Arbeitszeitgesetz: Gewerkschaften warnen vor 13-Stunden-Tagen
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gewerkschaften laufen Sturm gegen die geplante Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes. DGB-Vorständin Anja Piel kritisierte am Montag die Pläne zur Einführung einer wöchentlichen statt täglichen Höchstarbeitszeit scharf. Eine solche Umstellung könnte faktisch die gesetzliche Grundlage für 13-stündige Arbeitstage schaffen, warnte sie.
Arbeitgeber drängen auf Reform
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hatte bereits am Sonntag Reformen angemahnt und das geltende Recht als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet. Er forderte, die Spielräume der EU-Arbeitszeitrichtlinie voll auszuschöpfen. Dulger verwies auf Belgien und Italien, wo flexiblere Modelle ohne höhere Krankheitsquoten funktionierten.
Die Gewerkschaften sehen das völlig anders. DGB-Vize Stefan Körzell warnte ebenfalls am Sonntag vor einem „massiven Rückschritt“ in der Arbeitswelt. Ihre Forderung: Jede Flexibilisierung muss zwingend an Tarifverträge gekoppelt sein, um die rund 43 Millionen Beschäftigten zu schützen.
Unfallrisiko steigt drastisch
Die Gegner der Reform führen ein gewichtiges Argument ins Feld: Laut Gewerkschaftsangaben steigt das Unfallrisiko ab zwölf Stunden Arbeitszeit exponentiell um etwa 80 Prozent. Der aktuelle gesetzliche Rahmen erlaubt in der Regel acht Stunden täglich, unter Bedingungen mit Zeitausgleich bis zu zehn Stunden. Die EU-Richtlinie setzt die Obergrenze bei 48 Wochenstunden.
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Unterstützung für die Arbeitgeber kommt aus der Gastwelt: Eine Denkfabrik der Branche legte am Samstag ein Forderungspapier vor, das neben steuerlichen Entlastungen und Mitarbeiterwohnraum auch strukturelle Anpassungen verlangt.
Gesetzentwurf noch im Herbst?
Aus den jüngsten Wirtschaftspaketen der Politik wurde das Thema vorerst ausgeklammert. Doch Unionspolitiker Friedrich Merz kündigte am Sonntag an, noch im kommenden Herbst mit einem Gesetzentwurf aus dem parlamentischen Raum zu rechnen.
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Die Fronten sind damit klar: Hier die Arbeitgeber, die auf mehr Flexibilität für Wettbewerbsfähigkeit setzen. Dort die Gewerkschaften, die den Acht-Stunden-Tag als Pfeiler des Gesundheitsschutzes verteidigen. Ob sich die wöchentliche Höchstarbeitszeit durchsetzt, dürfte zu den spannendsten arbeitspolitischen Fragen des Jahres gehören.
