Ausbildungsmarkt: 29% der Betriebe reduzieren Platzangebote
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 16:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die wirtschaftliche Eintrübung in Deutschland hinterlässt deutliche Spuren auf dem betrieblichen Ausbildungsmarkt. Einer aktuellen Erhebung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zufolge, für die bundesweit rund 14.000 Unternehmen befragt wurden, ist die Bereitschaft zur Bereitstellung neuer Ausbildungsplätze spürbar gesunken. Während im Vorjahr noch ein größerer Anteil der Betriebe sein Angebot ausweiten wollte, überwiegt nun die Zahl derer, die ihre Kapazitäten reduzieren.
Rückläufige Tendenz bei den Ausbildungsplatzkapazitäten
Die Ergebnisse der DIHK-Umfrage verdeutlichen den konjunkturellen Druck auf die Personalplanung der Unternehmen. Aktuell geben lediglich 13 % der befragten Betriebe an, mehr Ausbildungsplätze anbieten zu wollen. Im Vorjahr 2025 lag dieser Wert noch bei 15 %. Gleichzeitig ist der Anteil der Unternehmen, die ihr Angebot verringern müssen, gestiegen: 29 % der Betriebe planen mit weniger Ausbildungsplätzen, verglichen mit 26 % im Jahr 2025. Die Mehrheit der Unternehmen, insgesamt 58 %, beabsichtigt, die Zahl der angebotenen Stellen konstant zu halten (2025: 59 %).
Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unterstrich die DIHK-Chefin Melnikov, dass die berufliche Ausbildung für die Betriebe weiterhin höchste Priorität genieße. Die Ausbildung gelte als wesentliches Instrument zur langfristigen Fachkräftesicherung, auch wenn die aktuelle konjunkturelle Lage die Spielräume für viele Unternehmen einschränke.
Besetzungsschwierigkeiten und Defizite bei Bewerbern
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Ein weiteres Kernproblem des Ausbildungsmarktes bleibt die Passung zwischen Angebot und Nachfrage. Laut der DIHK-Erhebung konnten 49 % der Betriebe nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Dieser anhaltende Trend zur Vakanz trifft auf eine wachsende Unzufriedenheit der Arbeitgeber mit der Qualifikation der Bewerberinnen und Bewerber.
Die Umfrage zeigt erhebliche Defizite bei den Grundkompetenzen der jungen Menschen auf. Rund 50 % der Unternehmen beklagen Schwächen im Arbeits- und Sozialverhalten der Bewerber. Zudem berichten 40 % der Betriebe von mangelhaften Kenntnissen in den Kernfächern Mathematik und Deutsch. Diese qualitativen Mängel erschweren die Integration der Jugendlichen in den betrieblichen Alltag und tragen dazu bei, dass Stellen trotz des vorhandenen Bedarfs unbesetzt bleiben.
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Gewerkschaften fordern Ausweitung der Ausbildungsgarantie
Angesichts der rückläufigen Zahlen und der schwierigen Marktlage warnte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Hannack vor übermäßigen Einsparungen im Bereich der beruflichen Bildung. Mit Blick auf die rund 2,7 Mio. jungen Menschen in Deutschland, die derzeit über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen, mahnte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) dringenden Handlungsbedarf an.
Hannack forderte in diesem Zusammenhang, die bestehende Ausbildungsgarantie auszuweiten. Es müsse sichergestellt werden, dass trotz der konjunkturellen Schwankungen jeder junge Mensch Zugang zu einer qualifizierten Ausbildung erhält. Ein Rückzug der Unternehmen aus der Ausbildungstätigkeit gefährde nicht nur die Zukunftsaussichten der betroffenen Jugendlichen, sondern verschärfe langfristig auch den Fachkräftemangel in der deutschen Wirtschaft. Die Gewerkschaften sehen hierbei die Politik in der Pflicht, zusätzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Ausbildungsbeteiligung stabil zu halten.
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