Arbeitsverdichtung: 369.516 offene Stellen gefährden Mitarbeitergesundheit
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 17:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Immer mehr Betriebe kämpfen mit Personallücken und steigender Arbeitsverdichtung. Das hat Folgen für die Gesundheit der Beschäftigten. Jetzt reagieren Unternehmen und Politik mit neuen Ansätzen.
369.516 offene Stellen – und die Belastung steigt
Der angespannte Arbeitsmarkt wird zunehmend zum Gesundheitsrisiko. Nach Daten des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) fehlten 2025 deutschlandweit rund 369.516 qualifizierte Arbeitskräfte. Besonders betroffen: Pflege, Kinderbetreuung und technische Berufe.
Die Personallücken führen in vielen Betrieben zu massiver Arbeitsverdichtung. Experten warnen: Die physischen und psychischen Belastungen beeinträchtigen nicht nur das Wohlbefinden, sie erhöhen auch die Unfallgefahr. Eine Arbeitspsychologin erklärt, dass sich Überlastung oft durch Gereiztheit, sinkende Fehlertoleranz und mangelnde Kommunikation im Team zeigt.
Wie Führungskräfte lernen, Gesundheit zu managen
Um Führungskräfte für diese Herausforderungen zu sensibilisieren, setzen Unternehmen auf moderne Weiterbildungsformate. Für einen global agierenden Automobilkonzern wurde ein spezielles Blended-Learning-Programm entwickelt. Es kombiniert digitale Web-Based-Trainings, virtuelle Einheiten, klassische Präsenzphasen und Microlearnings.
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Ziel: Führungskräfte sollen gesundheitsorientierte Führung im Alltag verankern. Die Skalierbarkeit und Mehrsprachigkeit dieser Angebote ermöglicht international tätigen Unternehmen einheitliche Präventionsstandards. Auch der TÜV Rheinland unterstützt den Trend mit Whitepapern und spezialisierten Workshops.
Bundesgesundheitsministerin kündigt Präventionsoffensive an
Die betrieblichen Bemühungen bekommen politische Unterstützung. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kündigte gestern eine nationale Präventionsoffensive an. Damit soll das bestehende Präventionsgesetz von 2015 weiterentwickelt werden. Hintergrund: Deutschland belegte im Public Health Index zuletzt einen der hinteren Plätze.
Die AOK Rheinland/Hamburg begrüßte die Pläne und betonte die Notwendigkeit, Präventionsstrukturen nachhaltig zu stärken. Für den Aufbau effektiver Strukturen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) empfiehlt sich zudem die Zusammenarbeit mit Hochschulen. Eine Expertin der EAH Jena rät Unternehmen jedoch, zunächst belastbare interne Präventivstrukturen zu schaffen. Entscheidend für den Erfolg solcher Partnerschaften seien abgestimmte Erwartungen und ausreichende Ressourcen.
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Gehalt ist nicht mehr alles – Unternehmenskultur zählt
Neben gesundheitlichen Aspekten wird die Mitarbeiterbindung immer wichtiger. Bei einer Veranstaltung des Heidelberger Bündnisses für Ausbildung und Arbeit Mitte Juli wurde deutlich: Für viele Beschäftigte ist das Gehalt nicht mehr die oberste Priorität. Emotionale Bindung, Vertrauen und eine gelebte Unternehmenskultur entscheiden zunehmend darüber, ob Personal langfristig bleibt.
Unternehmensberater empfehlen, verstärkt auf Anreize statt auf Kontrolle zu setzen. Besonders für junge Fachkräfte sind ein modernes Arbeitsumfeld, leistungsorientierte Vergütung und klare Zielvorgaben attraktiver als starre Arbeitszeiten. Dass sich langfristiges Engagement im BGM auszahlt, zeigt die SV Schweiz: Sie wurde im Juli zum wiederholten Mal mit einem Label für nachhaltige Gesundheitsförung ausgezeichnet. Zu den Maßnahmen gehören Führungscoachings, Frühwarnsysteme und Resilienz-Schulungen.
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