Arbeitsschutz, ETEM

Arbeitsschutz: BG ETEM setzt auf KI-gestützte Gefährdungsbeurteilung

09.06.2026 - 11:42:01 | boerse-global.de

Berufsgenossenschaften setzen auf KI-Assistenten für Gefährdungsbeurteilung. DICIS AG senkt Zertifizierungskosten um 80 Prozent.

KI im Arbeitsschutz: BG ETEM und DICIS treiben Digitalisierung voran
Arbeitsschutz - Ein stilisiertes, leuchtendes neuronales Netz, das sich über eine Fabrikhalle legt, mit einer menschlichen Silhouette im Vordergrund. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Berufsgenossenschaften und Technologieanbieter treiben die Digitalisierung voran – doch das letzte Wort behält der Mensch.

BG ETEM setzt auf digitale Assistenten

Anfang Juni unterstrich die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) die wachsende Bedeutung der KI für die Arbeitssicherheit. Laut der Organisation vom heutigen Dienstag könne KI Gefährdungen schneller identifizieren und den Verwaltungsaufwand bei Unterweisungen reduzieren.

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Die Digitalisierung vereinfacht den Arbeitsschutz erheblich, doch die rechtssichere Dokumentation bleibt essenziell. Dieser kostenlose Report bietet bewährte Hilfsmittel und Vorlagen für die Gefährdungsbeurteilung, die in der Praxis und vor Behörden standhalten. Erfahrene Sifas setzen auf diese kostenlosen Vorlagen

Die BG ETEM stellt bereits ein KI-gestütztes Serviceportal bereit und arbeitet an weiteren digitalen Assistenten für die Gefährdungsbeurteilung. Doch die Organisation betont: Menschliche Expertise bleibt unverzichtbar, denn KI-Ergebnisse können fehlerhaft sein.

Zertifizierung in Rekordzeit

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Digitalisierungswelle liegt auf der Automatisierung von Compliance-Prozessen. Die DICIS AG berichtete gestern von einer neuen Lösung, die Zertifizierungen nach ISO 9001, 14001 und 27001 mit einem KI-Assistenten ermöglicht.

Das Unternehmen gibt an, dass Zeitaufwand und Kosten für die Dokumentation um mehr als 80 Prozent sinken. Die Zertifizierung läuft vollständig online – und wird bereits von über 400 Kunden weltweit genutzt.

Auch in der technischen Prüfung gibt es Fortschritte. Das Innovationsnetzwerk NUFESTRA arbeitet an einer KI-gestützten Qualitätssicherung für die Schweißtechnik. Ziel: eine Null-Fehler-Strategie durch Prozessdatenerfassung. In der zerstörungsfreien Ultraschallprüfung präsentierte ein Anbieter automatisierte Lösungen, die ohne Kontaktmittel auskommen und flexibel durch Cobots eingesetzt werden.

EU-KI-Verordnung zwingt zum Handeln

Die praktische Anwendung von KI findet vor einem sich wandelnden Rechtsrahmen statt. Experten des DSEV wiesen heute darauf hin: Unternehmen brauchen für die Umsetzung der EU-KI-Verordnung eine systematische Bestandsaufnahme ihrer Anwendungen.

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Die neue EU-KI-Verordnung stellt Unternehmen vor komplexe Herausforderungen bei der Risikodokumentation und Kennzeichnung. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Ihnen einen kompakten Überblick über alle Fristen, Pflichten und Risikoklassen des AI Acts. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Ein risikobasierter Ansatz und klare Rollenverteilungen seien notwendig, um den Governance-Rahmen operativ zu verankern.

Gleichzeitig warnen Marktforscher vor übereilter Automatisierung. Eine Prognose von Gartner vom gestrigen Montag geht davon aus, dass bis 2027 rund 40 Prozent der Unternehmen ihre autonomen KI-Agenten wieder abschalten oder herabstufen werden – wenn Governance-Lücken erst im laufenden Betrieb sichtbar werden.

Als Lösungsansatz entwickeln Unternehmen wie Comma Soft in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn sogenannte Trust Agents. Sie sollen eine ethische und kontrollierbare Steuerung autonomer Systeme in regulierten Branchen sicherstellen.

Neue Gesetze, neue Belastungen

Neben der Technologie haben sich auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen verändert. Ende Mai trat eine Novellierung des Paragrafen 22 SGB VII in Kraft – mit Anpassungen bei den Sicherheitsbeauftragten. Das DGUV Barometer Arbeitswelt 2026 zeigt zeitgleich die Risiken einer Vernachlässigung des Arbeitsschutzes in Zeiten hoher Arbeitsbelastung.

Eine Forsa-Umfrage bestätigt zusätzliche Belastungsfaktoren: 59 Prozent der pflegenden Angehörigen sind erwerbstätig und leiden unter erheblichen Doppelbelastungen.

In der Justiz wird unterdessen bereits auf breiter Front auf KI gesetzt. In Thüringen steht seit dem 1. Juni eine KI-Suite für die juristische Recherche in der Juris-Datenbank zur Verfügung – um die Effizienz in der Verwaltung zu steigern.

Hilfe für Handwerk und Logistik

Auch kleinere Betriebe und spezialisierte Logistikunternehmen profitieren. Der Softwareanbieter Reonic gab gestern bekannt, KI-Funktionen für Installationsbetriebe von Photovoltaik-Anlagen freizuschalten – darunter ein WhatsApp-Assistent für die Projekterfassung.

In der Logistikbranche nutzt Nordfrost eine KI-basierte Lösung der UMT AG, um Fangbescheinigungen im EU-CATCH-Verfahren automatisiert auszulesen und zu prüfen. Das reduziert den administrativen Aufwand im Fischereiimport erheblich.

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