Arbeitszeit-Debatte, Büro

Arbeitszeit-Debatte: 53% wünschen sich kürzere Tage im Büro

29.05.2026 - 23:23:16 | boerse-global.de

Jobsharing bei BASF, Debatte um Arbeitszeitverkürzung und KI-Einsatz prägen den Wandel der Assistenzberufe im Mai 2026.

Arbeitszeiterfassung: Digitaler Wandel trifft auf politischen Streit - Foto: über boerse-global.de
Arbeitszeiterfassung: Digitaler Wandel trifft auf politischen Streit - Foto: über boerse-global.de

Branchenberichte und Arbeitsmarktdaten vom Mai 2026 zeigen: Künstliche Intelligenz, neue Organisationsmodelle und veränderte Flexibilitätsansprüche treiben die Entwicklung hin zu spezialisierten und kollaborativen Arbeitsstrukturen.

Jobsharing bei BASF: Zwei Köpfe, eine Stelle

Ein konkretes Beispiel für diesen Wandel liefert die BASF Agricultural Solutions. Das Unternehmen stellte Ende Mai ein Jobsharing-Modell für Assistenzkräfte vor, bei dem sich zwei Mitarbeiter eine Vollzeitstelle teilen. Befürworter sehen darin klare Vorteile: höhere Verfügbarkeit, ein breiteres Kompetenzspektrum und eine deutliche Reduzierung der individuellen Arbeitsbelastung. Voraussetzung für den Erfolg sind klar definierte Zuständigkeiten und ein täglicher Austausch zwischen den Partnern.

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Debatte um Arbeitszeit: Flexibler oder kürzer?

Parallel dazu entbrannte Ende Mai eine grundsätzliche Diskussion über Büroarbeitszeiten. Oliver Stettes, Arbeitsmarktexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), schlug eine Flexibilisierung und mögliche Verlängerung der täglichen Höchstarbeitszeit für Büroangestellte vor – mit dem Ziel, die Work-Life-Balance zu verbessern.

Der Vorstoß stieß auf erbitterten Widerstand der Arbeitnehmervertreter. Anja Piel vom DGB und Guido Zeitler, Chef der Gewerkschaft NGG, warnten vor Gesundheitsrisiken durch längere Arbeitstage. Eine DGB-Umfrage untermauert ihre Skepsis: 53 Prozent der Beschäftigten wünschen sich kürzere Arbeitszeiten. Bei Männern mit Kindern steigt dieser Wert sogar auf 63 Prozent.

KI am Arbeitsplatz: Helfer oder Jobkiller?

Die Forschung zeichnet ein differenziertes Bild der KI-Auswirkungen auf Bürotätigkeiten. Laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind weltweit rund 25 Prozent der Beschäftigten in Berufen tätig, die KI ausgesetzt sind. In fortgeschrittenen Volkswirtschaften wie Österreich liegt der Anteil bei 34 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht sogar von bis zu 60 Prozent KI-exponierten Jobs in diesen Ländern aus.

Doch Automatisierung bedeutet nicht zwangsläufig Jobverlust. Benjamin Todd von der Organisation 80.000 Hours betonte Ende Mai: KI automatisiert in der Regel einzelne Aufgaben, nicht ganze Berufsbilder. Selbst in hochtechnischen Bereichen verbringen Fachkräfte nur einen Bruchteil ihrer Zeit mit den besonders automatisierungsanfälligen Tätigkeiten. Gefragt sind daher zunehmend „sichere Fähigkeiten": menschliche Kontrolle, langfristige Planung und das Management komplexer, datenarmer Umgebungen.

Im Beratungssektor zeigt sich dieser Wandel bereits deutlich. Branchenbeobachter stellten fest, dass Unternehmen weniger Junior-Berater für Routineaufgaben benötigen und stattdessen einen höheren Wert auf Seniorität und strategische Überwachung legen.

Spezialisten gesucht: Neue Anforderungen im Stellenmarkt

Der Arbeitsmarkt für administrative Fachkräfte bleibt aktiv. Ende Mai waren 45 offene Stellen ausgeschrieben – unter anderem bei der HUK-COBURG, der McDonald's Kinderhilfe Stiftung sowie in verschiedenen Kanzleien und Arztpraxen.

Die Anforderungen haben sich gewandelt. Eine Stellenanzeige für einen Finanz- und Verwaltungsassistenten in Frankfurt vom Mai 2026 listet Aufgaben wie Budgetcontrolling, Liquiditätsplanung und vorbereitende Buchhaltung mit Spezialsoftware wie DATEV auf. In Wien suchen Kanzleien weiterhin Rechtsanwaltsassistenten mit Fokus auf striktes Fristenmanagement und Dokumentenerstellung.

Digitale Souveränität: Euro-Office als Antwort auf US-Dienste

Auch die eingesetzten Werkzeuge verändern sich. Ein europäisches Konsortium um IONOS und Nextcloud kündigte an, dass Euro-Office am 9. Juni 2026 an den Start geht. Die Plattform versteht sich als datensouveräne Alternative zu US-amerikanischen Office-Suiten und adressiert damit geopolitische Bedenken sowie strengere Datenschutzauflagen.

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Schatten-KI: Sicherheitsrisiko im digitalen Büro

Die Digitalisierung bringt neue Sicherheitsherausforderungen mit sich. Ein Bericht zur Cloud-Sicherheit vom Mai 2026 enthüllt: 52 Prozent der Wissensarbeiter nutzen nicht autorisierte KI-Tools für geschäftliche Zwecke – ein Phänomen, das als „Shadow AI" bekannt ist. Zudem berichteten 54 Prozent der befragten Unternehmen von Sicherheitsvorfällen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz.

Gleichzeitig treiben große Softwareanbieter die Integration voran. Ende Mai erweiterten Workday und Google Cloud ihre Partnerschaft. Das KI-Modell Gemini wird in Self-Service-Agenten für Personal- und Finanzaufgaben integriert. Ziel ist ein schnellerer Datenzugriff und mehr Effizienz für die über 11.500 Organisationen, die diese Verwaltungsplattformen nutzen.

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