Arbeitszeit-Streit, Stellen

Arbeitszeit-Streit: Bis zu 16.000 Stellen bei Mercedes und BMW gefÀhrdet

25.06.2026 - 17:53:21 | boerse-global.de

Mercedes-Aufsichtsratschef BrudermĂŒller plĂ€diert fĂŒr lĂ€ngere Arbeitszeiten ohne Gehaltserhöhung. Betriebsrat und Politik reagieren ablehnend.

Mercedes-Aufsichtsrat BrudermĂŒller fordert 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich
Arbeitszeit-Streit - Zwei HĂ€nde, eine im Anzug, die andere im blauen Hemd, schĂŒtteln sich fest vor dem Hintergrund einer Autofabrik, was Konflikt symbolisiert. 25.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Der Aufsichtsratsvorsitzende von Mercedes-Benz, Martin BrudermĂŒller, will die RĂŒckkehr zur 40-Stunden-Woche – und zwar ohne mehr Geld. Die Arbeitnehmervertreter lehnen das entschieden ab.

Streit um die Arbeitszeit

BrudermĂŒller argumentiert mit der sinkenden WettbewerbsfĂ€higkeit des Standorts Deutschland. Die VerlĂ€ngerung der Arbeitszeit sei nötig, um die ProduktivitĂ€t zu steigern.

Gesamtbetriebsratschef Ergun LĂŒmali kontert: Die tariflich verankerte 35-Stunden-Woche stehe nicht zur Debatte. GegenĂŒber dem SPIEGEL bezeichnete er BrudermĂŒllers Vorstoß als nicht zielfĂŒhrend.

Kostendruck aus Ungarn

Der Vorstoß kommt nicht von ungefĂ€hr. Mercedes investiert massiv im Ausland – besonders in Ungarn. Die Faktorkosten liegen dort rund 70 Prozent niedriger als in Deutschland.

Finanzchef Harald Wilhelm bringt es auf den Punkt: Was in Deutschland fĂŒr die Lohnkosten eines Fahrzeugs reicht, finanziert in Ungarn die Produktion von drei Autos.

Konzernchef Ola KĂ€llenius will sich am 21. Juli in Stuttgart dazu Ă€ußern. Analysten von Bernstein Research stufen die Aktie derweil auf „Market-Perform“ mit Kursziel 61 Euro ein – sie verweisen auf die Resilienz der Lieferketten.

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Bis zu 16.000 Stellen könnten wegfallen

Branchenexperte Stefan Bratzel rechnet mit einem deutlichen Personalabbau bei den deutschen Premium-Herstellern. SchĂ€tzungen zufolge könnten bei Mercedes und BMW insgesamt bis zu 16.000 Stellen gestrichen werden. Das entspricht einem mittleren einstelligen Prozentbereich – bei rund 160.000 Mitarbeitern pro Konzern.

Der Trend ist branchenweit sichtbar. Seit 2019 schrumpfte die Belegschaft in der deutschen Autoindustrie von 840.000 auf knapp 700.000 BeschÀftigte.

Auch andere Hersteller sparen:
- Audi: 4.500 von 6.000 geplanten Stellenstreichungen im indirekten Bereich sind bereits umgesetzt.
- Volkswagen: Bis 2030 droht ein Abbau von bis zu 50.000 Stellen. Die Kommunikation der Konzernspitze sorgte zuletzt fĂŒr Betriebsratskritik.

Reform des Arbeitszeitrechts in der Pipeline

Parallel zur internen Debatte bei Mercedes plant die Politik mehr FlexibilitÀt. Bundesarbeitsministerin BÀrbel Bas legte im Juni einen Referentenentwurf zur Reform des Arbeitszeitgesetzes vor.

Kernpunkte: Tarifparteien sollen kĂŒnftig eine wöchentliche statt tĂ€gliche Höchstarbeitszeit vereinbaren können. Dazu kommt die Pflicht zur elektronischen Arbeitszeiterfassung. Die bisherige elfstĂŒndige Ruhezeit könnte entfallen.

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WirtschaftsverbÀnde und Union kritisieren den Entwurf. Die Debatte bei Mercedes zeigt: Die Frage der Arbeitsgestaltung bleibt ein zentraler Konfliktpunkt in der Transformation der Industrie.

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