ROUNDUP, Nato-Ukraine-Rat

Nato-Ukraine-Rat kommt zusammen

28.08.2024 - 07:20:00

Auf Bitten Kiews hat Nato-GeneralsekretÀr Jens Stoltenberg eine Sitzung des Nato-Ukraine-Rats einberufen.

Bei dem Treffen heute wird es nach Angaben von BĂŒndnissprecherin Farah Dakhlallah um die Lage auf dem Schlachtfeld und die wichtigsten militĂ€rischen BedĂŒrfnisse des von Russland angegriffenen Landes gehen. Der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umerow soll per Videokonferenz zugeschaltet werden.

Als Hintergrund des Treffens nannte die Nato-Sprecherin die jĂŒngsten schweren Angriffswellen Russlands auf ukrainische Infrastruktur und Zivilisten. Der Nato-Ukraine-Rat war zum ersten Mal im vergangenen Jahr beim Nato-Gipfel in Litauen auf Ebene der Staats- und Regierungschefs zusammengekommen. Das neue Gremium wurde fĂŒr den Austausch in Krisensituationen geschaffen.

Russland hat die Ukraine in den vergangenen NĂ€chten mit schweren Luftangriffen ĂŒberzogen. Dabei wurden nach ersten Überblicken der ukrainischen Behörden mindestens vier Menschen getötet - zwei Menschen durch einen Raketentreffer auf ein Hotel in Krywyj Rih und zwei weitere durch Drohnenangriffe auf Saporischschja. Auch in der Nacht zum Mittwoch gab es in vielen Regionen der Ukraine Luftalarm, vor allem im Osten des Landes und auf der von Moskau annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim.

Der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj schrieb auf X: "Wir werden unzweifelhaft Russland auf diese und alle anderen Attacken antworten."

Berichte: BrĂ€nde in russischen Öldepots

In der Nacht kam es im russischen Gebiet Rostow nach Explosionen zu mehreren BrĂ€nden in Öllagern, wie russische und ukrainische Medien berichteten. Der Gouverneur des an die Ukraine grenzenden Gebiets, Wassili Golubew, berichtete auf seinem Telegram-Kanal, es seien vier feindliche Drohnen abgeschossen worden. Es gebe keine Verletzten. Zu möglichen SchĂ€den Ă€ußerte er sich zunĂ€chst nicht. Die Angaben ließen sich nicht unabhĂ€ngig prĂŒfen.

Weiter schwere KĂ€mpfe in der Ostukraine

Russische Truppen setzten unterdessen ihre Sturmangriffe rund um den Donbass in der Ostukraine fort. Bei Torezk tobten schwere KĂ€mpfe in der Umgebung der Siedlung Nju Jork (New York), wie der Generalstab in Kiew in seinem Lagebericht mitteilte. Neun Angriffe seien abgeschlagen worden. Bei Pokrowsk wurden 25 russische Angriffe registriert. Auch diese Attacken seien abgewehrt worden, hieß es. Die Angaben konnten nicht unabhĂ€ngig geprĂŒft werden.

Die Lage dort sei "bei Weitem nicht einfach", sagte Selenskyj. "Sie sind 100.000, wir sind 100.000", beschrieb er die KrĂ€fteverhĂ€ltnisse. Den russischen Soldaten bleibe keine Wahl, als weiter anzugreifen. "Denn wenn sie sich zurĂŒckziehen, werden sie erschossen, von der russischen Armee."

Auch bei Tschassiw Jar dauerte der blutige Schlagabtausch russischer Angreifer und ukrainischer Verteidiger an. "FrĂŒher erlebten wir tĂ€glich zwischen 10 und 20 Angriffe russischer Sturmtruppen", sagte Oleh Kalaschnikow, Pressesprecher der dort eingesetzten ukrainischen Brigade. "Jetzt ist es etwas weniger geworden, aber die IntensitĂ€t hat sich gesteigert." Tschassiw Jar sei inzwischen ein einziger TrĂŒmmerhaufen.

Der frĂŒhere Kommandeur der US-Truppen in Europa, General Ben Hodges, sah in dem langsamen VorrĂŒcken der russischen Truppen von Awdijiwka nach Pokrowsk keine besondere Gefahr fĂŒr die Ukraine. Russland habe das 50 Kilometer entfernte Awdijiwka im Februar eingenommen und sei erst jetzt, knapp sechs Monate spĂ€ter, in die NĂ€he von Pokrowsk gekommen. "Und das bei fast 1.000 Toten pro Tag", sagte Hodges der ukrainischen Agentur RBK. "Das sind nicht gerade die schnellen SchlĂ€ge von Marschall Schukow." Georgi Schukow hatte im Zweiten Weltkrieg die Rote Armee zu Erfolgen in den Schlachten um Moskau, Stalingrad und Berlin gefĂŒhrt.

Der russische Generalstab sei sicherlich entschlossen, sich auf seine Offensive in Richtung Pokrowsk und Torezk zu konzentrieren. "Sie könnten das tun, was ihre GroßvĂ€ter vor 80 Jahren taten, nĂ€mlich einige DurchbrĂŒche in anderen Teilen der Front zulassen und darauf warten, spĂ€ter zuzuschlagen", sagte Hodges. "Aber ich glaube nicht, dass sie die Kompetenz oder die Mittel ihrer GroßvĂ€ter haben, und viele der besten sowjetischen Soldaten waren natĂŒrlich Ukrainer."

Medwedew: MĂŒssen neue Gebiete Russlands schĂŒtzen

Russlands Ex-PrĂ€sident Dmitri Medwedew zufolge muss die russische Armee die von ihr eroberten und inzwischen von Moskau annektierten Gebiete der Ukraine schĂŒtzen. "Wir haben alle Möglichkeiten, diese Ziele zu erreichen", sagte der Vize-Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrats. Mit den "neuen Regionen der Russischen Föderation" meinte er die Regionen Cherson, Saporischschja, Donezk und Luhansk. Russland hat diese vier Regionen sowie die Halbinsel Krim inzwischen annektiert und betrachtet sie als Staatsgebiet.

Die meisten Ziele der Spezialoperation, wie Moskau den Angriffskrieg gegen die Ukraine offiziell nennt, seien erreicht. "Und jetzt gibt es etwas andere Ziele, die auch reale Konsequenzen vor Ort haben", betonte Medwedew bei einer Parteiveranstaltung in Moskau. "Wir haben vier neue Subjekte der Föderation, das ist gut fĂŒr unser Land, denn es ist unser Land." Doch diese Regionen mĂŒssten verteidigt werden. Unklar war, ob Medwedew damit weitere Gebietseroberungen andeutete, um eventuell Pufferzonen rund um die annektierten Gebiete zu errichten.

@ dpa.de