Arbeitsmarkt-Reform, Befristungen

Arbeitsmarkt-Reform: Befristungen bis 48 Monate, weniger Kündigungsschutz

Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Regierung plant weitreichende Änderungen bei Befristungen, Kündigungsschutz und der Rente. Gewerkschaften und Verbände kritisieren die Vorhaben scharf.

Koalitionspläne: Arbeitsmarkt-Reform und neue Renten-Kapitalrente
Ein minimalistischer Schreibtisch mit Dokumenten und einem Füller in einem modernen Büro als Symbol für Arbeitsrechtsreformen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Koalition will den Arbeitsmarkt flexibilisieren, die Sozialsysteme umbauen und neue Steueranreize schaffen. Das „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ sorgt aber schon vor dem Start für heftige Kritik – von Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften gleichermaßen.

Mehr Befristungen, weniger Kündigungsschutz

Ein Kernpunkt der Pläne: Die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen soll auf bis zu 48 Monate ausgeweitet werden. Bis zu sechs Verlängerungen wären möglich – und das befristet bis Ende 2030. Das Vorbeschäftigungsverbot will die Regierung lockern, das Schriftformerfordernis für Arbeitsverträge zum 1. Januar 2027 komplett abschaffen.

Für Besserverdiener plant die Koalition eine Vereinfachung der Vertragsauflösung. Ab 2027 soll der Kündigungsschutz für Beschäftigte mit einem Jahreseinkommen über dem 1,75-Fachen der Beitragsbemessungsgrenze gelockert werden – das entspricht rund 177.450 Euro brutto. Eine Abfindung soll die Trennung dann erleichtern.

Strengere Regeln bei Krankmeldungen

Die telefonische Krankschreibung aus der Pandemiezeit soll fallen. Geplant ist eine Attestpflicht bereits ab dem ersten Krankheitstag. Dazu kommen schärfere Sanktionen für falsche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Eine Neuerung: die Teilkrankschreibung. Sie soll eine Arbeitsfähigkeit von 25, 50 oder 75 Prozent ermöglichen.

Die steuerfreien Zuschläge für Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit steigen ab 2027 auf bis zu 75 Euro pro Stunde. Auch schnelle Jobwechsel will die Regierung steuerlich fördern – um die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Anzeige

Die geplanten Änderungen bei den Befristungen und dem Schriftformerfordernis machen rechtssichere Vertragsgestaltungen wichtiger denn je. Dieser kostenlose Ratgeber liefert Ihnen 19 sofort einsetzbare Muster-Formulierungen auf dem aktuellen Stand der Gesetzgebung. Rechtssichere Arbeitsverträge jetzt kostenlos erstellen

Rentenreform: Kommt die Kapitalrente?

Die geplanten Änderungen in der Rentenversicherung sorgen für die größten Diskussionen. Ab 2028 soll eine Kapitalrente eingeführt werden, finanziert durch einen Zusatzbeitrag. Perspektivisch könnte dieser auf zwei Prozent des Bruttoeinkommens steigen. Arbeitgeberverbände warnen vor massiv steigenden Lohnnebenkosten. Der Gesamtbeitrag zur Rentenversicherung könnte von 18,6 auf bis zu 22 Prozent klettern.

Ein weiterer Einschnitt betrifft die rund 6,8 Millionen Minijobber. Sie sollen künftig regulär in die Rentenversicherung einzahlen – ohne die bisherige Opt-out-Möglichkeit. Nur Schüler wären ausgenommen. Die Dehoga warnt: Das könnte das Aus für viele Nebenbeschäftigungen in Gastronomie und Handel bedeuten.

Urteile prägen die Praxis

Neben den Gesetzesplänen sorgen aktuelle Gerichtsentscheidungen für Bewegung. Der Europäische Gerichtshof (Az. C-110/24) entschied bereits im Herbst 2025: Die Rückfahrt vom letzten Einsatzort ist Arbeitszeit, wenn der Arbeitgeber Fahrzeug und Zeitpunkt vorgibt und kein fester Arbeitsort vereinbart ist. Das betrifft Millionen Beschäftigte im Außendienst, in der Pflege und im Handwerk.

Das Bundesarbeitsgericht (Az. 2 AZR 184/25) stellte im Mai 2026 klar: Ein Einwurf-Einschreiben im Scan-Verfahren liefert keinen Anscheinsbeweis für den tatsächlichen Zugang. Arbeitgeber müssen den Zugang wichtiger Dokumente wie Einladungen zum betrieblichen Eingliederungsmanagement (bEM) anderweitig nachweisen.

Anzeige

Besonders bei der Einstellung von Minijobbern müssen Arbeitgeber angesichts der neuen Versicherungspflichten und gesetzlichen Änderungen extrem sorgfältig agieren. Nutzen Sie diese kostenlose Mustervorlage, um Ihren nächsten Arbeitsvertrag für Minijobber in wenigen Minuten rechtssicher vorzubereiten. Kostenlose Mustervorlage für Minijob-Verträge sichern

Gespaltene Reaktionen

Der Arbeitgeberverband BDA fordert Nachbesserungen – besonders eine stärkere Anhebung des Renteneintrittsalters. Die Abschaffung der Altersteilzeit im Blockmodell lehnt er ab. Die Gewerkschaften kündigten für September Aktionstage in zahlreichen Städten an.

Die Stimmung in der Bevölkerung ist skeptisch. Laut ZDF-Politbarometer von Mitte Juli 2026 glauben 63 Prozent der Befragten, dass die Reformen in die falsche Richtung gehen. Besonders die Verteilung der Belastungen empfinden über 80 Prozent als ungerecht.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wirtschaft | 69873019 |