Arbeitsmarktexperte, Streikbereitschaft

Arbeitsmarktexperte sieht höhere Streikbereitschaft

Veröffentlicht am: 07.03.2024 um 09:20 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Der Arbeitsmarktexperte Thorsten Schulten vom gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) rechnet mit einer Zunahme der Streiktage in der laufenden Tarifrunde.

Streik-Hinweis an einer Postbank-Filiale (Archiv) - Bild: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
Streik-Hinweis an einer Postbank-Filiale (Archiv) - Bild: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
"In der Tendenz lĂ€sst sich sagen, dass wir in den letzten Jahren vor allem eine Zunahme bei der Beteiligung der BeschĂ€ftigten sehen", sagte Schulten dem "Tagesspiegel". Er erwarte, dass sich das auch in den Zahlen fĂŒr 2023 und 2024 zeigen werde. Die höhere Streikbereitschaft der Arbeitnehmer fĂŒhrt Schulten auf die hohe Inflation der vergangenen Jahre und den damit einhergehenden Reallohnverlust zurĂŒck.

"Die Verteilungskonflikte sind zurzeit einfach hĂ€rter", sagte der Politikwissenschaftler. Dieses Jahr wĂŒrden die Gewerkschaften versuchen, wieder Steigerungen der Kaufkraft ihrer Mitglieder auszuhandeln und deshalb deutliche Gehaltserhöhungen fordern. Es gehe um die Frage: "Wer trĂ€gt die Kosten der Krise - Arbeitnehmer oder Arbeitgeber?" Auch der FachkrĂ€ftemangel trĂ€gt aus Sicht Schultens zu der höheren Streikbereitschaft bei. Der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder sprach unterdessen von einer gefĂŒhlten Zunahme von Streiks. Der Professor der UniversitĂ€t Kassel erklĂ€rte das mit einem Strukturwandel: FrĂŒher hĂ€tten vor allem BeschĂ€ftigte der Industrie gestreikt, "inzwischen erleben wir Streiks vor allem in der kritischen Infrastruktur - bei der Bahn, an FlughĂ€fen und KrankenhĂ€usern", sagte Schroeder dem "Tagesspiegel". Dort seien die Aufmerksamkeit und die direkte Betroffenheit der am Tarifkampf unbeteiligten Nutzer und Kunden exorbitant.

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