Arbeitsmarkt-Paket: 34 VorschlĂ€ge fĂŒr Reformen ab Juli
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 00:22 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der aktuelle Fairwork-Bericht zeigt erhebliche Defizite bei groĂen Anbietern, wĂ€hrend WirtschaftsverbĂ€nde gegen eine Reform der geringfĂŒgigen BeschĂ€ftigung protestieren.
Fairwork-Bericht: Nur ein Plattformbetreiber ĂŒberzeugt
Der Lebensmittellieferdienst Flink erreicht im aktuellen Fairwork-Bericht 2026 sieben von zehn möglichen Punkten. Damit ist er die einzige Plattform mit nachweisbar fairen Standards. Die Studie des Wissenschaftszentrums Berlin fĂŒr Sozialforschung (WZB) und der UniversitĂ€t Oxford bewertet Arbeitsbedingungen digitaler Plattformen.
Schlecht sieht es fĂŒr die Konkurrenz aus: Wolt, Bolt, Uber, Uber Eats und Lieferando erhalten null Punkte. Die Forscher bemĂ€ngeln fehlende existenzsichernde Löhne, intransparente VertrĂ€ge und unzureichende soziale Absicherung. Besonders Lieferando fĂ€llt negativ auf â seit FrĂŒhjahr 2025 setzt das Unternehmen verstĂ€rkt auf Subunternehmen, was die Fairness weiter verschlechtert hat.
Die Politik diskutiert nun ein Direktanstellungsgebot. Bis zum 2. Dezember 2026 mĂŒssen die Mitgliedstaaten zudem die EU-Plattformarbeitsrichtlinie umsetzen.
ReformplÀne: Minijobs unter Beschuss
Parallel zur Gig-Economy-Debatte sorgt eine geplante Minijob-Reform fĂŒr Unruhe. Kern der Ăberlegungen: Der Pauschalsteuersatz soll von zwei auf fĂŒnf Prozent steigen. Zudem ist eine verpflichtende Rentenversicherung fĂŒr Minijobber geplant â Ausnahmen nur fĂŒr SchĂŒler.
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Professor Ulrich Walwei vom Institut fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hĂ€lt die PlĂ€ne fĂŒr halbherzig. Seine Berechnungen: Bei der aktuellen Verdienstgrenze von 603 Euro entstehen Betrieben Mehrkosten von rund 18 Euro pro Monat. Der Staat könnte mit Mehreinnahmen zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro rechnen. âSignifikante Effekte bei der ĂberfĂŒhrung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige BeschĂ€ftigungen erwarte ich nicht", so Walwei. Er warnt vor schwachen BrĂŒckeneffekten und der VerdrĂ€ngung regulĂ€rer Stellen.
Wirtschaft schlÀgt Alarm
WirtschaftsverbĂ€nde laufen Sturm gegen die PlĂ€ne. Der Handelsverband und der Hotel- und GaststĂ€ttenverband DEHOGA warnen in einem gemeinsam Schreiben an die Bundesregierung vor irreversiblen SchĂ€den fĂŒr Gastronomie, Einzelhandel und Landwirtschaft.
UnterstĂŒtzung kommt von CSU-Chef Markus Söder. Er spricht sich klar gegen eine Abschaffung aus und betont die Bedeutung des Minijob-Modells fĂŒr diese Branchen.
Reformpaket: 34 VorschlĂ€ge fĂŒr den Arbeitsmarkt
Der Koalitionsausschuss hat Anfang Juli 2026 ein Paket mit 34 ReformvorschlĂ€gen vorgelegt. Zentraler Punkt: Krankschreibung bereits am ersten Tag der ArbeitsunfĂ€higkeit. FĂŒr Hochverdiener ab 177.000 Euro Bruttojahreseinkommen ist eine Absenkung des KĂŒndigungsschutzes geplant.
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Weitere VorschlÀge:
- Ausweitung der sachgrundlosen Befristung auf bis zu vier Jahre
- Steuerliche BegĂŒnstigungen fĂŒr Abfindungen bei schnellem Wiedereinstieg
- Flexibilisierung der Arbeitszeit â zunĂ€chst ausgeklammert
Einige Unternehmen setzen bereits eigene Akzente. Der Autozulieferer Aumovio vereinbarte zum 1. Juli 2026 eine 38-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Bei Mercedes-Benz wird eine RĂŒckkehr zur 40-Stunden-Woche diskutiert â die Gewerkschaften protestieren.
Mindestlohn in WerkstÀtten: Urteil erwartet
Im September 2026 verhandelt das Arbeitsgericht MĂŒnster einen wegweisenden Fall. Ein WerkstattbeschĂ€ftigter klagt auf Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns. Rund 300.000 Menschen in WerkstĂ€tten fĂŒr behinderte Menschen verdienen derzeit durchschnittlich 233 Euro im Monat â das entspricht einem Stundenlohn von unter zwei Euro.
Nach aktueller Gesetzeslage gelten sie als arbeitnehmerĂ€hnlich, Mindestlohnregelungen finden keine Anwendung. Das Urteil könnte die VergĂŒtungsstruktur in diesem Sektor grundlegend verĂ€ndern.
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