Arbeitgeber-Attraktivität: Nur jedes dritte Unternehmen gilt als attraktiv
11.06.2026 - 00:48:15 | boerse-global.de
Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität St. Gallen und der zeag GmbH vom 9. Juni. Für die Untersuchung werteten die Forscher Daten von über 19.000 Befragten aus 94 Unternehmen aus.
Das alarmierende Ergebnis: 75 Prozent der Betriebe stecken in einer sogenannten Beschleunigungsfalle. Überlastung und mangelnde Ressourcen prägen den Arbeitsalltag. Die Unternehmen stehen unter Druck – nicht nur bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter, sondern vor allem bei deren langfristiger Bindung.
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KI-Kultur steigert Attraktivität um 21 Prozent
Eine ausgeprägte KI-Kultur könnte die Arbeitgeberattraktivität um bis zu 21 Prozent steigern, so die Studienautoren. Bisher verfügen allerdings nur 28 Prozent der befragten Unternehmen über eine solche technologische Verankerung.
Der ISOTEC-Handwerkskompass 2026 von IW Consult untermauert die Bedeutung der Wahrnehmung: Eine Steigerung der Attraktivität um zehn Prozent bringt demnach einen Produktivitätsgewinn von 3,6 Prozent.
Mentoring gegen Ausbildungsabbrüche
Ein Hebel zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses liegt in der erfolgreichen Integration von Azubis. Etwa ein Drittel aller Ausbildungsverhältnisse wird vorzeitig gelöst. Die Stiftung „Achtung!Kinderseele“ weitet deshalb ihr Pilotprojekt „Ausbildungsanker“ aus.
Ab September 2026 läuft das Programm auch in Schleswig-Holstein. Das Ziel: Ausbildungsabbrüche durch Schulungen zur psychischen Gesundheit verhindern. In einer ersten Phase in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern nahmen bereits 48 Personen aus 34 Institutionen teil. Sie sind für rund 900 Auszubildende verantwortlich.
80 Prozent der Teilnehmer gaben an, sich durch die Schulungen besser auf die Betreuung der Jugendlichen vorbereitet zu fühlen. Anmeldungen für die neue Runde sind bis Mitte August 2026 möglich.
Öffentlicher Dienst lockt mit frühen Zusagen
Auch der öffentliche Sektor reagiert auf den Wettbewerb um junge Talente. Der Landtag in Nordrhein-Westfalen hat den Weg für 12.750 frühzeitige Einstellungszusagen für das Jahr 2027 freigemacht. Finanzminister Optendrenk spricht von Planungssicherheit für angehende Fachkräfte.
Insgesamt stellt das Land mehr als 16.000 Ausbildungs- und Studienplätze zur Verfügung. Die Schwerpunkte: 9.000 Plätze für Lehrkräfte, 3.000 Stellen bei der Polizei sowie die Steuerverwaltung. Durch die vorzeitigen Zusagen sollen Bewerber nicht während der Wartezeit zu anderen Arbeitgebern abwandern.
KI im Onboarding und Management
Künstliche Intelligenz verändert zunehmend die Prozesse in Personalabteilungen. Seit dem 10. Juni ist ein neuer KI-gestützter Rekrutierungsassistent von LinkedIn auf Deutsch verfügbar. Siemens und SAP setzen ihn bereits ein. Erste Daten zeigen eine Zeitersparnis von etwa 1,5 Stunden pro Stellenausschreibung.
Für die Phase nach der Einstellung gewinnen digitale Werkzeuge zur Führungskräfteentwicklung an Bedeutung. Ein Whitepaper von Blended Leading beschreibt den Einsatz von KI-generierten Impulsen in Kollaborationssoftware wie Microsoft Teams. Ziel dieses Mikro-Mentorings: Führungskompetenzen in Konfliktmanagement und Vertrauensbildung direkt im Arbeitsfluss stärken – und so die Mitarbeiterbindung erhöhen.
Mitarbeitergespräche, die niemand mag – so wird das endlich anders. Führungskräfte berichten: Mit diesen Vorlagen laufen Jahresgespräche strukturierter und fairer ab. 9 kostenlose Vorlagen für Mitarbeitergespräche sichern
Digitale Personalakte wird Pflicht
Parallel zur Prozessoptimierung müssen Unternehmen gesetzliche Fristen beachten. 2026 besteht noch keine allgemeine Pflicht zur digitalen Personalakte. Das ändert sich für sozialversicherungsrelevante Unterlagen: Ab dem 1. Januar 2027 müssen diese Entgeltunterlagen vollständig digital geführt werden.
Experten mahnen die Einhaltung der Revisionssicherheit nach den GoBD an. Wer jetzt nicht umstellt, riskiert später böses Erwachen.
