Ausbildungsmarkt: 437.000 Stellen, aber Tiefstand seit 2010
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) unterstrich am 31. Juli 2026 bei einem Besuch der Lufthansa Technik in Hamburg die zentrale Bedeutung der Luftfahrtbranche für den deutschen Ausbildungsmarkt. Angesichts des laufenden Ausbildungsjahres hob die Ministerin hervor, dass die Branche insbesondere für junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz attraktive Perspektiven biete. Das Unternehmen Lufthansa Technik geht dabei neue Wege und bildet aktuell rund 200 Quereinsteiger aus, von denen viele ursprünglich aus dem Kfz-Bereich kommen. Um die Ausbildung attraktiv zu gestalten, setzt der Betrieb auf moderne Trainingsmethoden, zu denen unter anderem spielerische Elemente wie ein Escape-Room gehören.
Bundesweiter Tiefstand bei gemeldeten Lehrstellen
Trotz der Bemühungen einzelner Unternehmen zeigt die aktuelle Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) eine angespannte Lage auf dem Lehrstellenmarkt. Mit bundesweit 437.000 gemeldeten Ausbildungsstellen verzeichnet die Behörde den geringsten Stand seit dem Jahr 2010. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Rückgang um 35.000 Stellen beziehungsweise 7 Prozent. BA-Vorstand Terzenbach betonte dazu am 31. Juli 2026, dass es für Bewerber dennoch nicht zu spät sei, eine Stelle zu finden.
Den Zahlen der Bundesagentur zufolge sind aktuell noch 162.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Dem stehen 147.000 bisher unversorgte Bewerber gegenüber. Insgesamt registrierte die Behörde für den aktuellen Zeitraum 418.000 Bewerber, was einem leichten Zuwachs von 4.000 im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Davon konnten bis Ende Juli 126.000 erfolgreich in eine Ausbildung vermittelt werden.
Regionale Diskrepanzen und Vermittlungshürden
Die Situation am Ausbildungsmarkt stellt sich regional sehr unterschiedlich dar. In Berlin meldeten sich 10.650 Ausbildungsplatzsuchende, was einem Anstieg von fast 900 gegenüber dem Vorjahr entspricht. Diesen stehen jedoch nur 5.560 offene Stellen gegenüber. In Brandenburg zeigt sich der Markt mit 5.100 Bewerbern auf 5.000 Stellen deutlich ausgeglichener. Die Regionaldirektionschefin Berlin-Brandenburg, Carina Knie-Nürnberg, forderte vor diesem Hintergrund, einen Ausbildungsturbo zu zünden.
In Niedersachsen sind derzeit 16.670 Ausbildungsstellen offen, während 15.077 Bewerber noch als unversorgt gelten. Experten gehen davon aus, dass dort rund 1.600 Stellen unbesetzt bleiben werden. Ähnlich stellt sich die Lage in Mecklenburg-Vorpommern dar, wo rund 3.000 offenen Plätzen etwa 2.400 unversorgte Jugendliche gegenüberstehen. Dort beginnt die Berufsschule am 31. August 2026, wobei die zuständige Agentur für Arbeit darauf hinweist, dass Lehrverträge auch nach dem 1. August noch abgeschlossen werden können.
Besonders in Regionen wie Emden-Leer wird ein Matching-Problem deutlich: Hier passen Wohnort und Berufswunsch oft nicht zusammen. Zudem berichten 94,4 Prozent der dortigen Betriebe von Defiziten in der Ausbildungsreife der Bewerber.
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Herausforderungen für die ausbildenden Betriebe
Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter 14.000 Firmen verdeutlicht die strukturellen Probleme. Zwar bieten sieben von zehn Unternehmen mindestens so viele Plätze an wie im Vorjahr, doch fast jede zweite Lehrstelle bleibt unbesetzt. Als Hauptgrund geben zwei Drittel der Betriebe den Mangel an geeigneten Bewerbern an.
Die Unternehmen bemängeln dabei zunehmend soziale und fachliche Defizite: 50 Prozent der befragten Firmen kritisieren die mangelnde Belastbarkeit oder das Sozialverhalten der Bewerber, während 40 Prozent Defizite in den Kernfächern Mathematik und Deutsch konstatieren. Um diese Lücken zu schließen, finanzieren inzwischen 75 Prozent der Betriebe betriebliche Nachhilfe.
In Sachsen berichtet die IHK Dresden, dass ein Drittel der Unternehmen das Angebot an Ausbildungsplätzen reduziert habe. Neben mangelnden Qualifikationen wird dort zunehmend auch fehlender Wohnraum für Auszubildende zum Problem für die Nachwuchsgewinnung.
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Eintrübung am allgemeinen Arbeitsmarkt
Die Lage am Ausbildungsmarkt ist eingebettet in eine insgesamt schwächere Arbeitsmarktentwicklung. Im Juli 2026 stieg die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland auf 3.007.000 Personen an. Dies entspricht einem Zuwachs von 71.000 gegenüber dem Vormonat und 28.000 im Vergleich zum Vorjahr. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 6,4 Prozent.
Gleichzeitig ging die Zahl der Erwerbstätigen im Juni 2026 auf 45,71 Millionen zurück. Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verzeichnete im Mai 2026 einen Rückgang um 69.000 auf 34,83 Millionen Personen. Bei der Kurzarbeit wurden im Zeitraum vom 1. bis zum 27. Juli 2026 insgesamt 25.000 Anzeigen registriert.
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