Blinken zu GesprĂ€chen in Israel - Die Nacht im Ăberblick
09.01.2024 - 06:35:06Bei Treffen in Tel Aviv am Dienstag, unter anderem mit seinem neuen israelischen Kollegen Israel Katz, dĂŒrfte es darum gehen, wie ein Ăbergreifen des Konflikts auf benachbarte Staaten - insbesondere den Libanon - verhindert werden kann. Im Libanon war am Montag ein wichtiger Kommandeur der Schiitenmiliz Hisbollah, Wissam al-Tauil, bei einen mutmaĂlich israelischen Drohnenangriff getötet worden.
Auch die Frage, wie es im Gazastreifen nach einem Ende des Kriegs weitergehen könnte, dĂŒrfte in Tel Aviv erörtert werden. "Wir wollen zusammenarbeiten und unsere BemĂŒhungen koordinieren, um Gaza bei der Stabilisierung und Erholung zu helfen, einen politischen Weg fĂŒr die PalĂ€stinenser festzulegen und auf langfristigen Frieden, Sicherheit und StabilitĂ€t hinzuarbeiten", sagte Blinken zuvor laut einem Bericht der "Times of Israel" in Saudi-Arabien. Dort hatte Blinken im Rahmen seiner Nahost-Vermittlungsreise am Montagabend GesprĂ€che mit Kronprinz Mohammed bin Salman gefĂŒhrt.
Auslöser des Gaza-Kriegs war die grausame Terrorattacke der islamistischen Hamas und anderer extremistischer PalÀstinensergruppen am 7. Oktober. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden in Gaza seither 23 084 Menschen getötet.
Israel: Hamas-Raketenexperte in Syrien getötet
Die israelische Armee hatte am Montag eigenen Angaben zufolge einen Raketenexperten der islamistischen Hamas in Syrien getötet. Hassan Hakascha sei fĂŒr Raketenbeschuss Israels aus Syrien in den vergangenen Wochen verantwortlich gewesen, teilte die Armee mit. Er habe Hamas-Terrorzellen dirigiert, die aus dem nördlichen Nachbarland Raketen auf israelisches Territorium abgefeuert hĂ€tten.
Hakascha sei in dem Ort Beit Dschinn sĂŒdwestlich von Damaskus in der NĂ€he der israelisch besetzten Golanhöhen getötet worden. Israel werde keinen Terrorismus von syrischem Territorium aus tolerieren und Syrien fĂŒr alle AktivitĂ€ten verantwortlich machen, die von seinem Territorium ausgehen, betonte die Armee weiter. Normalerweise Ă€uĂert sich Israel nicht zu Angriffen auf Gegner im Ausland.
Habeck besucht Oman, Baerbock in Ăgypten
Bei einer Reise in mehrere LĂ€nder des Nahen Ostens will auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (GrĂŒne) angesichts des Gaza-Kriegs den Dialogprozess in der Region unterstĂŒtzen. "Es muss wieder Frieden geben. Die palĂ€stinensische Bevölkerung braucht eine klare Perspektive hin zu einer Zweistaatenlösung", sagte Habeck am Montagabend vor dem Abflug nach Oman. "Israel braucht Schutz und hat das Recht, sich zu verteidigen. Aber vor allem muss das Töten jetzt auch aufhören", forderte er.
Nach dem Oman will Habeck auch Saudi-Arabien, Israel und das Westjordanland besuchen. Die Reise soll am Donnerstag enden. In Israel will Habeck den Angaben zufolge in Tel Aviv und Jerusalem GesprĂ€che mit Regierungsvertretern fĂŒhren. In Ramallah im Westjordanland soll er den palĂ€stinensischen MinisterprĂ€sidenten Mohammed Schtaje treffen sowie lokale Wirtschaftsvertreter. Auch BundesauĂenministerin Annalena Baerbock setzt ihre Reise in der Region fort. An diesem Dienstag ist sie in Ăgypten.
Gesundheitsbehörde: Israelische Soldaten töten drei PalÀstinenser
Israelische Soldaten haben bei einem Einsatz in der Gegend der Stadt Tulkarm im besetzten Westjordanland nach Angaben der palĂ€stinensischen Gesundheitsbehörde drei junge MĂ€nner getötet. Die Opfer im Alter von 22, 23 und 24 Jahren hĂ€tten in einem Auto gesessen, als die Soldaten das Feuer eröffneten. Die Opfer seien Mitglieder der Fatah-Partei des palĂ€stinensischen PrĂ€sidenten Mahmud Abbas gewesen, teilte die PalĂ€stinenserorganisation mit. Ob sie auch zur bewaffneten Gruppierung der Fatah, den Al-Aksa-Brigaden, gehörten, wurde nicht gesagt. Die israelische Armee teilte auf Anfrage mit, sie prĂŒfe die Berichte, machte zunĂ€chst jedoch keine weiteren Angaben.
Seit dem Beginn des Gaza-Kriegs starben bei israelischen MilitÀreinsÀtzen im Westjordanland bereits 326 Menschen.
UN-Beobachter fordern Rechenschaft fĂŒr Verbrechen gegen Israelis
Experten der Vereinten Nationen hatten indes am Montag gefordert, die TĂ€ter brutaler Tötungen, EntfĂŒhrungen und Sexualverbrechen gegen Israelis am 7. Oktober 2023 juristisch zur Rechenschaft zu ziehen. "Die wachsende Zahl an Beweisen fĂŒr die Berichte ĂŒber sexuelle Gewalt ist besonders erschĂŒtternd", sagten die UN-Sonderberichterstatterin fĂŒr Folter Alice Jill Edwards und Morris Tidball-Binz, UN-Sonderberichterstatter fĂŒr willkĂŒrliche Hinrichtungen. Sie wiesen auf mutmaĂliche Gruppenvergewaltigungen sowie VerstĂŒmmelungen und Schusswunden in den Genitalbereich hin. Dabei handle es sich nicht nur um sexuelle Folter und Kriegsverbrechen, sondern möglicherweise auch um Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
"Waffenstillstand jetzt" - Biden wird von Demonstranten unterbrochen
US-PrĂ€sident Joe Biden wurde unterdessen bei einer Wahlkampfrede im Bundesstaat South Carolina von Demonstranten unterbrochen, die einen sofortigen Waffenstillstand im Gazastreifen forderten. Er verstehe ihre Leidenschaft, sagte Biden am Montag in einer Kirche in der Stadt Charleston. Er arbeite "im Stillen" mit der israelischen Regierung und wolle erreichen, dass Israel seine MilitĂ€rprĂ€senz im Gazastreifen deutlich reduziere. Zuvor hatte rund eine Handvoll Demonstranten gerufen: "Waffenstillstand, jetzt". Sie wurden schlieĂlich aus der Kirche eskortiert.
Was am Dienstag wichtig wird
WĂ€hrend US-AuĂenminister Blinken im Rahmen seiner Nahost-Vermittlungsreise GesprĂ€che in Israel fĂŒhrt, besucht Bundeswirtschaftsminister Habeck den Golfstaat Oman fĂŒr GesprĂ€che ĂŒber Wirtschaftsbeziehungen. Seine GrĂŒnen-Parteikollegin AuĂenministerin Baerbock setzt ihren Nahostbesuch in Ăgypten fort.

