Arbeitsschutz-Kontrollen: Berlin-Betriebe warten 83 Jahre auf Inspektion
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 20:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Jährlich 700 Obduktionen in Mainz – die Rechtsmedizin dokumentiert Verletzungen durch stumpfe Gewalt präzise. Doch während die Diagnostik Fortschritte macht, klaffen im Arbeitsschutz massive Lücken.
Moderne Methoden der Rechtsmedizin
Das rechtsmedizinische Institut in Mainz, das einzige seiner Art in Rheinland-Pfalz, untersucht regelmäßig Quetschrisswunden und andere Traumata. Solche Verletzungen entstehen etwa durch Schläge mit Hämmern oder bei Arbeitsunfällen. Die Analyse erlaubt Rückschlüsse auf Tatwerkzeuge oder Unfallhergänge.
Seit 2021 nutzen die Experten einen eigenen Computertomographen. Das Gerät dokumentiert Knochenbrüche und innere Blutungen zerstörungsfrei – noch bevor der erste Schnitt erfolgt. Institutsleiterin Tanja Germerott beschreibt die Bandbreite der Fälle: von Gewaltverbrechen bis zur Identifizierung von Opfern der Ahrtal-Flut 2021.
Wenn der Feierabend zum Unfall fĂĽhrt
Die präzise Dokumentation von Verletzungen entscheidet oft über Versicherungsansprüche. Das Hessische Landessozialgericht urteilte aktuell zur Mittagspause im Homeoffice: Der Weg zum Kühlschrank oder zum Imbiss ist nicht automatisch versichert. Fehlt der betriebliche Bezug, entfällt der Schutz. Da Revisionen beim Bundessozialgericht anhängig sind, wird die lückenlose Beweissicherung noch wichtiger.
Ein weiteres Urteil des Landesarbeitsgerichts Niedersachsen stärkt die Rechte von Arbeitnehmern: Eine Kündigung ist unwirksam, wenn der Arbeitgeber das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) vorzeitig abbricht. Im konkreten Fall wurden vereinbarte Gesundheitskurse und Betriebsarzttermine schlicht nicht umgesetzt.
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Kontrollen: Alle 83 Jahre vorbeigeschaut
Trotz medizinischer Fortschritte hakt es bei der Prävention massiv. Ein heute veröffentlichter Bericht zeigt: Die angestrebte Mindestquote von fünf Prozent kontrollierter Betriebe pro Jahr wird bundesweit verfehlt. In Berlin wird ein Betrieb statistisch gesehen nur alle 83 Jahre kontrolliert.
Diese Kontrolldichte macht es schwer, Sicherheitsstandards durchzusetzen – etwa an Maschinen, die Quetschverletzungen verursachen können, oder auf unsicheren Arbeitswegen.
Psychische Erkrankungen auf Platz eins
Während der klassische Arbeitsschutz stagniert, entwickelt sich das betriebliche Gesundheitsmanagement weiter. Der Dienstleister BG prevent feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen und setzt zunehmend auf digitale Lösungen. An über 150 Standorten arbeiten Teams an KI-Assistenten, die besonders kleine Betriebe bei der Gefährdungsbeurteilung unterstützen sollen.
Psychische Erkrankungen sind inzwischen die Hauptursache für Arbeitsausfälle – mit 184 Fehltagen pro 100 Versicherten. Wer hier nicht gegensteuert, verliert nicht nur Produktivität, sondern riskiert auch teure Kündigungsschutzklagen. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen die 5 wirksamsten Maßnahmen. Psychische Belastung reduzieren – Report sichern
Der Bedarf ist riesig: Laut DAK-Gesundheit sank der Krankenstand im ersten Halbjahr 2026 zwar leicht auf 9,6 Fehltage (Vorjahr: 9,9). Doch psychische Erkrankungen sind mit 184 Fehltagen pro 100 Versicherten inzwischen die Hauptursache für Arbeitsausfälle.
Die Politik reagiert mit einem Koalitionsbeschluss vom 2. Juli: Eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag soll kommen. Gleichzeitig steht die telefonische Krankschreibung zur Abschaffung – in Fachkreisen hoch umstritten.
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