Arbeitgeberverband fordert: Acht-Stunden-Tag kippen, 48-Stunden-Woche einführen
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger will die tägliche Höchstarbeitszeit kippen. Stattdessen soll künftig nur noch eine Wochen-Obergrenze gelten.
Flexiblere Modelle als Vorbild?
Dulger fordert eine Abkehr vom starren Acht-Stunden-Tag. An dessen Stelle solle eine wöchentliche Höchstarbeitszeit treten – orientiert an der EU-Richtlinie mit 48 Stunden pro Woche. Der Arbeitgeberpräsident verweist auf Länder wie Belgien oder Italien: Dort führten flexiblere Modelle nicht zu höheren Krankenständen, im Gegenteil.
Gewerkschaften schlagen Alarm
Die Reaktion der Gewerkschaften fällt deutlich aus. Stefan Körzell, stellvertretender DGB-Chef, spricht von einem „gefährlichen Vorstoß“ und warnt vor einem Rückfall ins 19. Jahrhundert. Ohne den Schutz des Acht-Stunden-Tages drohten Schichten von bis zu 13 Stunden.
DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel fordert eine harte Bedingung: Jede Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit müsse zwingend an Tarifverträge gekoppelt sein. Aktuell erlaubt das Gesetz acht Stunden täglich, in Ausnahmefällen zehn – sofern ein Zeitausgleich folgt.
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Gerichte stärken Arbeitnehmerrechte
Die politische Debatte wird von juristischen Entwicklungen flankiert. Der Europäische Gerichtshof entschied bereits im Herbst 2025: Vom Arbeitgeber organisierte Sammelfahrten zur Arbeitsstelle gelten als Arbeitszeit. Bei einem Mindestlohn von 13,90 Euro ergeben sich daraus schnell hohe Nachzahlungsansprüche – bei 90 Minuten Fahrtzeit rund 20 Euro pro Tag.
Auch im Homeoffice bekommen Beschäftigte mehr Rückhalt. Ein niederländisches Gericht sprach einem Angestellten über 90.000 Euro Entschädigung zu. Der Mann war nach unzulässiger Überwachung seiner Login-Zeiten gekündigt worden. Die permanente Kontrolle der Online-Präsenz stufte das Gericht als rechtswidrig ein.
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Regierung unter Zugzwang
Die Bundesregierung muss liefern – ein erster Gesetzentwurf scheiterte Mitte Juni. Kanzler Merz erwartet nun im Herbst einen neuen Anlauf von Arbeitsministerin Bas. Der Koalitionsvertrag sieht die Einführung einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit zwar bereits vor, über die Ausgestaltung herrscht jedoch Uneinigkeit.
Parallel prüft Gesundheitsministerin Nina Warken Maßnahmen gegen hohe Krankenstände. Mit 14,5 Krankheitstagen pro Jahr liegt Deutschland weit vorne – die telefonische Krankschreibung soll deshalb auf den Prüfstand. Die Arbeitgeber unterstützen das und fordern generell strengere Regeln bei Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen.
