Arbeitszeitgesetz: Ampel plant 48-Stunden-Woche und 12-Stunden-Tage
02.06.2026 - 04:03:47 | boerse-global.deStatt täglicher Höchstgrenzen soll künftig die Wochenarbeitszeit zählen – mit weitreichenden Folgen für Millionen Beschäftigte.
Der Kern der Reform: 48 Stunden pro Woche, 12 Stunden pro Tag
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Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas will noch im Juni einen Diskussionsentwurf vorlegen. Das Herzstück: Die bisherige tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden soll durch eine flexible Wochengrenze von 48 Stunden ersetzt werden. Einzelne Arbeitstage könnten dann auf bis zu zwölf Stunden ausgedehnt werden – in Ausnahmefällen, etwa im Gesundheitswesen, sogar auf über 13 Stunden.
Kanzler Friedrich Merz unterstützt den Plan als notwendigen Schritt für mehr Wirtschaftswachstum. Bas selbst zeigte sich bei gewerkschaftsnahen Veranstaltungen zurückhaltend und verwies auf den Koalitionsvertrag als Ursprung der Initiative.
Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), sprach sich am 18. Mai 2026 klar für die Reform aus: „Es geht um eine andere Verteilung der Stunden, nicht um eine Erhöhung der Gesamtbelastung.“ Die Flexibilität käme vor allem Büro- und Dienstleistungsberufen zugute.
Gesundheitsexperten schlagen Alarm
Forscher warnen eindringlich vor den Risiken langer Arbeitstage. IAB-Direktor Bernd Fitzenberger betonte am 1. Juni 2026, dass übermäßige Flexibilität die Gesundheit gefährde, die Produktivität senke und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erschwere. Besonders in sicherheitskritischen Berufen wie der Flugsicherung oder IT-Sicherheit seien tägliche Höchstgrenzen unverzichtbar.
Eine Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zeigt: 75 Prozent der Beschäftigten fürchten negative Folgen, wenn Arbeitstage regelmäßig zehn Stunden überschreiten. Der DGB-Index belegt, dass 98 Prozent der Arbeitnehmer weniger als zehn Stunden pro Tag arbeiten wollen – 72 Prozent bevorzugen sogar den klassischen Acht-Stunden-Tag.
Mediziner weisen darauf hin, dass das Unfallrisiko nach zwölf Stunden Arbeit doppelt so hoch ist. Langfristig drohen Burnout und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem leisten Frauen bereits heute durchschnittlich acht Stunden mehr unbezahlte Sorgearbeit pro Woche als Männer – längere schichten könnten ihre Erwerbsbeteiligung weiter erschweren.
Gewerkschaften ziehen rote Linien
Die Arbeitnehmervertreter stellen sich quer. Frank Werneke, Verdi-Chef, benannte am 1. Juni 2026 klare „rote Linien“: Einschränkungen des Streikrechts, Kürzungen beim Kündigungsschutz oder die Ausweitung der täglichen Arbeitszeit durch einseitige Anordnung des Arbeitgebers seien nicht akzeptabel. Sollte das Reformpaket zu sozialen Einschnitten führen, kündigte Werneke Proteste an.
Ein Spitzentreffen zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und dem Kanzler ist für den 10. Juni 2026 anberaumt. Die Regierung will das Paket noch vor der Sommerpause schnüren. Parallel tagt der Koalitionsausschuss am 30. Juni 2026 zu Haushaltsfragen und Sozialreformen, darunter Rentenanpassungen und die Budgetziele für 2027.
Steueranreize und digitale Zeiterfassung als Gegenleistung
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Als Zuckerbrot sieht die Reform Steuererleichterungen für Überstunden vor. Zuschläge von bis zu 25 Prozent des Grundlohns sollen für Arbeit oberhalb der Vollzeitgrenze steuerfrei bleiben. Arbeitgeber dürften zudem Prämien von bis zu 4.500 Euro steuerfrei für Mehrarbeit zahlen. Der wissenschaftliche Beirat des Finanzministeriums bezifferte den Nettovorteil für viele Arbeitnehmer auf lediglich rund 3,50 Euro pro Stunde – ein eher geringer Effekt.
Als Gegengewicht zur Flexibilisierung plant die Regierung die Einführung einer verpflichtenden elektronischen Zeiterfassung. Das Bundesarbeitsgericht hatte bereits 2022 klargestellt, dass die Arbeitszeitaufzeichnung nach geltendem Arbeitsschutzrecht ohnehin Pflicht ist. Ein konkretes Gesetz für die digitale Erfassung soll noch 2026 verabschiedet werden – mit möglichen Bußgeldern für Unternehmen, die die Dokumentationspflichten missachten.
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