Arbeitsrecht-Reform, Befristungen

Arbeitsrecht-Reform: Befristungen jetzt 48 Monate, sechs Verlängerungen

02.07.2026 - 21:29:33 | boerse-global.de

Das Kabinett beschließt umfassende Reformen mit verlängerten Befristungen, höheren Steuern für Spitzenverdiener und einer neuen Rentenstrategie.

Merz-Regierung: 34-Punkte-Reformpaket für Arbeitsmarkt und Steuern
Arbeitsrecht-Reform - Eine Hand unterschreibt ein wichtiges Dokument mit einem Stift, umgeben von verschwommenen Papieren und einem Regierungsgebäude im Hintergrund. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Es bringt tiefgreifende Änderungen im Arbeitsrecht, Steuern und der Rente. Kanzler Merz will damit die Wirtschaft ankurbeln und den Arbeitsmarkt flexibler machen.

Mehr befristete Jobs für längere Zeit

Ein Kernstück der Reform: Die sachgrundlose Befristung wird massiv ausgeweitet. Statt wie bisher 24 Monate sind künftig 48 Monate erlaubt. Bis zu sechs Verlängerungen sind drin – für alle, die bis Ende 2030 eingestellt werden.

Die Regierung verspricht sich davon mehr Spielraum für Unternehmen. Der Anteil befristet Beschäftigter sank zuletzt von 8 Prozent (2010) auf 6 Prozent (2024). Arbeitgeber jubeln, Gewerkschaften toben. DGB und ver.di sprechen von wachsendem Misstrauen gegenüber den Mitarbeitern.

Lockere Kündigungen für Top-Verdiener

Wer mehr als 14.787,50 Euro brutto im Monat verdient, kann künftig leichter gekündigt werden. Gleichzeitig werden Abfindungen steuerlich begünstigt – aber nur bei schnellem Jobwechsel.

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Die telefonische Krankschreibung wird dagegen komplett abgeschafft. Ab dem ersten Tag ist wieder die gelbe Karte Pflicht. Unternehmen können davon abweichen. Der Hausärzteverband nennt die Regelung „organisatorisch hochgradig belastend“. Im Gegenzug steigen die Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit – bis 75 Euro pro Stunde steuerfrei.

Entlastung für Familien, höhere Steuern für Reiche

Die Koalition entlastet kleine und mittlere Einkommen. Ab 2027/2028 steigen Grundfreibetrag, Kindergeld und Arbeitnehmerpauschbetrag. Das Volumen: rund 10 Milliarden Euro. Eine Familie mit 60.000 Euro Jahreseinkommen spart 600 Euro.

Gegenfinanziert wird das über die Reichensteuer. Ab 250.000 Euro greifen 45 Prozent, ab 280.000 Euro sogar 47 Prozent. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent bleibt. Minijobs werden teurer – die Pauschalsteuer steigt von 2 auf 5 Prozent. Der Handwerkerbonus sinkt von 20 auf 15 Prozent.

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Rente: Kapital und späterer Einstieg

Die Regierung will die 33 Vorschläge der Rentenkommission bis Jahresende umsetzen. Geplant sind eine Kapitalrente und ein späterer Renteneintritt – über 67 hinaus. Ab 2031 kommt ein Nachhaltigkeitsfaktor in die Berechnung.

Beim Bürokratieabbau soll jede vierte Dokumentationspflicht fallen. Der Datenschutz wird auf EU-Mindestmaß gestutzt. Eine neue staatliche Baugesellschaft soll den Wohnungsbau beschleunigen. Die Vergesellschaftung privater Wohnungsfirmen per Bundesgesetz wird ausgeschlossen.

Ökonomen sind gespalten. Das Institut der deutschen Wirtschaft lobt einen „wichtigen Schritt“. Das DIW spricht von „Symbolpolitik mit überschaubaren Wachstumseffekten“. Die Wahlrechtsreform vertagte die Koalition.

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