Arbeitszeitgesetz: AUB fordert Wochenmodell statt Tagesgrenzen
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 20:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Arbeitszeit- und Betriebsratsverband AUB will die tĂ€gliche Höchstarbeitszeit abschaffen. Am 6. August prĂ€sentierte die Organisation ein Zehn-Punkte-Papier fĂŒr ein flexibleres Arbeitszeitmodell.
Wochenarbeitszeit statt Tagesgrenzen
In den âHamburger Thesenâ fordert der Verband, starre tĂ€gliche Arbeitszeitgrenzen durch eine wöchentliche Erfassung zu ersetzen. Die unionsrechtlich verankerte Grenze von durchschnittlich 48 Stunden pro Woche soll als Schutzwall erhalten bleiben. Das Modell soll allen Unternehmen offenstehen â ohne Tarifzwang. Ruhezeiten von elf Stunden und Mindestpausen bleiben unangetastet.
KI-gesteuerte Mikropausen
Ein Kernpunkt: die Individualisierung von Pausenzeiten. Der Verband schlĂ€gt vor, kĂŒnstliche Intelligenz zu nutzen, um Mikropausen von fĂŒnf bis zehn Minuten in den Arbeitsalltag zu integrieren. ZusĂ€tzlich fordert der AUB eine konsequente digitale Kontrolle der Ruhezeiten, um den Arbeitnehmerschutz auch in flexibleren Strukturen zu sichern.
Der Hintergrund: Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in Deutschland lag 2024 bei 34,8 Stunden. MÀnner kamen auf 39,9 Stunden, Frauen auf 32,3. VollzeitbeschÀftigte erreichten im Schnitt 40 Stunden, TeilzeitkrÀfte 22 Stunden.
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Politischer Schulterschluss in Sicht?
In der Bundespolitik zeichnet sich Bewegung ab. SPD-ParlamentsgeschĂ€ftsfĂŒhrer Rolf MĂŒtzenich zeigte sich optimistisch ĂŒber eine Einigung mit der Union. Ziel: Flexibilisierung mit besserer Work-Life-Balance und Arbeitnehmerschutz verbinden. Die Gewerkschaften warnen dagegen vor Ăberlastung durch entgrenzte Arbeitszeiten.
Kritik kommt auch von links. Die Abgeordnete Anne Zerr bemĂ€ngelte, das bestehende Gesetz wirke zunehmend lĂŒckenhaft. Die Zahl der Arbeitszeitkontrollen sank 2024 auf 12.972 FĂ€lle â ein Minus von elf Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr und 23 Prozent weniger als 2015. Gleichzeitig explodiert die Sonntagsarbeit: Die Zahl der BeschĂ€ftigten mit Ausnahmegenehmigungen hat sich von 25.000 (2015) auf prognostizierte 51.700 (2025) mehr als verdoppelt.
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Kontrolle? Fehlanzeige
Wie schlecht es um die Durchsetzung bestehender Regeln bestellt ist, zeigt eine Umfrage der Apothekengewerkschaft ADEXA unter mehr als 1.100 Angestellten. Fast die HĂ€lfte gab an, dass ihre tatsĂ€chliche Arbeitszeit nicht erfasst wird. Bei ĂŒber 60 Prozent bleiben Vor- und Nacharbeiten undokumentiert. Und fast jeder Dritte berichtet von hĂ€ufigen, kurzfristigen DienstplanĂ€nderungen.
WĂ€hrend die Debatte lĂ€uft, gehen einzelne Unternehmen eigene Wege. Die Schaeffler AG weitet ihre Altersteilzeit fĂŒr JahrgĂ€nge bis 1971 aus. Rund 1.300 Mitarbeitende sollen die Blockmodelle mit Laufzeiten von zwei bis acht Jahren nutzen können.
Sonntagsöffnung bleibt Tabu
Die Diskussion um weitere Flexibilisierung bleibt kontrovers. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch lehnte Forderungen der Wirtschaft nach einer Liberalisierung des Ladenschlussrechts klar ab. Die strukturellen Probleme des Handels lieĂen sich nicht durch mehr Sonntagsarbeit lösen, so Miersch.
