Arbeitszeitgesetz: Dulger fordert Wechsel zu 48-Stunden-Woche
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 11:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger fordert eine grundlegende Reform des Arbeitszeitgesetzes. Er will die tĂ€gliche durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzen â und erntet heftigen Widerstand.
âGesetz aus der Telex-Ăraâ
Dulger bezeichnete das geltende Arbeitszeitgesetz Anfang August als veraltet und verglich es mit der Ăra von Telex-GerĂ€ten und WĂ€hlscheibentelefonen. Im Zentrum seiner Forderung steht der Ăbergang zu einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit, wie sie die EU-Richtlinie mit bis zu 48 Stunden vorsieht.
Bisher begrenzt das deutsche Recht die tÀgliche Arbeitszeit grundsÀtzlich auf acht Stunden. Eine Ausweitung auf zehn Stunden ist nur unter der Bedingung eines zeitnahen Ausgleichs innerhalb von sechs Monaten möglich.
Dulger verwies darauf, dass flexiblere Modelle in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern bereits erfolgreich praktiziert wĂŒrden. Die Krankheitsquoten in Belgien oder Italien seien niedriger als in Deutschland, so seine Argumentation. BefĂŒrchtungen ĂŒber gesundheitliche Folgen trat er entgegen: Bei einer tatsĂ€chlichen GefĂ€hrdung mĂŒssten Arbeitnehmer bereits jetzt in groĂem Umfang krankheitsbedingt ausfallen.
DGB warnt vor âSpiel mit dem Feuerâ
Die Gewerkschaften reagierten mit deutlicher Ablehnung. DGB-Vize Stefan Körzell erklĂ€rte, ein Eingriff in den Achtstundentag komme einem Spiel mit dem Feuer gleich. Er warnte vor einem RĂŒckfall in ArbeitsverhĂ€ltnisse des 19. Jahrhunderts.
Besonders brisant: In Unternehmen ohne Tarifbindung könnten bei einer Aufweichung der Regeln Arbeitstage von bis zu 13 Stunden drohen, so die EinschÀtzung des Gewerkschaftsbundes.
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Auch von politischer Seite gibt es Gegenwind. Linken-Chef Pantisano warf der Union vor, Kranke zur Arbeit schicken zu wollen. Ein Faktencheck des ZDF ordnete ein: Solche MaĂnahmen sind bisher nicht beschlossen â es handelt sich primĂ€r um Warnungen der Arbeitnehmervertreter.
Merz kĂŒndigt Gesetzentwurf an
Bundeskanzler Merz kĂŒndigte an, dass im Herbst mit einem entsprechenden Gesetzentwurf von Arbeitsministerin BĂ€rbel Bas zu rechnen sei. Die Reformbestrebungen sind eingebettet in eine breitere Diskussion ĂŒber Sozial- und Arbeitsmarktpolitik.
Die SPD-FĂŒhrung kritisierte weitere VorschlĂ€ge aus den Reihen der Union, die unter anderem eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und EinschrĂ€nkungen bei der Teilzeit vorsehen. Auch die mögliche Streichung von Versicherungsleistungen bei WegeunfĂ€llen oder fĂŒr Zahnersatz wird kontrovers diskutiert.
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Parallel gibt es Bewegungen in anderen Wirtschaftsbereichen: Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) begrĂŒĂte die Aufhebung von Lkw-Fahrverboten an Sonn- und Feiertagen in mehreren BundeslĂ€ndern wie Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die MaĂnahme wurde aufgrund von NiedrigwasserstĂ€nden ergriffen, stieĂ jedoch bei UmweltverbĂ€nden wie dem BUND auf Kritik â sie sehen darin lediglich eine Reaktion auf Symptome der Klimakrise.
Umbruch in der Arbeitswelt
Die Diskussion um die Arbeitszeit findet vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden Wandels statt. Laut Daten des ifo Instituts könnten durch den Umbau leerstehender BĂŒroflĂ€chen etwa 60.000 neue Wohnungen entstehen â die Rede ist von rund 11 Millionen Quadratmetern Leerstand.
WĂ€hrend die Linkspartei zudem die Höhe der RĂŒstungsausgaben kritisiert, die im Jahr 2027 voraussichtlich 109,7 Milliarden Euro des Gesamthaushalts von 554,4 Milliarden Euro ausmachen werden, konzentriert sich die aktuelle Reformdebatte primĂ€r auf eine Frage: Wie lĂ€sst sich die WettbewerbsfĂ€higkeit der deutschen Wirtschaft durch flexiblere Einsatzzeiten sichern â ohne die BeschĂ€ftigten zu ĂŒberlasten?
