den ersten zehn Monaten 2025 sind die Stahlexporte in die USA nach Branchenangaben um elf Prozent zum Vorjahreszeitraum geschrumpft. Die Stahlzölle berechnen die Amerikaner zudem auf den Stahlanteil in Maschinen, was den deutschen Maschinenbau belastet. Dort ist die Produktion laut Branchenverband VDMA das dritte Jahr nacheinander geschrumpft, die Folge sind Jobabbau und Kurzarbeit in vielen Betrieben.Â
Nur wenige AusnahmenÂ
Nur wenige Bereichen bleiben von Trumps Zöllen verschont, sagt Ifo-Ăkonomin Flach. Ausnahmen seien etwa Dienstleister, da sie nicht betroffen seien, und der deutsche Agrarsektor. Er profitiere von Vorteilen im Handel mit China, da US-Produkte mit dem Zollstreit zwischen den beiden GroĂmĂ€chten teurer geworden seien. «Diese beiden Effekte auf die deutsche Wirtschaft sind aber minimal.»Â
Folgen fĂŒr Patienten?Â
Da Trump die Arzneipreise in den USA senken will, hat er auch den Gesundheitsmarkt ins Visier genommen. Als ZugestĂ€ndnis haben eine Reihe von Pharmakonzernen angekĂŒndigt, Milliarden in den USA zu investieren und Arzneien mit Rabatt ĂŒber den von Trump initiierten Direktvertrieb «TrumpRX» zu verkaufen.Â
Doch mĂŒssen Arzneihersteller die Preise im lukrativen US-Markt senken, dĂŒrften sie versuchen, höhere Preise woanders durchzusetzen. Kurzfristige PreissprĂŒnge in Deutschland sind aber nicht zu erwarten, denn der Markt fĂŒr verschreibungspflichtige Medikamente ist streng reguliert und viele LiefervertrĂ€ge sind langfristig angelegt.Â
Konzerne knicken vor Trump einÂ
Einige Unternehmen haben auf Trumps Druck reagiert. So sagte der Pharmakonzern Merck zu, Behandlungen fĂŒr kĂŒnstliche Befruchtungen in den USA deutlich gĂŒnstiger anzubieten. Im Gegenzug soll der Dax-Konzern von Pharmazöllen befreit bleiben. Bedingung ist, dass er in die Produktion und Forschung in Amerika investiert. Einem Ă€hnlichen Abkommen mit der Trump-Regierung schloss sich kĂŒrzlich Boehringer Ingelheim an. Auch VW-Chef Oliver Blume mĂŒhte sich um einen Deal mit den USA - und lockte mit Investitionen.
Was die Zölle den USA bringenÂ
Die Zölle auf Importe aus aller Welt bringen den USA riesige Einnahmen. Sie liegen nach Angaben des WeiĂen Hauses bei umgerechnet rund 200 Milliarden Euro. Damit bleibt die Summe hinter Erwartungen zurĂŒck: Im Juli hatte US-Finanzminister Scott Bessent noch 300 Milliarden Dollar bis Jahresende in Aussicht gestellt.Â
Wo neue Zölle drohenÂ
Auch wenn es einen Deal mit der EU gibt: Vor Trumps wankelmĂŒtiger Zollpolitik kann sich kaum eine Branche sicher fĂŒhlen. Bangen mĂŒssen etwa Hersteller von Polstermöbeln, KĂŒchenschrĂ€nken und Waschtischen. Trump hatte zunĂ€chst eine Zollerhöhung fĂŒr den 1. Januar 2026 angepeilt, diese aber an Silvester um ein Jahr verschoben.
Funkt das oberste US-Gericht Trump dazwischen?Â
Aber nicht alle in den USA sind von Trumps Zöllen angetan. Jene, die Trump unter Berufung auf ein Notstandsgesetz von 1977 gegen Dutzende Handelspartner verhĂ€ngte, werden vor dem Obersten Gericht der USA verhandelt. Die Frage ist, ob Trump seine Kompetenz ĂŒberschritten hat.Â
Dabei geht es auch um die Zölle auf EU-Produkte, die in die USA exportiert werden. Eine Entscheidung des Supreme Court steht noch aus. Unklar ist, welchen konkreten Einfluss der Prozessausgang auf den Zolldeal zwischen EU und USA hat - etwa, ob die US-Zölle dann gekippt werden könnten.Â
Selbst wenn der Supreme Court gegen Trump entscheide, bedeute das aber nicht zwingend das Ende seiner Zollpolitik, meint Adam Hersh, Ăkonom am Economic Policy Institute in Washington. Denn Trump habe noch andere gesetzgeberische Wege, um Zölle durchzusetzen - auch weiter ohne Zustimmung des Kongresses.











