Arbeitszeitgesetz, Dulger

Arbeitszeitgesetz: Dulger fordert Umstieg auf wöchentliche Höchstarbeitszeit

Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

ArbeitgeberprÀsident Dulger verlangt Umstellung auf Wochenarbeitszeit. Gewerkschaften warnen vor lÀngeren Tagesarbeitszeiten, die Politik plant Gesetzentwurf.

Arbeitszeitgesetz-Reform: Arbeitgeber fordern wöchentliche Höchstarbeitszeit
Ein moderner Schreibtisch mit Laptop und digitalem Kalender als Symbol fĂŒr die Flexibilisierung der Arbeitszeit. Illustration mit AI erstellt.

In der Debatte um die Modernisierung des deutschen Arbeitsmarktes fordert ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger eine grundlegende Reform des Arbeitszeitgesetzes. Der PrĂ€sident der Bundesvereinigung der Deutschen ArbeitgeberverbĂ€nde (BDA) plĂ€dierte am Wochenende fĂŒr eine Umstellung von der bisherigen tĂ€glichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Er begrĂŒndete diesen Vorstoß damit, dass die geltenden Regelungen nicht mehr der heutigen Arbeitswelt entsprĂ€chen.

Kritik an veralteten gesetzlichen Vorgaben

Nach EinschĂ€tzung des ArbeitgeberprĂ€sidenten stammen die aktuellen gesetzlichen Grundlagen noch aus einer Ära, die durch Technologien wie Telex und WĂ€hlscheibe geprĂ€gt gewesen sei. Dulger argumentierte, dass eine Flexibilisierung der Arbeitszeit keine Gefahr fĂŒr die Gesundheit der BeschĂ€ftigten darstelle. Er verwies dabei auf europĂ€ische NachbarlĂ€nder wie Belgien oder Italien, in denen bereits wöchentliche Höchstarbeitszeiten gelten wĂŒrden, ohne dass die Arbeitnehmer dort vermehrt erkrankten.

Das derzeitige deutsche Arbeitszeitgesetz sieht eine maximale tÀgliche Arbeitszeit von 8 Stunden vor. Unter bestimmten Voraussetzungen kann diese auf bis zu 10 Stunden verlÀngert werden, sofern innerhalb von sechs Monaten ein entsprechender Ausgleich erfolgt. Die geltende EU-Richtlinie setzt hingegen einen weiteren Rahmen und begrenzt die wöchentliche Arbeitszeit auf maximal 48 Stunden.

Bundeskanzler Friedrich Merz griff die Debatte auf und stellte fĂŒr den Herbst einen entsprechenden Gesetzentwurf in Aussicht. Dieser solle von Arbeitsministerin Andrea Bas erarbeitet werden und Maßnahmen zur Arbeitszeitflexibilisierung enthalten. Ein bereits im Juli beschlossenes Reformpaket der Bundesregierung hatte dieses Thema zunĂ€chst ausgespart.

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Gewerkschaften warnen vor RĂŒckfall in das 19. Jahrhundert

Gegenwind fĂŒr die PlĂ€ne der Arbeitgeberseite kommt vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). DGB-Vize Daniel Körzell warnte eindringlich davor, den Acht-Stunden-Tag infrage zu stellen. Ein solcher Schritt komme einem Spiel mit dem Feuer gleich. Körzell befĂŒrchtet einen RĂŒckfall in ArbeitsverhĂ€ltnisse wie im 19. Jahrhundert. Insbesondere in Betrieben ohne Tarifbindung könnten die tĂ€glichen Arbeitszeiten seiner EinschĂ€tzung nach auf bis zu 13 Stunden ansteigen, sollte die tĂ€gliche Begrenzung fallen.

UnterstĂŒtzung fĂŒr eine Flexibilisierung signalisierte hingegen der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU). Er widersprach im Rahmen der Diskussion um die Arbeitsmoral in Deutschland dem Kanzler und betonte, dass die Arbeitnehmer keineswegs faul seien. Dennoch forderte auch er eine Abkehr vom starren Acht-Stunden-Tag hin zur Nutzung der EU-Obergrenze von 48 Wochenstunden. Zudem bezeichnete er die bestehende Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag als bĂŒrokratisch und kontraproduktiv.

VorschlÀge der Wirtschaft und statistische Einordnung

Der Verein AUB e.V. untermauerte die Forderungen nach einer Reform mit den sogenannten Hamburger Thesen. Darin wird ebenfalls die Umstellung auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit unter Einhaltung der EU-Grenze von 48 Stunden verlangt. Der Verein betonte jedoch, dass bestehende Schutzvorschriften wie die Ruhezeit von 11 Stunden sowie die geltenden Pausenregelungen beibehalten werden mĂŒssten. Ein zentraler Punkt der Forderung ist zudem, dass solche Flexibilisierungen fĂŒr alle Unternehmen zugĂ€nglich sein sollten und nicht nur ĂŒber Öffnungsklauseln fĂŒr tarifgebundene Betriebe geregelt werden dĂŒrften.

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Laut Daten fĂŒr das Jahr 2024 lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in Deutschland bei 34,8 Stunden. Dabei ergaben sich deutliche Unterschiede: WĂ€hrend VollzeitbeschĂ€ftigte auf etwa 40 Stunden kamen, arbeiteten TeilzeitkrĂ€fte durchschnittlich 22 Stunden. Bei MĂ€nnern lag der Durchschnittswert bei 39,9 Stunden, bei Frauen bei 32,3 Stunden.

Kritik an der aktuellen Situation kam auch von politischer Seite. Der Linken-Politiker Bodo Ramelow wies darauf hin, dass im Jahr 2024 insgesamt 1,2 Milliarden Überstunden geleistet wurden, wovon die HĂ€lfte unbezahlt geblieben sei. Aus der unternehmerischen Praxis berichtete die Unternehmerin Böhm zudem ĂŒber bĂŒrokratische HĂŒrden und finanzielle Nachteile bei Mehrarbeit. Eine Erhöhung der Arbeitszeit von 190 auf 210 Stunden fĂŒhre aufgrund der Steuer- und Abgabenlast oft zu einem geringeren Nettoverdienst und belaste die Betriebe zusĂ€tzlich durch hohen Verwaltungsaufwand.

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