GESAMT-ROUNDUP, Hunger

GESAMT-ROUNDUP: Hunger quÀlt Menschen in Gaza - Israel sieht Hamas angezÀhlt

10.12.2023 - 16:33:19

Angesichts der immer katastrophaleren Lage im Gazastreifen wĂ€chst der Druck auf Israel, bei der BekĂ€mpfung der islamistischen Hamas mehr RĂŒcksicht auf die Zivilbevölkerung zu nehmen.

Die israelische Armee verbreitete Erfolgsmeldungen. "Wir rĂŒcken an die Kommandozentralen der Hamas heran", sagte Israels Nationaler Sicherheitsberater Zachi Hanegbi. Regierungschef Benjamin Netanjahu bekrĂ€ftigte das Ziel, die Hamas zu zerschlagen und die Geiseln zu befreien. DafĂŒr werde der Krieg "mit grĂ¶ĂŸerer IntensitĂ€t" fortgesetzt.

Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, forderte bei einer Sondersitzung des WHO-Exekutivrats am Sonntag in Genf jedoch eine neue Feuerpause. Das WelternĂ€hrungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) betonte, es könne kaum noch humanitĂ€re Hilfe fĂŒr die Bevölkerung leisten. Und Außenministerin Annalena Baerbock warnte vor den Folgen. "Wir sehen auf dramatische Art und Weise nicht nur das Leid, sondern der Hunger nĂ€hrt auch weiteren Terrorismus", sagte sie in Dubai. In einem Interview des Deutschlandfunks rief sie arabische Staaten auf, die Hamas dazu zu bewegen, die Waffen niederzulegen.

Auslöser des Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zum Gazastreifen verĂŒbt hatten. Mehr als 1200 Menschen wurden dabei getötet. Durch die darauf folgenden israelischen Angriffe auf den Gazastreifen starben nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums inzwischen 17 700 Menschen.

OCHA: Umgebung des europÀischen Gaza-Krankenhaus unter Beschuss

Ziele in der NĂ€he des europĂ€ischen Gaza-Krankenhauses und des Al-Amal-Krankenhauses im SĂŒden des KĂŒstenstreifens sind nach Informationen des UN-NothilfebĂŒros OCHA wiederholt beschossen worden. Dutzende Verletzte hĂ€tten deshalb die Notaufnahmen nicht erreichen können, berichtete OCHA am Sonntag. Die beiden KrankenhĂ€user sind ebenso wie andere SpitĂ€ler völlig ĂŒberfĂŒllt. Nach SchĂ€tzungen des UN-Hilfswerks fĂŒr PalĂ€stinensische FlĂŒchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) mussten 85 Prozent der einst rund 2,2 Millionen Einwohner aus ihren HĂ€usern fliehen, weil sie beschĂ€digt oder zerstört wurden oder weil Israel wegen der KĂ€mpfe zur RĂ€umung von Gebieten aufgerufen hatte.

PalÀstinenser: Mehr als 30 Tote bei Luftangriff auf GebÀude

Nach palĂ€stinensischen Angaben wurden bei einem israelischen Luftangriff auf ein Wohnhaus in dem FlĂŒchtlingsviertel Dschabalia im Norden des Gazastreifens mindestens 31 Menschen getötet. Die israelische Armee Ă€ußerte sich zunĂ€chst nicht dazu. Die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde teilte unterdessen mit, in das Al-Aksa-Krankenhaus im zentralen Teil des Gazastreifens seien seit Samstagabend 45 Leichen gebracht worden, die bei israelischen Angriffen getötet worden seien.

Nun auch israelische Artillerie-Einheiten im Gazastreifen

Die israelische Armee teilte am Sonntag mit, erstmals seit Beginn des Krieges vor mehr als zwei Monaten seien Truppen der Artillerie auch innerhalb des Gazastreifens im Einsatz, ergÀnzend etwa zu Panzer- und Bodentruppen. Bislang war die Artillerietruppe von der Grenzlinie aus im Einsatz. Bei EinsÀtzen im Bereich von Schedschaija seien mehr als 20 Ziele angegriffen worden. Dabei handele es sich um Waffenlager, mit Sprengfallen prÀparierte HÀuser sowie Infrastruktur der islamistischen Terrororganisation Hamas.

