Arbeitsrecht: Befristungen bis 48 Monate ab 2027 möglich
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
63 Prozent der Beschäftigten fühlen sich stärker belastet als noch vor zwei Jahren. Das zeigt eine aktuelle PwC-Umfrage unter 1.100 Berufstätigen in Österreich. Besonders betroffen: Menschen mit Pflegeverantwortung – 83 Prozent von ihnen berichten von steigender Belastung.
Die Folge: Drei Viertel der Befragten wünschen sich lebensphasenorientierte Arbeitszeitmodelle. Doch der Weg dorthin ist steinig.
Wenn Vertrauen scheitert
Eine aktuelle Fallstudie von Boris Kaehler zeigt die Probleme bei der Einführung von Eigenverantwortung in Industrieunternehmen. Ein Produktionsleiter versuchte, auf Vertrauen und delegierte Verantwortung zu setzen. Das Team? Blockierte die neuen Freiheiten. Gewohnte Hierarchiestrukturen waren offenbar beliebter.
Ergänzend warnt eine Psychologin und Leadership-Expertin: Erzwungene Harmonie bremst den Fortschritt. Viele Unternehmen vermeiden Konflikte – und schaffen damit langfristig tiefere Probleme. Nötig wäre eine faire, offene Konfliktkultur.
KI: Segen oder Fluch?
Der rasante Einzug Künstlicher Intelligenz verschärft den Druck. Produktivitätsgewinne durch KI entlasten nicht – sie erhöhen oft das Arbeitspensum. Die Sorge vor Arbeitsplatzverlusten wächst.
Eine Umfrage unter deutschen Führungskräften vom Juni 2026 zeigt: 31 Prozent der Unternehmensinhaber empfinden Arbeit ohne KI-Unterstützung inzwischen als deutlich komplizierter.
Milliarden-Investitionen, aber zu wenig Fachkräfte
Der Energiekonzern E.ON reagiert auf den digitalen Wandel mit massiven Investitionen. Über 1.000 Fachkräfte wurden in den Bereichen Daten und Cybersicherheit eingestellt. Die IT-Ausfallzeiten sanken um 77 Prozent.
Doch der Fachkräftemangel bleibt dramatisch. Ein Accenture-Report beziffert die Lücke an Security-Experten in Deutschland auf 120.000 Stellen. Neue Gesetze wie NIS2 und der Cyber-Resilience-Act treiben den Bedarf zusätzlich.
Das Fraunhofer FIT hat deshalb ein Lernspiel entwickelt, um Belegschaften spielerisch an KI heranzuführen – eine Reaktion auf die Anforderungen des EU AI Acts.
Die steigenden Anforderungen durch neue Gesetze fordern von Betrieben eine präzise Umsetzung der Digital-Regeln. Dieser kostenlose Leitfaden zum EU AI Act verschafft Ihrer IT- und Rechtsabteilung den nötigen Überblick über alle Fristen und Pflichten. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Politik reagiert – mit heftigen Debatten
Ein Reformpaket der Koalition vom Juli 2026 sorgt für Diskussionen. Geplant: Die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen soll bis Ende 2030 auf bis zu 48 Monate möglich sein. Ab 2027 entfällt zudem das Schriftformerfordernis für Befristungen.
Ein weiterer Gesetzentwurf sieht eine „Job-to-Job-Erprobung“ vor. Arbeitnehmer könnten vier bis sechs Wochen bei einem neuen Arbeitgeber probehalber arbeiten – während das alte Arbeitsverhältnis und der Kündigungsschutz bestehen bleiben. Der Ökonom Enzo Weber bewertet das positiv: Es helfe bei der beruflichen Orientierung.
Konflikte an der Basis
Beim Flugzeugbauer Airbus in Bremen regt sich Widerstand. Das Unternehmen will Homeoffice ab September auf maximal einen Tag pro Woche begrenzen. Der Betriebsrat kündigt rechtliche Schritte an.
Angesichts der geplanten Reformen bei Befristungen und Schriftform müssen bestehende Verträge dringend auf ihre Rechtssicherheit geprüft werden. Sichern Sie sich 19 sofort einsetzbare Muster-Formulierungen und vermeiden Sie Bußgelder durch veraltete Klauseln. Rechtssichere Arbeitsverträge erstellen
In der Hotelbranche einigte sich Novum Hospitality mit gekündigten Mitarbeitern eines Standorts in Mainz auf Abfindungen – deutlich über dem gesetzlichen Maß. Hintergrund: betriebliche Missstände.
Und die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi fordert ein gesetzliches Hitze-Ausfallgeld. Ihre Begründung: Eine Studie des Arbeitsministeriums vom Februar 2026 zeigt, dass ein Hitzetag die deutsche Wirtschaft rund 431 Millionen Euro kostet. Ein Drittel der Beschäftigten fühlt sich durch extreme Hitze erheblich belastet.
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