Arbeitszeit, Dulger

Arbeitszeit: Dulger will tÀgliche Höchstarbeitszeit kippen

Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 21:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Dulger plĂ€diert fĂŒr die EU-weite Wochenarbeitszeitregelung. Gewerkschaften warnen vor lĂ€ngeren Einzeltagen, wĂ€hrend die Regierung im Herbst einen Gesetzentwurf plant.

ArbeitgeberprÀsident Dulger fordert EU-weites Arbeitszeitmodell: Wochen- statt Tageshöchstgrenze
Ein moderner, minimalistischer BĂŒroarbeitsplatz mit Laptop und digitaler Uhr, der die Debatte um flexible Arbeitszeiten symbolisiert. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger will die tĂ€gliche Höchstarbeitszeit kippen. Stattdessen soll kĂŒnftig nur noch die Wochenarbeitszeit gelten – nach EU-Vorbild.

Vorstoß fĂŒr wöchentliches Arbeitszeitmodell nach EU-Vorbild

Dulger fordert eine Anpassung an die EU-Richtlinie, die eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden vorsieht. Die tĂ€gliche Ausgestaltung bleibt den Mitgliedstaaten ĂŒberlassen. Genau diese FlexibilitĂ€t werde in fast allen europĂ€ischen LĂ€ndern genutzt, nur Deutschland halte an der tĂ€glichen Begrenzung fest, so Dulger.

Sein Argument: LÀnder wie Belgien oder Italien setzen flexiblere Modelle um und weisen teils niedrigere Krankheitsquoten auf als Deutschland. Unternehmen brÀuchten mehr Spielraum, um auf schwankende Anforderungen reagieren zu können. Aktuell erlaubt das deutsche Gesetz acht Stunden tÀglich, unter bestimmten Bedingungen mit Ausgleich bis zu zehn Stunden.

Gewerkschaften warnen vor 13-Stunden-Tagen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund lĂ€uft Sturm gegen die PlĂ€ne. DGB-Vize Stefan Körzell spricht von einem „Angriff auf den Achtstundentag“ mit gefĂ€hrlichen Folgen. In Unternehmen ohne Tarifbindung könnten bei einer Wochenhöchstzeit Arbeitstage von bis zu 13 Stunden drohen.

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Das Unfallrisiko steige bei solchen Modellen exponentiell an, warnt der Gewerkschaftsbund. Die geltenden Schutzregeln seien essenziell fĂŒr die Sicherheit am Arbeitsplatz. Ein Faktencheck zu einem Sommerinterview stellte zwar klar: Eine generelle EinfĂŒhrung des 13-Stunden-Tags entspricht nicht der aktuellen Gesetzeslage. Die geplante Flexibilisierung bedeutet jedoch tatsĂ€chlich eine Abkehr von der tĂ€glichen Fixierung.

Reformpaket im Herbst geplant

Kanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin BĂ€rbel Bas wollen im Herbst einen Gesetzentwurf vorlegen. Ein bereits im Juli verabschiedetes Reformpaket hatte die Arbeitszeitflexibilisierung noch ausgeklammert. Flankierend plant die Koalition gesundheitspolitische Maßnahmen: die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und die Pflicht zur Krankmeldung ab dem ersten Tag.

Hintergrund ist die angespannte Finanzlage im Gesundheitswesen. FĂŒr 2027 erwartet das Ministerium ein Defizit von fast 19 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung. Diskutiert werden zudem EinschrĂ€nkungen bei der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern und höhere Zuzahlungen bei Medikamenten.

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Internationale Debatte um Arbeitszeiten

Die Diskussion ist kein deutsches PhĂ€nomen. SĂŒdkorea erwĂ€gt, die 52-Stunden-Woche fĂŒr die Halbleiterbranche zu lockern. China hat das verbreitete „996-Modell“ mit 72 Wochenstunden fĂŒr illegal erklĂ€rt. In Deutschland fordern Gastgewerbe-VerbĂ€nde unterdessen Fast-Track-Visa fĂŒr FachkrĂ€fte und steuerliche VergĂŒnstigungen bis Ende 2026.

Der Personalmangel zwingt zu kreativen Lösungen – teils mit ungewöhnlichen Folgen. Wegen des Niedrigwassers am Rhein haben Nordrhein-Westfalen, das Saarland und Rheinland-Pfalz das Sonntagsfahrverbot fĂŒr Lkw bis Ende August beziehungsweise September ausgesetzt. Verdi kritisiert auch diesen Eingriff in bestehende Arbeitsbedingungen.

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