Arbeitsmarkt, Teilzeitquote

Arbeitsmarkt: Teilzeitquote erreicht 40,3% – Vollzeitstellen schrumpfen

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Im zweiten Quartal 2026 stieg die Teilzeitquote auf 40,3 Prozent, während Vollzeitbeschäftigung, Arbeitsvolumen und offene Stellen sanken.

Teilzeitquote erreicht Höchststand: Vollzeitstellen gehen zurück
Ein modernes, minimalistisches Bürogebäude in der Abenddämmerung ohne Menschen oder Schriftzüge. Illustration mit AI erstellt.

Die Struktur des deutschen Arbeitsmarktes wandelt sich grundlegend: Im zweiten Quartal 2026 erreichte die Teilzeitquote mit 40,3 Prozent einen historischen Höchststand. Während die Zahl der Teilzeitbeschäftigten weiter zunimmt, verzeichnet die Vollzeitbeschäftigung einen deutlichen Rückgang.

Der Anstieg der Teilzeitquote um 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr verdeutlicht eine Verschiebung in der Beschäftigungsstruktur. Den aktuellen Daten zufolge stieg die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 0,5 Prozent auf insgesamt 16,936 Millionen Personen, was einem Zuwachs von 85.000 Arbeitsverhältnissen entspricht.

Im Gegensatz dazu sank die Zahl der Vollzeitbeschäftigten um 0,9 Prozent auf 25,138 Millionen, ein Rückgang von 239.000 Stellen. Insgesamt verringerte sich die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland um 0,5 Prozent auf 45,688 Millionen.

Rückgang des Arbeitsvolumens und branchenspezifische Ursachen

Das gesamte Arbeitsvolumen in Deutschland sank im Berichtszeitraum um 69 Millionen Stunden auf insgesamt 14,4 Milliarden Stunden. Damit verharrt das Niveau des Arbeitsvolumens auf dem Stand von 1991. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit wird für Vollzeitbeschäftigte mit 38,32 Stunden angegeben, während sie bei Teilzeitkräften bei 18,88 Stunden liegt.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg führt diese Entwicklung primär auf einen tiefgreifenden Strukturwandel zurück. Ein erheblicher Teil der Zuwächse entfalle auf Branchen, in denen Teilzeitmodelle traditionell stark vertreten sind, darunter das Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen.

Gleichzeitig baue die Industrie verstärkt Vollzeitstellen ab. Laut der Arbeitsmarktforscher handle es sich bei der Entwicklung daher weniger um eine individuelle Entscheidung für einen bestimmten Lebensstil als vielmehr um eine strukturelle Verschiebung.

Politische Debatte um Arbeitszeitmodelle und Kinderbetreuung

Die Zunahme der Teilzeitbeschäftigung löst in der Bundespolitik kontroverse Diskussionen aus. Kanzler Merz kritisierte in diesem Zusammenhang eine Entwicklung hin zur sogenannten Lifestyle-Teilzeit. Innerhalb der CDU wird zudem über eine mögliche Einschränkung des gesetzlichen Rechts auf Teilzeit debattiert.

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Vertreter der SPD, wie der Politiker Dieren, wiesen hingegen darauf hin, dass rund ein Fünftel der in Teilzeit Beschäftigten den Wunsch äußere, die Arbeitszeit zu erhöhen. Dies scheitere jedoch häufig an einer unzureichenden Infrastruktur für die Kinderbetreuung.

Derzeit arbeiten rund 35 Prozent der Frauen in Teilzeit; bei Müttern mit Kindern unter 12 Jahren liegt dieser Anteil sogar bei 70 Prozent. Das rechnerische Potenzial durch eine Aufstockung dieser Arbeitsverhältnisse wird auf 840.000 Vollzeitstellen beziffert.

Offene Stellen und Personalreserven im öffentlichen Dienst

Trotz der hohen Teilzeitquote meldet der Arbeitsmarkt einen Rückgang bei den Vakanzen. Im zweiten Quartal 2026 lag die Zahl der offenen Stellen bei rund einer Million, was den niedrigsten Stand seit 2016 (ausgenommen die Phasen der Corona-Pandemie) markiert. Dies entspricht einem Rückgang von 129.800 Stellen gegenüber dem Vorquartal und 35.000 gegenüber dem Vorjahr.

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Regional verteilen sich die Vakanzen auf 820.400 Stellen in den westlichen Bundesländern und 203.000 im Osten. Auf 100 offene Stellen kommen statistisch 291 Arbeitslose.

Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) identifiziert zudem erhebliche Personalreserven im öffentlichen Dienst. Würden alle dort in Teilzeit Beschäftigten ihre Stunden auf Vollzeit aufstocken, ergäbe sich eine Reserve von 634.000 Stellen. Der Beamtenbund beziffert die aktuelle Lücke im öffentlichen Sektor auf 631.000 fehlende Vollzeitkräfte.

Besonders hoch ist das Potenzial im Bildungssektor: An Schulen könnten rechnerisch 153.000, in Kindertagesstätten 54.400 und an Hochschulen 16.000 zusätzliche Vollzeitstellen durch Aufstockung geschaffen werden. In der Kommunalverwaltung liegt die Reserve bei 41.800 und bei der Polizei bei 10.800 Stellen.

Regional betrachtet weisen Bayern mit 129.800, Nordrhein-Westfalen mit 115.100 und Baden-Württemberg mit 111.300 Stellen die größten theoretischen Kapazitäten auf. Würde man bundesweit das Beschäftigungsniveau von Sachsen-Anhalt erreichen, könnten laut IW 294.000 zusätzliche Vollzeitstellen besetzt werden.

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