Bundesbank-PrÀsident erwartet keine schnellen Zinssenkungen
18.09.2024 - 14:17:54Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel rechnet nicht mit schnellen Zinssenkungen in der Eurozone. Seiner EinschĂ€tzung nach gilt es als sicher, dass «die Leitzinsen nicht so schnell und stark runtergehen, wie sie raufgegangen sind», sagte Nagel laut Redetext auf einer Veranstaltung der Commerzbank in Frankfurt. Wie genau es weitergehe, sei offen. Weil die weiteren Zinsentscheidungen der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) von der Entwicklung der Konjunkturdaten abhĂ€ngig seien, «können die ZeitabstĂ€nde zwischen den potenziellen Schritten variieren». Nagel machte zudem deutlich, dass der geldpolitische Kurs «hinreichend straff» bleiben mĂŒsse, damit die Inflationsrate mittelfristig zum EZB-Ziel zwei Prozent im Euroraum zurĂŒckkehre.
«Inflation noch nicht da, wo wir sie haben wollen»
Im Kampf gegen die hohe Inflation mit Jahresraten von mehr als zehn Prozent im Herbst 2022 hatte die EZB die Leitzinsen zehnmal in Folge angehoben. Nachdem sich die Teuerung abgeschwÀcht hatte, begann die EZB im Juni die Zinswende. Im September senkte die Notenbank den wichtigsten Leitzins, den Einlagensatz, erneut um 0,25 Prozentpunkte auf nun 3,5 Prozent. Einige Beobachter rechnen damit, dass die EZB bei ihrer nÀchsten Sitzung im Oktober eine Pause einlegt.
Zuletzt lag die Inflation in der Eurozone im August bei 2,2 Prozent. Nagel verwies in seiner Rede auf einen «nur langsam nachlassenden Lohndruck». Hinzu komme, dass der RĂŒckgang der Teuerung hauptsĂ€chlich auf einem RĂŒckgang der Energiepreise basiere. «Aktuell ist die Inflation noch nicht da, wo wir im EZB-Rat sie haben wollen», sagte Nagel.
Nagel fĂŒr moderate Lockerung der Schuldenbremse
Die Bundesbank plĂ€dierte zudem erneut fĂŒr eine Reform der Schuldenbremse. Nagel verwies darauf, dass die Verschuldungsquote in Deutschland nicht mehr weit weg sei von der 60 Prozent-Obergrenze gemessen am Bruttoinlandsprodukt, die in den europĂ€ischen VertrĂ€gen von Maastricht vorgesehen ist. «Hier kann es dann in der Tat sinnvoll sein, durch eine moderate Reform der Schuldenbremse den fiskalischen Spielraum etwas zu vergröĂern, solange Deutschland die europĂ€ischen Schuldenregeln erfĂŒllt», sagte Nagel. Er verwies auf Mehrausgaben etwa fĂŒr Klimaschutz und Verteidigung, die auf der Dringlichkeitsliste nach oben rĂŒckten. 2023 war die Schuldenquote Deutschlands auf 63,7 Prozent gesunken.
Die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse erlaubt dem Bund nur in geringem MaĂe die Aufnahme neuer Schulden. In der Ampel-Regierung gibt es im Zuge des Haushaltsstreits immer wieder Streit um die Schuldenbremse. Die FDP pocht auf die Einhaltung.


