Ausbildung 2026: Azubis verdienen 724 Euro, Betriebe finden keine Bewerber
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zum Ausbildungsstart im Spätsommer 2026 bekommen Azubis mehr Geld – doch viele Unternehmen finden keine Bewerber. Der DGB informierte am 28. Juli über die neuen Standards, während die DIHK zeitgleich ihre aktuelle Ausbildungsumfrage vorlegte. Die Lage ist paradox: Nachfrage hoch, Angebot sinkt.
Mehr Geld für Azubis – aber auch mehr Rechte
Die Mindestausbildungsvergütung steigt im ersten Lehrjahr auf 724 Euro monatlich. Zum Vergleich: 2025 lag der Wert bei 682 Euro. Das ist ein Plus von gut sechs Prozent.
Der DGB betont: Vor Arbeitsbeginn muss ein schriftlicher Ausbildungsvertrag vorliegen. Die Probezeit dauert mindestens einen, maximal vier Monate. In dieser Phase können beide Seiten fristlos kündigen – ohne Angabe von Gründen.
Ein wichtiger Punkt: Ausbildungsfremde Tätigkeiten sind tabu. Laut § 102 Berufsbildungsgesetz (BBiG) ist das eine Ordnungswidrigkeit. Dazu zählen Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen oder die Kräfte der Azubis übersteigen. Überstunden sind grundsätzlich nicht vorgesehen. Fallen sie doch an, müssen sie vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen werden. Zudem haben Azubis Anspruch auf mindestens zwei Wochen zusammenhängenden Urlaub.
Finanzielle Hilfen: BAB, Kindergeld und Co.
Um die Lebenshaltungskosten zu decken, gibt es verschiedene Fördermöglichkeiten. Die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) ist eine Option, ebenso das Kindergeld bis zum 25. Lebensjahr. Unter bestimmten Voraussetzungen kommen Wohngeld und ein Mobilitätszuschuss hinzu. Bei rechtlichen Fragen bietet der DGB kostenlose Beratung über eine Online-Plattform.
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Betriebe in der Klemme: Weniger Plätze, mehr offene Stellen
Die DIHK-Umfrage zeigt eine paradoxe Situation: 29 Prozent der Betriebe reduzieren ihr Ausbildungsangebot. Nur 13 Prozent planen eine Ausweitung. Besonders Firmen mit negativen Geschäftserwartungen schränken ein.
Rund 49 Prozent der befragten Betriebe können nicht alle angebotenen Stellen besetzen. Woran liegt das? Die Passgenauigkeit der Bewerber stimmt nicht. 50 Prozent der Unternehmen beobachten Schwächen im Arbeits- und Sozialverhalten, 40 Prozent klagen über Defizite in Mathe und Deutsch. Und: Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum wird zum Rekrutierungshindernis.
„Die Ausbildung hat für die Betriebe trotz der schwierigen Rahmenbedingungen weiterhin hohe Priorität“, sagt DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov.
Regionale Unterschiede: Schleswig-Holstein spürt G9
Regional zeigen sich spezifische Herausforderungen. In Schleswig-Holstein wurden bis Ende Juli rund 10.500 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – ein Rückgang von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Neben dem demografischen Wandel ist die Umstellung von G8 auf G9 ein Grund. Dadurch stehen in diesem Jahr etwa 5.500 Abiturienten weniger für den Arbeitsmarkt zur Verfügung.
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Handwerk kämpft mit hohen Abbruchquoten
Besonders im Handwerk bleiben die Abbruchquoten ein kritisches Thema. 36,7 Prozent der Ausbildungsverträge werden hier vorzeitig gelöst. Experten empfehlen ein strukturiertes Onboarding, das bereits vor dem ersten Arbeitstag beginnt und eine intensive Betreuung in den ersten Monaten vorsieht.
Neuerungen bei Arbeitssicherheit und Hitzeschutz
Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) überarbeitet die Vorschriften für die Prüfung elektrischer Anlagen. Ziel: praxisnähere und risikoorientiertere Prüfpflichten. Jährlich gibt es etwa 2.500 Stromunfälle am Arbeitsplatz – diese Zahl soll weiter sinken.
Gewerkschaftsvertreter fordern zudem eine nationale Hitzeschutz-Strategie. Hohe Temperaturen beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit und erhöhen die gesundheitliche Belastung. Zur Betrebte steht ein Hitze-Ausfallgeld, um Betriebe und Arbeitnehmer in extremen Wetterphasen zu entlasten.
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