Arbeitszeit-Reform, Bas

Arbeitszeit-Reform: Bas plant 48-Stunden-Woche statt Acht-Stunden-Tag

20.06.2026 - 17:43:34 | boerse-global.de

Das Bundesarbeitsministerium plant eine flexible Wochenarbeitszeit, die an TarifvertrĂ€ge gebunden ist. Die PlĂ€ne stoßen auf breite politische Kritik.

Arbeitszeitreform: Wochenmodell statt Acht-Stunden-Tag geplant
Arbeitszeit-Reform - Eine Uhr mit unscharfen Zeigern, die FlexibilitĂ€t symbolisieren, ĂŒberlagert von digitalen Linien in einem modernen BĂŒro. 20.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Die PlÀne von Ministerin BÀrbel Bas (SPD) sehen vor, die starre tÀgliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden durch ein flexibleres Wochenmodell zu ersetzen.

Anzeige

Angesichts der geplanten Reformen stehen viele Betriebe vor der Herausforderung, Arbeitszeiten rechtssicher zu dokumentieren. Dieser kostenlose Ratgeber unterstĂŒtzt Sie dabei, die gesetzlichen Vorgaben zur Arbeitszeiterfassung ohne teure Software korrekt umzusetzen. Kostenlose Mustervorlage zur Arbeitszeiterfassung sichern

Wochenarbeitszeit statt tÀglicher Grenze

Der Entwurf, der Mitte Juni bekannt wurde, erlaubt kĂŒnftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von durchschnittlich 48 Stunden im Jahresverlauf. Theoretisch wĂ€ren damit sogar Sechs-Tage-Wochen mit bis zu 60 Arbeitsstunden möglich – vorausgesetzt, der Freizeitausgleich stimmt.

Allerdings gibt es eine zentrale HĂŒrde: Die Flexibilisierung ist an einen Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung gebunden. Ohne diese kollektivrechtliche Grundlage bleibt der Acht-Stunden-Tag bestehen. Da nur etwa die HĂ€lfte der BeschĂ€ftigten unter Tarifschutz fĂ€llt, bliebe die Neuregelung fĂŒr viele Arbeitnehmer zunĂ€chst ohne Wirkung. Zudem könnte die gesetzliche Ruhezeit von elf Stunden verkĂŒrzt werden.

Pflicht zur elektronischen Zeiterfassung

Der Entwurf enthĂ€lt noch eine weitere Sprengkraft: Arbeitgeber sollen Beginn, Ende und Dauer der tĂ€glichen Arbeitszeit elektronisch und taggleich erfassen. Zwar bleibt Vertrauensarbeitszeit formal möglich, doch Kritiker befĂŒrchten, dass die strengen Dokumentationspflichten dieses Modell faktisch abschaffen.

Anzeige

Die neuen Dokumentationspflichten zur Arbeitszeit stellen Arbeitgeber und Personalverantwortliche vor wachsende bĂŒrokratische HĂŒrden. Erfahren Sie in diesem Gratis-E-Book, wie Sie Überstunden und Pausenregelungen nach aktuellem Recht rechtssicher organisieren. Kostenlosen Leitfaden zu Arbeitszeit und Überstunden herunterladen

Das Ministerium betont, es handle sich um eine interne Arbeitsfassung in einem frĂŒhen Stadium. Ziel sei es, die Anforderungen der modernen Arbeitswelt mit dem Gesundheitsschutz der BeschĂ€ftigten zu vereinbaren.

Politischer Gegenwind aus allen Richtungen

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Die Union wirft der Ministerin Wortbruch vor. CDU-GeneralsekretĂ€r Carsten Linnemann sowie die Abgeordneten Marc Biadacz und Gitta Connemann erklĂ€rten, der Entwurf verstoße gegen den Koalitionsvertrag. Besonders der Tarifvorbehalt stĂ¶ĂŸt auf Kritik – die Union fordert eine Flexibilisierung fĂŒr alle Arbeitnehmer, unabhĂ€ngig von der Tarifbindung. Auch Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder lehnt die PlĂ€ne ab.

ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger fordert den RĂŒckzug des Entwurfs und bezeichnet ihn als realitĂ€tsfern. Der Verband Gesamtmetall spricht von einem RĂŒckfall in alte Regulierungsmuster. Handwerk und Mittelstand sehen kleinere Unternehmen benachteiligt, die seltener tarifgebunden sind.

Gewerkschaften gespalten

Bei den Gewerkschaften gehen die Meinungen auseinander. Der DGB verteidigt den Acht-Stunden-Tag als wichtigen Gesundheitsschutz. Vertreter von ver.di und der Hans-Böckler-Stiftung warnen vor extrem langen Arbeitswochen und Überlastung. Aus den Reihen der SPD kommt dagegen RĂŒckhalt: Der Kurs stĂ€rke die Tarifautonomie und ermögliche moderne Arbeitsformen.

de | wirtschaft | 69591556 |