Arbeitszeitgesetz, Regeln

Arbeitszeitgesetz: Neue Regeln fĂŒr Millionen BeschĂ€ftigte ab Juli

17.06.2026 - 02:48:59 | boerse-global.de

Bundesregierung plant Lockerung der tĂ€glichen Arbeitszeit bei EinfĂŒhrung einer verpflichtenden digitalen Zeiterfassung.

Arbeitszeitreform: TÀgliche Höchstarbeitszeit steigt auf 13 Stunden
Arbeitszeitgesetz - Nahaufnahme einer digitalen Zeiterfassungsuhr oder eines Tablets, das Arbeitszeiten anzeigt, mit verschwommenen BĂŒromitarbeitern im Hintergrund. 17.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

SPD-FraktionsgeschĂ€ftsfĂŒhrer Dirk Wiese erwartet eine baldige Einigung mit der Union. Kern der Verhandlungen: Die Umstellung von einer tĂ€glichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit – kombiniert mit einer verpflichtenden digitalen Zeiterfassung.

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Flexiblere Arbeitszeiten, hÀrtere Dokumentation

Der aktuelle Gesetzesentwurf sieht deutliche Lockerungen vor. Statt der bisherigen tĂ€glichen Höchstarbeitszeit von acht Stunden (maximal zehn in AusnahmefĂ€llen) sollen kĂŒnftig bis zu 13 Stunden pro Tag möglich sein. Die Wochenarbeitszeit wird dagegen von 48 auf maximal 40 Stunden gesenkt.

Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas will den Entwurf noch im Juni 2026 vorlegen. Eine abschließende Beratung im Koalitionsausschuss ist fĂŒr den 1. Juli geplant.

Die digitale Zeiterfassung wird Pflicht. Ziel: unbezahlte Überstunden verhindern und Transparenz schaffen. Damit reagiert die Regierung auf EuGH-Entscheidungen von 2019 und ein BAG-Urteil von 2022.

Gewerkschaften warnen vor Gesundheitsrisiken

Die PlĂ€ne spalten die politischen Lager. Unions-Fraktionsvize GĂŒnter Krings drĂ€ngt auf eine schnelle Umsetzung – die Wirtschaft brauche mehr FlexibilitĂ€t. Die Linke lehnt das Vorhaben komplett ab.

Besonders heftig fÀllt die Kritik der Arbeitnehmervertreter aus. Der Marburger Bund warnt vor den gesundheitlichen Folgen lÀngerer Arbeitstage. Die Umstellung gefÀhrde die Patientensicherheit, denn KlinikÀrzte arbeiten bereits jetzt im Schnitt 55 Stunden pro Woche.

Eine WSI-Studie untermauert die Skepsis: Drei Viertel der BeschĂ€ftigten befĂŒrchten negative Auswirkungen auf ihre Work-Life-Balance. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen zudem: Nach der achten Arbeitsstunde steigt das Unfallrisiko signifikant.

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Ökonomen mahnen zur Sachlichkeit

DIW-PrĂ€sident Marcel Fratzscher fordert eine sachliche Debatte. Mehr FlexibilitĂ€t sei punktuell sinnvoll, aber kein Allheilmittel fĂŒr strukturelle Probleme. Entscheidend sei die Steigerung der ProduktivitĂ€t.

BranchenverbĂ€nde wie der DEHOGA drĂ€ngen seit Februar 2026 auf eine Abkehr vom starren Acht-Stunden-Korsett. In der Gastronomie arbeiten ĂŒber die HĂ€lfte der BeschĂ€ftigten in den Abendstunden, rund 70 Prozent am Wochenende.

Pilotprojekte auf LĂ€nderebene

WĂ€hrend der Bund noch verhandelt, gehen die LĂ€nder voran. Bremen startet im August 2026 ein Pilotprojekt an neun Schulen. Bis Juli 2027 soll dort die Arbeitszeit von LehrkrĂ€ften digital erfasst werden. Ziel: eine bessere Übersicht ĂŒber die reale Belastungsverteilung.

Auch das Handwerk bereitet sich vor. Die Handwerkskammer Mannheim bietet Anfang Juli 2026 Informationsveranstaltungen zur digitalen Zeiterfassung an.

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