Audi-Werk Georgia, Carsten Schneider

Audi plant 4.500 Jobs in Georgia – Schneider kritisiert Werk

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 01:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bundesumweltminister Carsten Schneider hält Audis geplante US-Produktion für einen strategischen Fehler. Der Konzern steht zugleich wegen des gemeinsamen Auftritts von Audi-Chef Gernot Döllner und Donald Trump sowie wegen seiner Geschäftslage unter Druck.

Audi unter Druck vor den US-Zwischenwahlen

  • Bundesumweltminister Carsten Schneider kritisierte Audis geplantes Werk in Georgia grundsätzlich.
  • Audi-Chef Gernot Döllner kĂĽndigte den Bau zusammen mit Donald Trump auf einer WahlkampfbĂĽhne an.
  • Eine YouGov-Umfrage ermittelte 39 Prozent mit einer vollständig und 18 Prozent mit einer eher ablehnenden Bewertung.
  • Audi-Chef Gernot Döllner steht fĂĽr seinen Auftritt mit US-Präsident Trump in der Kritik. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa
  • Donald Trump lud Döllner auf die BĂĽhne ein - viele Menschen sehen es kritisch, dass er annahm. (Archivbild) - Bild: Mark Schiefelbein/AP/dpa
Audi-Chef Gernot Döllner steht für seinen Auftritt mit US-Präsident Trump in der Kritik. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa Donald Trump lud Döllner auf die Bühne ein - viele Menschen sehen es kritisch, dass er annahm. (Archivbild) - Bild: Mark Schiefelbein/AP/dpa

Schneider kritisiert Audis US-Pläne

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat die Planung eines neuen Audi-Werks in den USA scharf kritisiert. Der Konzern will im Bundesstaat Georgia rund 4.500 Arbeitsplätze schaffen und dort große SUVs für den US-Markt bauen.

Minister warnt vor fossiler Ausrichtung

„Während sich weite Teile der Welt aufmachen hin zur technisch überlegenen Elektromobilität, wettet Audi auf fossile Energien und damit auf ein totes Pferd“, sagte Schneider dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Er äußerte zudem Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der Entscheidung.

Audi-Chef Gernot Döllner hatte am Wochenende gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump auf einer Wahlkampfbühne den Bau des Werks in Georgia angekündigt. In den Vereinigten Staaten soll unter anderem der besonders große, auf den dortigen Markt zugeschnittene Q9 gebaut werden.

Kritik an Döllners Trump-Auftritt

Der Auftritt löste Kritik von verschiedenen Seiten aus. Sogar Döllners Rücktritt wurde gefordert. Audi verfügt eigentlich über interne Richtlinien, die Auftritte im Wahlkampf kurz vor Wahlen untersagen.

In den USA stehen am 3. November die Zwischenwahlen an. Der gemeinsame BĂĽhnenauftritt fiel damit in eine politisch besonders sensible Phase.

Mehrheit bewertet Auftritt kritisch

Eine repräsentative YouGov-Umfrage zeigt eine überwiegend ablehnende Haltung in Deutschland. 39 Prozent der Befragten fanden es „überhaupt nicht angemessen“, dass Döllner den Bau des Werks kurz vor den US-Zwischenwahlen angekündigt hatte; weitere 18 Prozent bewerteten dies als „eher nicht angemessen“.

Dem standen 7 Prozent gegenüber, die den Auftritt „voll und ganz angemessen“ fanden, sowie 11 Prozent mit der Einschätzung „eher angemessen“.

Audi kämpft mit sinkenden Ergebnissen

Audi steht wirtschaftlich unter Druck. Absätze und Erträge gehen seit Jahren zurück, der Hersteller hat bereits Stellen abgebaut; weiterer Jobabbau steht im Raum.

Anders als BMW und Mercedes verfügt Audi bislang über kein eigenes Werk in den USA. Die US-Zölle treffen den Konzern deshalb besonders stark. Im dritten Quartal gingen die Verkäufe von Audi sowohl in China als auch in den USA zurück.

