Arbeitsschutz, Grundsicherungsgeld

Arbeitsschutz ab Juli: Grundsicherungsgeld und neue Haftungsregeln

29.06.2026 - 15:20:53 | boerse-global.de

Verschärfte Regeln für ältere Beschäftigte und Sozialrechtsänderungen ab Juli zwingen Firmen zum Handeln.

Arbeitsschutz 2026: Neue Pflichten für Unternehmen im Überblick
Arbeitsschutz - Ein Team von Mitarbeitern, darunter auch ältere, in einem modernen Arbeitsumfeld, die mit einem Betriebsarzt und einer Sicherheitsfachkraft interagieren. 29.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Seit April gelten strengere Regeln für ältere Beschäftigte, ab Juli kommen Änderungen im Sozialrecht dazu. Unternehmen müssen umdenken.

Grundbetreuung: Wer wie viel Zeit investieren muss

Die betriebliche Grundbetreuung ist bereits ab dem ersten Mitarbeiter Pflicht. Der Aufwand richtet sich nach der Gefährdungsgruppe des Unternehmens:

  • Gruppe I (hohe Gefährdung): 2,5 Stunden pro Mitarbeiter und Jahr
  • Gruppe II (mittlere Gefährdung): 1,5 Stunden
  • Gruppe III (geringe Gefährdung): 0,5 Stunden

Die Verteilung ist klar geregelt: Mindestens 20 Prozent der Zeit entfallen auf den Betriebsarzt, weitere 20 Prozent auf die Fachkraft für Arbeitssicherheit. Die restlichen 60 Prozent können flexibel zwischen beiden Disziplinen aufgeteilt werden.

Ältere Belegschaft: Neue Präventionspflichten

Seit April sind Betriebe ausdrücklich verpflichtet, Sturz- und Rückenschmerzrisiken bei hochbetagten Beschäftigten zu vermeiden. Moderne Verfahren zur Körperfunktionsmessung sollen helfen, Vorboten von Arbeitsunfällen frühzeitig zu erkennen.

Bei der Gefährdungsbeurteilung setzt sich zunehmend das STOPV-Prinzip durch. Die Hierarchie: Zuerst Gefahrenquellen ersetzen, dann technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen ergreifen. Verhaltensbezogene Maßnahmen bilden das Schlusslicht. Digitale Lösungen wie die Software Prevenio unterstützen die Umsetzung.

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Neue Fachliteratur und Schulungen

Für Sicherheitskoordinatoren im Baubereich erschien im Juni ein neues zweibändiges Standardwerk. Autor Donato Muro behandelt rechtliche Grundlagen, Haftungsfragen und einen technischen Gefährdungsatlas.

Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall bietet Grundlagenseminare für Unternehmer mit bis zu 50 Beschäftigten an. Nächster Termin: 1. Juli 2026 in Saarbrücken. Weitere Schulungen folgen bis Dezember.

Hitzeschutz und internationale Projekte

Grünen-Politikerin Katharina Dröge forderte Ende Juni ein Sofortprogramm für Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen und Schulen. Parallel engagieren sich die Bauverbände NRW bis 2027 in einem BMZ-geförderten Projekt zur Verbesserung des Arbeitsschutzes im georgischen Bausektor.

Noch bis zum 15. Juli können sich Unternehmen für den Deutschen Arbeitsschutzpreis 2027 bewerben. Vier Kategorien, jeweils 10.000 Euro Preisgeld. Die Verleihung findet am 21. April 2027 in Berlin statt.

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Ob Sicherheitskoordinator oder Arbeitgeber – die Erstellung behördenkonformer Dokumentationen ist zeitaufwendig und rechtlich oft komplex. Mit diesen kostenlosen Vorlagen und Checklisten erstellen Sicherheitsfachkräfte ihre Unterlagen schnell und effizient nach aktuellem Standard. Kostenlose Vorlagen für die Gefährdungsbeurteilung herunterladen

Sozialrecht: Was sich ab Juli ändert

Bei Ein-Euro-Jobs bleibt der Unfallversicherungsschutz nach SGB VII bestehen – auch wenn keine Pflicht zur Kranken-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung besteht.

Am 1. Juli tritt zudem die Umbenennung des Bürgergelds in Grundsicherungsgeld in Kraft. Die Reform sieht vor: Arbeitsaufnahme hat Vorrang vor Qualifizierung. Die Karenzzeit für Unterkunftskosten wird auf zwölf Monate begrenzt. Bei Pflichtverletzungen wie Schwarzarbeit haften künftig die Arbeitgeber.

Ein beschluss des Bundesarbeitsgerichts vom März 2026 sorgt für zusätzliche Klarheit: Kündigungen ohne ordnungsgemäße Anzeige bei Massenentlassungen sind unwirksam – und lassen sich nicht nachträglich heilen.

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