Arbeitskosten: Euroraum verzeichnet 3,2 Prozent Anstieg im Q1
16.06.2026 - 15:11:52 | boerse-global.de
Das teilte Eurostat am Dienstag mit. Im gesamten EU-Raum fiel der Anstieg mit 3,6 Prozent etwas höher aus.
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Löhne treiben die Entwicklung
Vor allem die Löhne und GehĂ€lter legten im Euroraum zu â um 3,4 Prozent. Die Lohnnebenkosten stiegen um 2,9 Prozent. In der gesamten EU sind die Löhne um 3,7 Prozent gestiegen, die Nebenkosten um 3,2 Prozent.
Die Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten sind enorm. Ungarn verzeichnete ein Plus von 16,4 Prozent, Bulgarien von 13,2 Prozent. Am unteren Ende liegen Malta mit 1,3 Prozent und Frankreich mit 1,8 Prozent.
Die durchschnittlichen Arbeitskosten pro Stunde lagen 2025 in der EU bei 34,90 Euro, im Euroraum bei 38,20 Euro. Die Spanne reicht von 12,00 Euro in Bulgarien bis 56,80 Euro in Luxemburg.
Wirtschaftsforscher senken Prognosen
Zeitgleich zu den Arbeitskostendaten korrigierten fĂŒhrende Institute ihre Erwartungen fĂŒr Deutschland nach unten. Das RWI senkte seine BIP-Prognose fĂŒr 2026 auf 0,8 Prozent â zuvor waren 0,9 Prozent erwartet worden. FĂŒr 2027 fiel die Korrektur deutlicher aus: von 1,2 auf 0,8 Prozent.
Grund sind laut RWI-Ăkonomen die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Sie belasten den privaten Konsum und die Investitionen. Die Inflationsrate in Deutschland wird fĂŒr 2026 auf 3,1 Prozent geschĂ€tzt.
Das IWH prognostiziert in seiner Sommeranalyse ebenfalls 0,9 Prozent Wachstum fĂŒr 2026 und 2027. Allerdings warnt das Institut vor einer Stagnation, falls wichtige Handelswege wie die StraĂe von Hormus lĂ€ngerfristig blockiert bleiben.
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FachkrĂ€ftemangel entspannt sich â aus falschen GrĂŒnden
Am Arbeitsmarkt zeichnet sich eine ĂŒberraschende Entwicklung ab. Laut KfW-Ifo-FachkrĂ€ftebarometer berichten nur noch 21 Prozent der Unternehmen von EngpĂ€ssen. Im dritten Quartal 2022 waren es noch fast die HĂ€lfte.
Doch der RĂŒckgang ist kein gutes Zeichen. Experten fĂŒhren ihn auf die WirtschaftsschwĂ€che zurĂŒck â nicht auf ein gröĂeres Angebot an ArbeitskrĂ€ften. In der Industrie klagen nur 14 Prozent der Firmen ĂŒber Mangel, im Dienstleistungssektor 25 Prozent. Besonders betroffen ist das Baugewerbe mit knapp 33 Prozent.
Die KfW-Ăkonomen warnen: Bei einer konjunkturellen Erholung könnte das Problem schnell wieder eskalieren.
EZB hÀlt an Zinserhöhungen fest
Die EuropÀische Zentralbank reagiert auf die anhaltenden Inflationsrisiken. EZB-PrÀsidentin Christine Lagarde verteidigte Mitte Juni eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte als notwendig. Bundesbank-PrÀsident Joachim Nagel schloss weitere Schritte im Juli nicht aus.
Nagel warnte vor verfrĂŒhter Euphorie bei sinkenden Energiepreisen. Eine Normalisierung des Ălangebots werde Monate dauern. Zudem könnte der Inflationsdruck durch auslaufende Subventionen erneut steigen.
Das Bundeswirtschaftsministerium erwartet fĂŒr das zweite Quartal 2026 zunĂ€chst eine Stagnation der deutschen Wirtschaft.
