Arbeitsmarktbarometer: BeschÀftigung in Deutschland schrumpft
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 11:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Das Arbeitsmarktbarometer des NĂŒrnberger Instituts fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) signalisiert fĂŒr Deutschland einen weiteren RĂŒckgang der BeschĂ€ftigung, wĂ€hrend die Arbeitslosigkeit leicht sinken dĂŒrfte.
BeschÀftigung fÀllt unter neutrale Marke
Die Komponente âArbeitslosigkeitâ lag im September bei 99,9 Punkten und verfehlte damit die neutrale Marke von 100 Punkten nur knapp. Die BeschĂ€ftigungskomponente sank dagegen um 0,1 Punkte auf 99,3 Punkte.
âDie Aussichten fĂŒr die BeschĂ€ftigung sind schwĂ€cher als fĂŒr die Arbeitslosigkeit: Der Arbeitsmarkt schrumpftâ, sagte IAB-Forscher Enzo Weber. Als wesentliche GrĂŒnde nannte er die demografische Entwicklung: Die geburtenstarken JahrgĂ€nge gingen schrittweise in Rente, zugleich sei der Nettozuzug nach Deutschland zurĂŒckgegangen.
Industrie im tiefgreifenden Wandel
Die Konjunktur habe sich zwar gefestigt. Belastend wirkten jedoch weiterhin hohe Unsicherheit und strukturelle Probleme vor allem in der Industrie.
Viele Branchen befĂ€nden sich in einer tiefgreifenden Transformation. Besonders deutlich zeige sich das in der deutschen Autoindustrie, die den Ăbergang von Verbrennungsmotoren zu Elektroantrieben bewĂ€ltigen mĂŒsse.
FrĂŒhindikator fĂŒr die nĂ€chsten drei Monate
Das Arbeitsmarktbarometer wird monatlich erhoben. DafĂŒr werden alle deutschen Arbeitsagenturen nach ihren Erwartungen fĂŒr die jeweils folgenden drei Monate befragt.
Die tatsĂ€chliche Entwicklung des Arbeitsmarkts im September will die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur fĂŒr Arbeit, Andrea Nahles, am Mittwoch in der monatlichen Statistik vorstellen.
Demografie verÀndert die Arbeitsmarktlogik
Der neue FrĂŒhindikator markiert einen wichtigen Wandel: Ăber viele Jahre konnte Deutschland trotz steigender Arbeitslosigkeit auf wachsende BeschĂ€ftigung verweisen. Wenn nun auch die BeschĂ€ftigungskomponente unter die neutrale Marke fĂ€llt, wird sichtbar, dass der Arbeitsmarkt nicht mehr allein durch zusĂ€tzliche ErwerbstĂ€tigkeit stabilisiert wird.
Der demografische Druck entsteht auf zwei Ebenen. Die geburtenstarken JahrgĂ€nge verlassen schrittweise das Erwerbsleben, wĂ€hrend nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung kĂŒnftig weniger Beitragszahler auf mehr Rentner kommen. Das verschĂ€rft den Wettbewerb um ArbeitskrĂ€fte und belastet zugleich die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme.
Industrieumbau erhöht den Anpassungsdruck
Die schwĂ€cheren BeschĂ€ftigungsaussichten sind nicht nur eine Folge des Altersaufbaus. In der Industrie treffen hohe Kosten, technologische VerĂ€nderungen und die Umstellung auf ElektromobilitĂ€t auf eine unsichere Nachfrage. Der Umbau kann langfristig neue TĂ€tigkeiten schaffen, fĂŒhrt kurzfristig aber auch zu Stellenabbau, wenn Unternehmen KapazitĂ€ten verlagern oder ProduktivitĂ€t steigern.
FĂŒr BeschĂ€ftigte bedeutet das mehr Bedeutung fĂŒr Weiterbildung, berufliche MobilitĂ€t und lĂ€ngere Erwerbsphasen. FĂŒr Unternehmen wird entscheidend, ob sie Ă€ltere BeschĂ€ftigte halten, qualifizieren und ArbeitsplĂ€tze an verĂ€nderte Technologien anpassen können. Die am Mittwoch erwarteten Arbeitsmarktdaten werden zeigen, ob sich die FrĂŒhindikator-Signale bereits in der tatsĂ€chlichen BeschĂ€ftigung und Arbeitslosigkeit niederschlagen.