Wie sich diese Entwicklung auf Gewinn und Umsatz ausgewirkt hat, war zunächst noch nicht bekannt. Audi wollte die Zahlen am Freitag veröffentlichen.

Audis geplantes US-Werk steht für den Versuch, die Produktion näher an einen wichtigen Absatzmarkt zu verlagern und zugleich Risiken aus der US-Handelspolitik zu begrenzen. Der Konzern verkauft bislang Fahrzeuge in den Vereinigten Staaten, ohne dort über ein eigenes Werk zu verfügen. Lokale Fertigung könnte deshalb Importzölle und Wechselkursrisiken verringern.

Die Entscheidung fällt in eine schwierige Lage. Audi kämpft mit rückläufigen Absätzen und Erträgen, während in Deutschland Stellenabbau und die Auslastung einzelner Standorte die Debatte bestimmen. Ein US-Werk schafft zusätzliche Kapazitäten, ersetzt aber keine wettbewerbsfähigen Produkte und löst auch die strukturellen Probleme des Konzerns in Europa nicht.

Standort Georgia unter Druck

Für Georgia wäre die Investition ein bedeutendes Industrieprojekt. Zugleich muss Audi dort eine neue Belegschaft aufbauen und qualifizierte Fachkräfte gewinnen. In der Region konkurrieren bereits andere Arbeitgeber um Techniker, Elektronikspezialisten und Beschäftigte für automatisierte Produktionsanlagen. Ausbildungsprogramme können diesen Engpass abfedern, aber erst über längere Zeit.

Die politische Dimension verschärft die Auseinandersetzung. Döllners Auftritt mit Trump vor den US-Zwischenwahlen kollidiert nach der dpa-Meldung mit internen Audi-Regeln für Wahlkampfauftritte und wird in Deutschland mehrheitlich kritisch bewertet. Für Audi geht es damit nicht nur um eine Investitionsentscheidung, sondern auch um die öffentliche Wahrnehmung seiner politischen Neutralität und um das Vertrauen der Beschäftigten.

Offene Fragen fĂĽr Audi

Entscheidend werden die endgültige Genehmigung, die langfristige Profitabilität und die Nachfrage nach großen SUVs sein. Die angekündigten Arbeitsplätze sind für Georgia ein konkreter Vorteil; für die deutschen Standorte bleibt dagegen offen, wie sich die neue Produktion auf die internationale Aufgabenverteilung auswirkt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Audis 4-Milliarden-Werk in den USA – warum Georgia zur teuren Falle werden könnte“ (27.10.2026)

Der Beitrag ordne die geplanten 4.500 Arbeitsplätze und die Investition von rund vier Milliarden US-Dollar als wirtschaftliche Chance mit erheblichen Personalrisiken ein. Im Mittelpunkt stünden Fachkräftemangel, mögliche Kostensteigerungen und die Frage, ob das Werk auch bei veränderten Zöllen langfristig profitabel wäre.

ZDFheute: „Audi-Chef bei Trump: Warum die Kritik am Auftritt wächst“ (26.10.2026)

Der Artikel habe den politischen Auftritt, die möglichen Folgen für deutsche Standorte und die Rolle der US-Zölle untersucht. Anders als der Beitrag der Frankfurter Rundschau habe er zusätzlich die offenen Genehmigungen und die Kritik von Arbeitnehmervertretungen in den Mittelpunkt gestellt.

Beide Beiträge hätten die geplante US-Produktion und die Größenordnung des Vorhabens bestätigt. Unterschiede gebe es beim Schwerpunkt: Während die Frankfurter Rundschau vor allem wirtschaftliche Umsetzungsrisiken beleuchte, konzentriere sich ZDFheute stärker auf politische Folgen, deutsche Arbeitsplätze und die noch ausstehenden Konzernentscheidungen.

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