EuropÀer ringen um diplomatische Lösung
20.06.2025 - 14:04:18Ziel waren zuletzt iranische Raketensysteme an, wie das israelische MilitĂ€r mitteilte. Unterdessen bemĂŒhen sich Deutschland, Frankreich und GroĂbritannien um eine Verhandlungslösung. BundesauĂenminister Johann Wadephul trifft heute gemeinsam mit seinen Kollegen aus Frankreich und GroĂbritannien mit dem iranischen Chefdiplomaten Abbas Araghtschi in Genf zu GesprĂ€chen zusammen.
Iran sei nun am Zug, mahnte Wadephul vor dem Treffen. Araghtschi forderte hingegen ein Ende der israelischen Angriffe als Voraussetzung fĂŒr Verhandlungen.
US-PrĂ€sident Donald Trump hatte seine Sprecherin Karoline Leavitt erklĂ€ren lassen, er wolle innerhalb der nĂ€chsten zwei Wochen darĂŒber entscheiden, ob die USA als wichtigster VerbĂŒndeter Israels in den Krieg gegen den Iran eingreifen werden.
Macron: MilitĂ€rische Lösung nicht zielfĂŒhrend
Der britische AuĂenminister David Lammy, der kurz vor dem Treffen in Genf mit US-AuĂenminister Marco Rubio in Washington zusammentraf, sieht das von Trump genannte Zeitfenster als Chance fĂŒr eine diplomatische Lösung und warnte vor einer weiteren Eskalation des Konflikts. Es sei jetzt an der Zeit, den dramatischen Szenen ein Ende zu setzen, sagte Lammy.
Auch Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron mahnte eine Verhandlungslösung an. "Der iranische Nuklearbereich ist eine Bedrohung und in der Sache darf es keine laxe Haltung geben", sagte Macron in Paris. Er ergĂ€nzte aber: "Niemand kann ernsthaft glauben, dass man auf diese Bedrohung mit den laufenden Operationen antwortet." Es gebe sehr gut geschĂŒtzte Werke im Iran und niemand könne derzeit genau sagen, wo sich das auf 60 Prozent angereicherte Uran befinde.
Katz will umfassende Evakuierung Teherans
Nach einem baldigen Ende des Konflikts sah es zunĂ€chst nicht aus. Israels Verteidigungsminister Israel Katz wies die Armee an, ihre Angriffe auszuweiten und dabei verstĂ€rkt Ziele der Regierung in Teheran ins Visier zu nehmen. Auf diese Weise solle das "Regime" destabilisiert werden, sagte Katz. Staatliche Symbole sollten angegriffen und eine umfassende Evakuierung der Bevölkerung Teherans herbeigefĂŒhrt werden.
Das UN-FlĂŒchtlingshilfswerk (UNHCR) bereitet sich auf gröĂere FlĂŒchtlingsgruppen aus dem Iran vor. "Wir erstellen KrisenplĂ€ne", sagte UNHCR-Chef Filippo Grandi der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben sie noch nicht veröffentlicht, weil wir nicht genĂŒgend Informationen haben und weil wir die Entwicklung abwarten. Aber wir planen auf jeden Fall." Es gebe bereits unbestĂ€tigte Berichte ĂŒber Ankömmlinge aus dem Iran in Armenien, Aserbaidschan und Turkmenistan, sagte Grandi.
Israel euphorisch ĂŒber eigene militĂ€rische StĂ€rke
Bei den Angriffen am Freitag wurden nach israelischen Angaben Raketensysteme in den Gebieten von Teheran und Isfahan zerstört. Mit den Angriffen plane die Luftwaffe, ihre Handlungsfreiheit im iranischen Luftraum auszuweiten, teilte das MilitÀr mit.
Angesichts der eigenen militĂ€rischen StĂ€rke herrscht nach Ansicht des Nahost-Experten Simon Fuchs in Israel geradezu Euphorie. Daher sei das Land derzeit eigentlich grundsĂ€tzlich nicht an einem Abkommen interessiert, sagte der Professor fĂŒr Islamwissenschaft an der HebrĂ€ischen UniversitĂ€t in Jerusalem. "Man will jetzt nicht davon ablassen, den Iran jeglicher militĂ€rischer Macht und auch jeglicher nuklearer FĂ€higkeiten zu berauben", sagte Fuchs im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur.
Falls es hier nicht zu einem grundlegenden Umdenken komme, seien die europĂ€isch gefĂŒhrten GesprĂ€che eigentlich zum Scheitern verurteilt, sagte Fuchs weiter.
Teheran mĂŒsste auf Urananreicherung verzichten
Eine echte Chance fĂŒr den VorstoĂ der EuropĂ€er sieht Fuchs, falls der Iran zum Verzicht auf jegliche Urananreicherung - auch zu zivilen Zwecken - bewegt werden könnte. Das lehnt die Regierung in Teheran bislang strikt ab.
Ein Einlenken Teherans ohne vollkommenen Gesichtsverlust wĂ€re nach Ansicht des Experten aber denkbar. Die politische und religiöse FĂŒhrung könnte auf die noch bestehende Schlagkraft ihrer Raketenmacht verweisen, samt der aus iranischer Sicht erfolgreichen EinschlĂ€ge im israelischen Kernland, sagt Fuchs. Auch der bevorstehende islamische Trauermonat Muharram biete eine Möglichkeit, ein Ăberschreiten von vermeintlich roten Linien ideologisch zu rechtfertigen. "Im iranisch-schiitischen VerstĂ€ndnis geht es dabei um ĂŒbermĂ€chtigen Feinde und das Böse in der Welt", sagt Fuchs.
Spielt Teheran auf Zeit?
In Teheran kam es nach dem Freitagsgebet zu einer Kundgebung von RegierungsanhÀngern. Der Sicherheitsexperte Riad Kahwaji von dem in Dubai ansÀssigen Institute for Near East and Gulf Military Analysis (Inegma) geht davon aus, dass der Iran derzeit auf Zeit spielt.
Teheran rationiere seine Raketen und versuche die Moral im eigenen Land mit Propaganda aufrechtzuerhalten. Eine US-Intervention mit einem gezielten Schlag auf die Urananreicherungsanlage in Fordo könne daher verhindern, dass es zu einem langgezogenen Konflikt komme. Es sei aber unklar, ob das zu einer Kapitulation Teherans oder sogar einem Kollaps der Regierung fĂŒhren werde, sagte er im dpa-GesprĂ€ch.

