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Anthropic Cyber Mission: Elf Partner sollen kritische Netze mit KI schützen

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 21:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Anthropic verbindet Schutz kritischer Netze mit kostenlosen Open-Source-Prüfungen und stellt bis zu 100 Millionen US-Dollar Guthaben bereit.

Anthropic startet Cyber-Mission mit Infrastrukturprogramm und OSS-Scanner
Ein Hochspannungsumspannwerk mit massiven Stahltürmen und Transformatoren in der Abenddämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Das KI-Unternehmen Anthropic hat seine sogenannte Cyber Mission gestartet. Die Initiative umfasst zwei zentrale Schwerpunkte: das Critical Infrastructure Defense Program (CIDP), das sich dem Schutz kritischer Infrastrukturen widmet, sowie den kostenlosen OSS Scanner für Open-Source-Software.

Schutz für Versorgungsnetze mit elf Partnern

Das CIDP richtet sich gezielt an vertrauenswürdige Anbieter, die Strom-, Wasser- und Verkehrsnetze absichern. Im Rahmen des am 8. Oktober 2026 gestarteten Programms stellt Anthropic den beteiligten Unternehmen modernste Frontier-Modelle der Claude-Reihe, Vor-Ort-Ingenieure und Ergebnisse der eigenen Bedrohungsforschung zur Verfügung.

Zu den elf Gründungspartnern des Programms gehören Accenture, Booz Allen Hamilton, CrowdStrike, Deloitte, Dragos, Hitachi, Insane Cyber, Nozomi Networks, Palo Alto Networks, PwC sowie Rockwell Automation. Mehrere dieser Partner arbeiten nach Angaben von Anthropic bereits mit Claude an der Analyse von Sicherheitslücken.

Der Partner Hitachi gab seinen Beitritt bekannt und betonte, das Programm solle die Cyberabwehr von Strom-, Wasser-, Fertigungs- und Verkehrssystemen verbessern, indem Claude direkt in Produkte und Dienste von Systemintegratoren und Sicherheitsanbietern eingebunden werde.

Hitachi bringt operative Technologie-Expertise (OT) in Arbeitsgruppen ein und plant, seinen Sicherheitsdienst HMAX sowie die Sicherheit der eigenen OT-Produkte weiterzuentwickeln.

Das Unternehmen wies darauf hin, dass fehlende Wartungsfenster für längere Systemausfälle notwendige Sicherheitsupdates erschweren, während künstliche Intelligenz die Spanne zwischen dem Bekanntwerden und dem Ausnutzen von Schwachstellen verkürze.

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Anthropic nannte weder konkrete Kosten noch die Gesamtlaufzeit des Programms. Auch Details zur technischen Anbindung von OT-Systemen und kommerzielle Konditionen für Partner blieben offen. Das Unternehmen stellt jedoch bis zu 100 Millionen US-dollar an Nutzungsguthaben für Claude Mythos Preview bereit. Zudem spendet Anthropic 2,5 Millionen US-Dollar an Alpha-Omega/OpenSSF sowie 1,5 Millionen US-Dollar an die Apache Software Foundation.

Automatisierte Sicherheitsprüfungen für Open-Source-Projekte

Die zweite Säule der Initiative bildet der OSS Scanner, der am 8. Oktober 2026 eingeführt wurde. Das Werkzeug bietet Open-Source-Projekten regelmäßige und kostenlose Sicherheitsanalysen. Maintainer können ihre Projekte freiwillig registrieren, sofern diese als kritisch für Infrastrukturen oder die Nutzersicherheit eingestuft sind.

Der Scanner generiert automatisierte Berichte, die Fehlererklärungen, Machbarkeitsnachweise (Proof of Concept) und, sofern verfügbar, Vorschläge zur Behebung enthalten. Anthropic weist darauf hin, dass diese Berichte ohne vorherige menschliche Prüfung versendet werden und Ungenauigkeiten enthalten können. Das Unternehmen erwartet eine Trefferquote von über 90 Prozent, warnt aber gleichzeitig vor möglichen Fehlern.

Erste Testergebnisse belegen den Umfang der automatisierten Suche: Innerhalb von sechs Monaten markierten Anthropics Modelle über 29.000 potenzielle Schwachstellen. Rund 6.000 davon wurden manuell geprüft und triagiert, während fast 5.000 ungeprüfte Berichte direkt an Maintainer gingen.

Bei einer Stichprobe von 97 kritischen oder schwerwiegenden Funden in 48 Projekten bewerteten Sicherheitsexperten 85 Fälle – entsprechend 88 Prozent – als geeignet für das Offenlegungsverfahren von Anthropic.

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Erfahrungen aus Vorläuferprojekten

Die Erkennungsleistung der Modelle hat sich deutlich verbessert. Nach Unternehmensangaben identifizieren die KI-Modelle inzwischen über 85 Prozent der Schwachstellen, während dieser Wert zu Beginn von 2025 noch bei 20 Prozent lag.

Die Initiative baut auf bisherigen Erfahrungen auf. Anfang Oktober ging das vorherige Project Glasswing in das erweiterte Cyber Verification Program über. Zwar fand Glasswing zahlreiche Schwachstellen, senkte das Cyberrisiko nach Unternehmensangaben jedoch noch nicht in ausreichendem Maße.

Gefundene Lücken konnten teilweise erst nach Monaten behoben werden; im Bereich der Betriebstechnik (OT) könne dieser Prozess in seltenen Fällen sogar Jahrzehnte dauern. Anthropic erwartet dennoch, dass KI-Technologien innerhalb der nächsten zwei Jahre vor allem den Verteidigern digitaler Systeme einen entscheidenden Vorteil verschaffen werden.

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