Arbeitszeit-Reform: Union will 48-Stunden-Woche statt Tagesgrenze
15.06.2026 - 15:03:00 | boerse-global.de
Die Union drängt auf eine Reform der Arbeitszeit – und stößt damit bei SPD, Gewerkschaften und Wissenschaft auf Widerstand.
Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) forderte die SPD am Wochenende auf, den Koalitionsvertrag endlich umzusetzen. Die geplante Reform sieht vor, die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche Regelung zu ersetzen. „Flexibilität ist für das Wirtschaftswachstum unerlässlich“, betonte Spahn. Die tägliche Obergrenze von zehn Stunden soll aber bestehen bleiben, die Wochenarbeitszeit auf maximal 48 Stunden steigen.
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Unterstützung bekam Spahn von Günter Krings (CDU). Auch er drängte die Sozialdemokraten, zu den Vereinbarungen zu stehen. Arbeitgeber loben die Pläne als längst überfällige Deregulierung.
SPD knüpft Reform an Bedingungen
Die Reaktionen aus der Koalition fallen gemischt aus. SPD-Politikerin Bärbel Bas signalisierte grundsätzliche Gesprächsbereitschaft – aber nicht gegen den Willen der Beschäftigten. Sie fordert eine Reform nur zusammen mit der Einführung einer systematischen Arbeitszeiterfassung.
Ihr Parteikollege Jan Dieren betonte: „Die Selbstbestimmung der Arbeitnehmer muss im Mittelpunkt stehen.“ Er verwies auf die EU-Arbeitszeitrichtlinie mit ihrer verbindlichen Elf-Stunden-Ruhezeit. Die Grünen zeigen sich offen für mehr Flexibilität, bestehen aber auf dem Acht-Stunden-Tag als Schutzstandard. Linke und AfD lehnen die Pläne komplett ab.
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Wissenschaft warnt vor Gesundheitsrisiken
Arbeitspsychologin Laura Venz nannte die Debatte eine „Scheindebatte auf falschen Annahmen“. Sie fordert eine echte Flexibilisierung, die den Bedürfnissen der Angestellten gerecht wird.
Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) liefert Zahlen, die nachdenklich stimmen. Bereits heute arbeiten rund 43 Prozent der Beschäftigten regelmäßig länger als acht Stunden. Viele klagen über Erschöpfung. „Eine Aufhebung der täglichen Grenzen könnte kontraproduktiv für Produktivität und Gesundheit sein“, warnt Expertin Elke Ahlers. Besonders ältere Arbeitnehmer wären betroffen.
Die Bevölkerung ist gespalten. Eine Leserumfrage der Schwäbischen Post ergab: 46,7 Prozent halten den Acht-Stunden-Tag weiterhin für zeitgemäß. 18,5 Prozent bevorzugen eine Vier-Tage-Woche oder freie Zeiteinteilung. Nur 5,4 Prozent würden längere Arbeitstage akzeptieren.
Gewerkschaften rufen zu Protesten auf
Die Gewerkschaften machen mobil. Die GEW Hessen ruft für den 20. Juni zur Demonstration nach Kassel. Kritisiert werden neben der Arbeitszeitreform auch mögliche Einschränkungen beim Arbeitsschutz und Pläne zur Erhöhung des Renteneintrittsalters.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) plant für den 27. Juni eine zentrale Kundgebung in Berlin. Die Arbeitnehmervertreter fordern Investitionen statt Kürzungen im Sozialstaat. Die Botschaft ist klar: Flexibilisierung ja – aber nicht auf Kosten der Gesundheit.
