Arbeitszeitstreit, SPD

Arbeitszeitstreit: SPD warnt vor Wochen mit bis zu 78 Stunden

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Union und SPD streiten über flexiblere Arbeitszeiten; Gewerkschaften und SPD-Gruppen warnen vor gesundheitlichen Folgen.
Moderne, industrielle Architektur einer Bioraffinerie bei Tagesanbruch mit geometrischen Stahlkonstruktionen. Illustration mit AI erstellt.

Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thorsten Frei, fordert die Abschaffung des Acht-Stunden-Tages. Frei verwies darauf, dass der Koalitionsvertrag eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit im Einklang mit der EU-Arbeitszeitrichtlinie vorsehe.

Zwischen den Koalitionspartnern CDU/CSU und SPD schwelt am 18. Oktober 2026 ein intensiver Streit über die Ausgestaltung der geplanten Reform des Arbeitszeitgesetzes.

Vorstoß der Union und Rückendeckung der Arbeitgeber

Bundeskanzler Friedrich Merz drängt ebenfalls auf eine schnellere Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Als mögliches Modell nannte Merz Zwölf-Stunden-Schichten an drei Arbeitstagen pro Woche.

Nach einem Besuch der UPM-Bioraffinerie Leuna erklärte der Kanzler, dass es keine Ausbeutung darstelle, mehr als acht Stunden zu arbeiten. Der Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2025 sieht vor, die bisherige tägliche Höchstarbeitszeit zugunsten einer wöchentlichen Obergrenze nach Vorgaben der Europäischen Union umzugestalten.

Unterstützung erhält der Kurs von Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger, der ebenfalls auf die EU-Arbeitszeitrichtlinie mit einer Begrenzung auf maximal 48 Stunden wöchentlich verweist. Frei äußerte sich neben der Arbeitszeitdebatte auch zu finanzpolitischen Vorhaben skeptisch.

Den Entwurf einer Plastiksteuer von Carsten Schneider und Lars Klingbeil bezeichnete er wegen eines enormen bürokratischen Aufwands und eines unausgewogenen Kosten-Nutzen-Verhältnisses als verfehlt und zeigte sich zugleich enttäuscht über den Umfang der von Klingbeil geplanten Einkommensteuerreform.

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SPD-Basis und Gewerkschaften warnen vor Risiken

In der SPD formiert sich deutlicher Widerstand gegen eine einseitige Deregulierung. Die Sozialdemokraten verlangen, dass Abweichungen und Änderungen der Arbeitszeit künftig nur einvernehmlich zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten vereinbart werden dürfen. Dies gilt als wesentlicher Streitpunkt im Gesetzgebungsverfahren mit der Union.

Gruppierungen der SPD-Basis, darunter die Jusos, die Arbeitsgemeinschaft 60plus und die SPD-Frauen, legten Anfang Oktober 2026 ein sieben Seiten umfassendes Grundsatzpapier mit dem Titel Selbstbestimmt statt dereguliert beziehungsweise Selbstdetermination statt Deregulierung vor.

Darin pochen sie darauf, flexiblere Wochenarbeitszeitgrenzen ausschließlich in Betrieben mit Tarifverträgen zuzulassen. Zudem fordern unter anderem die Jusos eine lückenlose elektronische Erfassung der Arbeitszeit.

Vor gesundheitlichen Folgen warnt die Gewerkschaft ver.di, die durch eine Aufweichung der Schutzvorschriften erhebliche Risiken für die Beschäftigten sieht.

Modellrechnungen der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) verdeutlichen die Befürchtungen der Kritiker: Würden ausschließlich die Mindeststandards der EU-Richtlinie angewandt – elf Stunden Ruhezeit und maximal 48 Wochenstunden im Schnitt von vier Monaten –, wären vorübergehend bis zu sechs Arbeitstage zu je 13 Stunden und damit Arbeitswochen von bis zu 78 Stunden möglich.

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Derzeitige Rechtslage und Ausnahmebereiche

Nach geltendem Recht liegt die gesetzliche Regelarbeitszeit in Deutschland bei acht Stunden pro Tag. Eine Verlängerung auf bis zu zehn Stunden ist erlaubt, sofern die Mehrarbeit innerhalb eines festgelegten Zeitraums ausgeglichen wird.

Zudem schreibt das Arbeitszeitgesetz eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden zwischen zwei Schichten vor. Ausnahmen mit Schichtdauern von bis zu zwölf Stunden existieren bereits heute für ausgewählte Branchen, darunter Not- und Sicherheitsdienste, das Gesundheitswesen sowie Betriebe der chemischen Industrie, Raffinerien und Kraftwerke.

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