Die Armee veröffentlicht seit Tagen auf Telegram Videos und Fotos vom riskanten HĂ€userkampf gegen die Hamas. In den teils engen Gassen der Orte im Gazastreifen kommt es dabei zu einem Nahkampf von TĂŒr zu TĂŒr mit Maschinenpistolen, Handgranaten und PanzerfĂ€usten. Immer wieder werden dabei auch EingĂ€nge zu Hamas-Tunneln in Schulen oder WohnhĂ€usern sowie umfangreiche Waffenfunde gezeigt. Sogar von Waffen, die in PlĂŒschtieren versteckt seien, wurde berichtet. Die Angaben ließen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

Hamas-Chef Sinwar bisher nicht gefasst

Den Chef der Hamas im Gazastreifen, Jihia Sinwar, konnten die Israelis bisher nicht aufspĂŒren. Er soll sich kurz nach Beginn des Krieges in einem Hilfskonvoi in den SĂŒden des abgeriegelten KĂŒstenstreifens abgesetzt haben, meldeten israelische Zeitungen unter Berufung auf Informationen des Senders Kan. Israels Armee ist dabei, öffentlich den Eindruck zu vermitteln, dass die Hamas ins Schwanken geraten ist. Armeesprecher Daniel Hagari erklĂ€rte, Terroristen, die sich ergeben haben, hĂ€tten ausgesagt, dass sich die KĂ€mpfer in einer "schwierigen Lage" befĂ€nden und die Hamas-FĂŒhrung unter Sinwar die "RealitĂ€t leugnet". Keine dieser Angaben kann von unabhĂ€ngiger Seite ĂŒberprĂŒft werden.

In der Nacht zum Sonntag kursierte ein Video aus dem nördlichen Gazastreifen im Internet, auf dem laut der "Times of Israel" ein mutmaßlicher Hamas-KĂ€mpfer zu sehen sei. Der Mann tritt aus einer Reihe anderer MĂ€nner, die wie er nur mit Unterhose bekleidet sind, mit erhobener Waffe hervor, geht an einem Panzer vorbei und legt sie vor einem israelischen Soldaten nieder. Die Szene zeige, wie sich die MĂ€nner den israelischen Truppen ergeben, hieß es in dem Bericht. Ihre IdentitĂ€t konnte jedoch zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden. Israelische Einheiten seien sehr nah an Kommandozentralen der Hamas in Dschabalia und Schedschaija herangerĂŒckt, sagte derweil Hanegbi. Es seien bereits 7000 Hamas-Terroristen getötet worden. Eine totale Niederlage der Hamas werde auch den Weg zur Befreiung von derzeit noch 138 Geiseln aus der Gewalt der Islamisten frei machen.

Extremistische PalÀstinenser setzten allerdings auch am Sonntag ihre Raketenangriffe auf israelische Grenzorte fort.

Ägyptenwahl von Krieg ĂŒberschattet

Der Gaza-Krieg ĂŒberlagert auch Ägyptens PrĂ€sidentenwahl, die am Sonntag begonnen hat. Es wird erwartet, dass Amtsinhaber Abdel Fattah al-Sisi die Wahl erneut fĂŒr sich entscheiden wird. In Ägypten gibt es die Sorge, dass die zu seinem Land gehörende und an Gaza grenzende Sinai-Halbinsel zum Ausgangsort neuer Angriffe auf Israel werden könnte, wenn Bewohner des KĂŒstenstreifens wegen des Krieges dorthin flĂŒchten. Gleichzeitig befĂŒrchtet die Regierung in Kairo, dass aus einer Massenflucht eine dauerhafte Vertreibung werden könnte.

@ dpa.de