Arbeitsrecht-Reform, Befristungen

Arbeitsrecht-Reform: Befristungen bis 48 Monate, Kündigungsschutz lockert

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 10:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Bundesregierung plant tiefgreifende Änderungen im Arbeits- und Sozialrecht, darunter längere Befristungen und neue Kündigungsschutzregeln für Spitzenverdiener.

Arbeitsrecht: Bundesregierung präsentiert umfassendes Reformpaket
Eine Hand hält einen Stift über einem Dokument, das Arbeitsmarktreformen und wirtschaftliche Dynamik thematisiert, mit unscharfen Regierungsgebäuden im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bundesregierung hat ein umfassendes Reformpaket vorgestellt, das tiefgreifende Änderungen im Arbeits- und Sozialrecht bringt. Bundeskanzler Friedrich Merz verteidigte die Pläne am Donnerstag im Bundestag – und betonte die notwendige Stärkung der Wirtschaft.

Befristungen bis zu vier Jahren

Ein Kernpunkt: die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen. Die Koalition will die Höchstdauer auf bis zu 48 Monate ausweiten. Bis Ende 2030 sollen bis zu sechs Vertragsverlängerungen möglich sein. Das Schriftformerfordernis bei Befristungen fällt zum 1. Januar 2027 weg.

Für Spitzenverdiener lockert die Regierung den Kündigungsschutz. Ab einem Bruttojahreseinkommen von 177.450 Euro soll eine Abfindungsoption greifen. Das entspricht etwa dem 1,75-Fachen der Beitragsbemessungsgrenze. Laut IAB wären rund 0,27 Prozent der Arbeitnehmer betroffen. Wer schnell einen neuen Job findet, soll steuerlich begünstigte Abfindungen erhalten.

Strengere Regeln bei Krankmeldungen

Die telefonische Krankschreibung aus der Corona-Zeit wird abgeschafft. Arbeitnehmer müssen künftig ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung vorlegen.

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Bei Minijobs steigt die Pauschalsteuer von zwei auf fünf Prozent. Dafür werden Sonn- und Feiertagszuschläge steuerfrei – bis zu einem Stundenlohn von 75 Euro. Unternehmen sollen zudem leichter KI-Systeme einführen können, der Entwurf sieht Erleichterungen bei der betrieblichen Mitbestimmung vor.

Milliarden-Sparpaket für die Krankenkassen

Parallel debattierte der Bundestag am Freitag über ein Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung. Ziel: Entlastung um rund 18,8 Milliarden Euro im Jahr 2027. Patienten müssen mit höheren Zuzahlungen rechnen – zwischen 7,50 und 15 Euro. Die Beitragsbemessungsgrenze steigt um 300 Euro. Ab 2028 wird die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern durch einen Zuschlag von 2,5 Prozent eingeschränkt.

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Ökonomen uneins – Gewerkschaften kritisch

Die Reaktionen fallen gemischt aus. Der Ifo-Chef lobt Bürokratieabbau und Flexibilisierung, kritisiert aber die Steuermaßnahmen als zu schwach. Das IMK warnt vor Jobverlusten durch die Rentenreform. Verdi lehnt die Aufweichung des Kündigungsschutzes ab. Wirtschaftsvertreter begrüßen dagegen die höhere Flexibilität bei Befristungen.

Kanzler verkündet Rüstungsdeals

Merz nutzte seine Regierungserklärung auch für sicherheitspolitische Ankündigungen: Die USA stimmen dem Verkauf von Tomahawk-Marschflugkörpern an Deutschland zu. Zudem will Kanada bei ThyssenKrupp Marine Systems bis zu zwölf U-Boote kaufen – nach Regierungsangaben eine Wertschöpfung von bis zu 100 Milliarden Euro.

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