Baerbock dringt auf humanitĂ€re Hilfe fĂŒr Gazastreifen
11.11.2024 - 07:05:02"Noch nie in den letzten 12 Monaten kam so wenig Hilfe in den Gazastreifen wie jetzt", sagte die GrĂŒnen-Politikerin. Alle GrenzĂŒbergĂ€nge in das KĂŒstengebiet mĂŒssten fĂŒr Hilfslieferungen geöffnet werden. Israel mĂŒsse mehr fĂŒr die Zivilbevölkerung tun - "ohne Ausreden".
Bei neuen Angriffen der israelischen Armee im Gazastreifen und im Libanon kamen unterdessen erneut Dutzende Menschen ums Leben. Nach israelischen Angaben wurde ein ranghoher Terrorist des Islamischen Dschihads im Gazastreifen getötet. In Riad wollen heute auf Einladung Saudi-Arabiens unterdessen Dutzende arabische und islamische LĂ€nder ĂŒber den Krieg in Nahost beraten.
Baerbock: Israel hielt Zusagen nicht ein
Mit Blick auf die humanitĂ€re Lage kritisierte Baerbock, Israel habe diesbezĂŒglich immer wieder Zusagen gemacht, die dann aber "nicht eingehalten wurden". "Ein GroĂteil der ĂŒber zwei Millionen Menschen leiden an akuter MangelernĂ€hrung, lebt in unvorstellbaren ZustĂ€nden", erklĂ€rte Baerbock weiter. An keinem Ort der Welt gebe es auf so kleinem Raum so viele Kinder mit Amputationen. "Weite Teile Gazas sind ein absolutes TrĂŒmmerfeld", sagte die Ministerin.
Angesichts des herannahenden Winters sei nichts dringlicher als die Freilassung der Geiseln in der Gewalt der islamistischen Hamas im Gazastreifen sowie die Lieferung dringend benötigter HilfsgĂŒter fĂŒr die Zivilbevölkerung. Israels Recht auf Selbstverteidigung finde seine Grenze im humanitĂ€ren Völkerrecht und dazu gehöre, dass humanitĂ€rer Zugang zu allen Zeiten gewĂ€hrt werden mĂŒsse, mahnte Baerbock. Sie forderte erneut einen Waffenstillstand.
Israel: Terror-Kommandeur im Gazastreifen getötet
Die israelische Armee tötete nach eigenen Angaben den MilitĂ€rchef der Terrororganisation PalĂ€stinensischer Islamischer Dschihad (PIJ) im Gazastreifen, Mohammed Abu Sachil. Er hatte das Amt erst im Mai ĂŒbernommen, nachdem auch sein VorgĂ€nger von der israelischen Armee getötet worden war.
Der Islamische Dschihad bestÀtigte der Deutschen Presse-Agentur den Tod Abu Sachils. Nach Angaben der Armee kam er bei einem Angriff auf eine ehemalige Schule im Norden des Gazastreifens ums Leben. Dabei seien auch sein Sohn und seine Tochter sowie drei weitere Personen getötet worden. Der PIJ gilt als eine der radikalsten militanten Gruppierungen im Nahen Osten, gilt jedoch als weniger schlagkrÀftig als die Hamas.
Bei einem israelischen Angriff im nördlichen Gazastreifen starben nach palÀstinensischen Angaben Dutzende Menschen, laut palÀstinensischer Nachrichtenagentur Wafa darunter auch viele MinderjÀhrige.
Erneut viele Tote bei Angriffen im Libanon
Israel griff erneut auch Ziele im Libanon an. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden bei israelischen Luftangriffen mindestens 38 Menschen getötet, weitere seien verletzt worden. Allein bei einem Angriff auf den Ort Almat, etwa 15 Kilometer östlich der Hafenstadt Byblos, starben mindestens 23 Menschen - unter ihnen sieben Kinder.
Israels Armee teilte auf Anfrage mit, es seien Waffenlager der Hisbollah angegriffen worden. Zuvor seien MaĂnahmen wie LuftaufklĂ€rung zur Vermeidung ziviler Opfer ergriffen worden. Die Details des Angriffs wĂŒrden zurzeit noch untersucht.
Unterdessen schoss Israels MilitÀr eigenen Angaben nach eine Drohne aus dem Libanon ab. Das Flugobjekt sei zunÀchst beobachtet und dann in der Region GalilÀa im Norden Israels abgeschossen worden, hieà es.
Verteidigungsminister Katz: Hisbollah besiegt
Israels neuer Verteidigungsminister Israel Katz erklĂ€rte die libanesische Hisbollah-Miliz einem Medienbericht zufolge indes fĂŒr besiegt. Israels SchlĂ€ge hĂ€tten die Miliz besiegt, die Eliminierung von Hisbollah-FĂŒhrer Hassan Nasrallah sei das krönende Juwel, sagte Katz einem Bericht der "Times of Israel" zufolge bei einer Veranstaltung des AuĂenministeriums.
Israel will Hisbollah-Tunnel unter Friedhof entdeckt haben
Die israelische Armee entdeckte eigenen Angaben nach im SĂŒdlibanon ein mit Waffen gefĂŒlltes Tunnelsystem der Hisbollah-Miliz, das teilweise unter einem Friedhof angelegt gewesen sei. In dem Komplex unter den GrĂ€bern seien Kommando- und WohnrĂ€ume sowie Lager mit Waffen und KampfausrĂŒstung gefunden worden, teilte die Armee mit. Weitere Angaben zum Ort gab es zunĂ€chst nicht. Normalerweise sprengen israelische Soldaten solche Tunnel. In diesem Fall sei die etwa einen Kilometer lange Anlage jedoch mit etwa 4.500 Kubikmetern Beton versiegelt worden.
Israels BĂŒrger zu Vorsicht bei Events im Ausland aufgerufen
Nach den Angriffen meist propalĂ€stinensischer Jugendlicher auf israelische FuĂballfans in Amsterdam rief Israels Nationaler Sicherheitsrat die BĂŒrger generell zur Vorsicht bei Veranstaltungen im Ausland auf. Sie sollen Sport- und Kulturveranstaltungen auĂerhalb Israels meiden, an denen israelische Teams oder KĂŒnstler teilnehmen, wie die Zeitung "Haaretz" unter Berufung auf den Sicherheitsrat berichtete. Diese Warnung betreffe auch das Nations League-Spiel zwischen Frankreich und Israel am Donnerstag in Paris.
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hatte es nach einem FuĂballspiel von Ajax Amsterdam gegen Maccabi Tel Aviv gezielte Angriffe auf israelische Fans gegeben. Die Attacken waren als antisemitische Gewalt verurteilt worden. Amsterdam hatte ein Demonstrationsverbot verhĂ€ngt. Am Sonntag nahm die Polizei dort Dutzende Teilnehmer einer verbotenen propalĂ€stinensischen Demonstration fest.
GesprÀche in Riad
Auf Einladung Saudi-Arabiens wollen heute Vertreter aus mehr als 50 arabischen und weiteren islamischen Staaten in Riad ĂŒber die Lage in Nahost beraten. Bei dem Treffen soll es nach saudischen Angaben um die "sĂŒndhafte israelische Aggression gegen die besetzten PalĂ€stinensergebiete und deren Erweiterung auf den Libanon" gehen. Vor einem Jahr hatte Saudi-Arabien zu einem Ă€hnlichen Treffen eingeladen. Dabei wurde unter anderem ein Komitee verschiedener Minister ins Leben gerufen, um auf ein Ende des Gazakriegs hinzuwirken. Wirkung zeigte die Initiative bisher nicht.

