ROUNDUPUN, Hunderttausenden

Hunderttausenden in Gaza droht der Hungertod - Nacht im Überblick

22.12.2023 - 06:00:02 | dpa.de

Angesichts der israelischen MilitĂ€roffensive im Gazastreifen wird die humanitĂ€re Lage in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen immer katastrophaler.

Aufgrund der "weltweit beispiellosen" Situation warnen die Vereinten Nationen vor dem Hungertod von Hunderttausenden PalĂ€stinensern. "So etwas habe ich noch nie gesehen. Das Ausmaß der akuten ErnĂ€hrungsunsicherheit ist in Bezug auf Schwere, Geschwindigkeit der Verschlechterung und KomplexitĂ€t beispiellos", sagte die Sprecherin des WelternĂ€hrungsprogramms (WFP), Shaza Moghraby.

Eine Resolution des Weltsicherheitsrates zur Linderung der humanitĂ€ren Not im Gazastreifen lĂ€sst indes weiter auf sich warten. Seit Tagen herrscht Uneinigkeit ĂŒber den Wortlaut einer solchen ErklĂ€rung. Eine Abstimmung war wegen eines drohenden US-Vetos mehrmals verschoben worden.

Eine neue Studie mehrerer UN-Agenturen und anderer Institutionen vom Donnerstag kommt zu dem Schluss, dass in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen 577 000 Menschen in die schwerwiegendste Kategorie des Hungers fallen. Im gesamten Rest der Welt zusammen gibt es dagegen gegenwĂ€rtig 129 000 Menschen, die der Analyse zufolge Ă€hnlich bedroht sind. Bei den von "katastrophalem" Hunger bedrohten Menschen handele es sich um mehr als ein Viertel der ĂŒber zwei Millionen Menschen in dem Gebiet. Fast alle Bewohner seien von Hunger oder Vertreibung betroffen.

Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel verĂŒbt hatten. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und begann Ende Oktober mit einer Bodenoffensive. Angesichts der katastrophalen humanitĂ€ren Lage in dem abgeriegelten KĂŒstengebiet war Israel zuletzt international immer mehr unter Druck geraten. Nach Darstellung der islamistischen Hamas wurden seit Kriegsbeginn mindestens 20 000 PalĂ€stinenser im Gazastreifen getötet.

Abstimmung ĂŒber Gaza-Resolution erneut vertagt

Nach tagelangem Ringen im Weltsicherheitsrat um eine Resolution zur Linderung der humanitĂ€ren Not im Gazastreifen wurde eine Abstimmung erneut vertagt. Mehrere LĂ€nder mĂŒssten mit ihren Regierungen beraten, nachdem in einem Kompromissentwurf grundlegende Änderungen vorgenommen wurden, hieß es am Donnerstag. Der Text, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, fordert Israel dazu auf, "unverzĂŒglich einen sicheren und ungehinderten humanitĂ€ren Zugang" in den Gazastreifen zu ermöglichen. Auch mĂŒssten die Voraussetzungen fĂŒr eine nachhaltige Einstellung der Gewalt geschaffen werden.

Immer noch Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen

Trotz der wegen der zivilen Opfer international scharf kritisierten israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen feuert die Hamas immer noch Raketen ab. Am Donnerstag waren in der Metropole Tel Aviv dumpfe Explosionen zu hören. Der bewaffnete Arm der islamistischen Hamas-Organisation, die Kassam-Brigaden, sprachen in einer Stellungnahme von einer "Reaktion auf die zionistischen Massaker an Zivilisten" im Gazastreifen. Israelischen Medien zufolge liegt der andauernde Beschuss auch an der Vielzahl von Abschussorten im Gazastreifen. Nach SchĂ€tzungen des israelischen Instituts fĂŒr Nationale Sicherheitsstudien (INSS) umfasste das Raketenarsenal der Hamas rund 20 000 Geschosse. Laut israelischen Angaben wurden seit Kriegsbeginn rund 12 500 Raketen auf den jĂŒdischen Staat abgefeuert.

Israel gegen Gaza-Verwaltung durch derzeitige PalÀstinenserbehörde

Israel lehnt eine Verwaltung des Gazastreifens nach einem Ende des Krieges durch die PalĂ€stinenserbehörde im Westjordanland ab. Alle Welt wolle das, aber das sei unmöglich, solange die Autonomiebehörde die Menschen anstachele, Israelis zu hassen, und die Kinder dazu erziehe, Israelis zu töten, sagte ein ranghoher Vertreter der israelischen Regierung. Die USA sehen hingegen die im Gegensatz zur islamistischen Hamas eher moderate Autonomiebehörde von PalĂ€stinenserprĂ€sident Mahmud Abbas fĂŒr die Zeit nach dem Krieg in einer zentralen Rolle. Der bereits seit 18 Jahren amtierende Abbas ist bei den PalĂ€stinensern allerdings sehr unbeliebt. Die Hamas hingegen wird seit dem Beginn des Gaza-Kriegs im Westjordanland immer beliebter.

Israels Armee reklamiert Kontrolle ĂŒber Hamas-Hochburg Schedschaija

Die israelischen StreitkrĂ€fte haben nach eigenen Angaben die "operative Kontrolle" ĂŒber das als Hamas-Hochburg geltende Gaza-Stadtviertel Schedschaija hergestellt. "Die Truppen werden in dem Viertel weiterhin begrenzte EinsĂ€tze durchfĂŒhren, um verbliebene Infrastruktur der Hamas zu zerstören und KĂ€mpfer, die sich verstecken, zu töten", hieß es in einer Mitteilung des MilitĂ€rs. Schedschaijia im Norden des KĂŒstenstreifens war bis zuletzt Schauplatz heftiger KĂ€mpfe zwischen israelischen Soldaten und Terroristen der islamistischen Hamas. Ende letzter Woche hatte das MilitĂ€r dort versehentlich drei israelische Geiseln erschossen, die der Gewalt ihrer EntfĂŒhrer entkommen waren.

Was am Freitag wichtig wird

Nach schwierigen Verhandlungen könnte der Kompromissvorschlag fĂŒr eine Gaza-Resolution im UN-Sicherheitsrat nun am Freitag zur Abstimmung kommen. In der umstrittenen Frage nach der Art der Kontrolle der HilfsgĂŒter fanden die Ratsmitglieder zuletzt einen Kompromiss: Ein neu eingesetzter UN-Koordinator soll die internationalen Hilfssendungen ĂŒberprĂŒfen. Nach den großen ZugestĂ€ndnissen der UnterhĂ€ndler kĂŒndigte die US-amerikanische UN-Botschafterin an, bei einer Abstimmung auf ein Veto verzichten zu wollen.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
wirtschaft | 64452914 |