Ausbildungsmarkt, NRW

Ausbildungsmarkt: NRW verliert 6,4% Lehrstellen, Betriebe suchen AuslÀnder

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 03:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Betrieb aus Marktsteinach setzt auf internationale NachwuchskrÀfte, wÀhrend freie Lehrstellen, Konjunkturflaute und Demografie den Arbeitsmarkt belasten.
Ein aufgerĂ€umter Metallverarbeitungsbetrieb mit professionellen Werkzeugen und Maschinen in natĂŒrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Der Handwerksbetrieb Mitesser + Borst aus Marktsteinach bei Schweinfurt reagiert auf den akuten Mangel an inlĂ€ndischen Bewerbern durch eine gezielte Rekrutierung im Ausland. Zum Start des neuen Ausbildungsjahres Ende August 2026 nehmen zwei junge MĂ€nner aus Vietnam sowie ein Syrer ihre Ausbildung in dem Betrieb auf. Zuvor hatte das Unternehmen fĂŒr das laufende Jahr lediglich eine einzige, als ungeeignet eingestufte Bewerbung erhalten.

Personalnot bremst BetriebsablÀufe im Handwerk

Firmenchef Daniel Borst betonte, dass der anhaltende Personalmangel die GeschĂ€ftstĂ€tigkeit seines Unternehmens zunehmend bremse. Die Strategie, auf internationale NachwuchskrĂ€fte zu setzen, hat sich fĂŒr den Betrieb bereits bewĂ€hrt. Ein Ukrainer begann dort im Jahr 2023 im Alter von 20 Jahren seine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker, nachdem er ĂŒber einen Workshop fĂŒr GeflĂŒchtete den Kontakt zum Unternehmen gefunden hatte.

Die Situation in Marktsteinach spiegelt einen bundesweiten Trend wider. In ThĂŒringen berichten zahlreiche Betriebe, dass sie trotz intensiver Suche keine geeigneten Auszubildenden finden können.

Zwar habe sich die allgemeine FachkrĂ€ftelĂŒcke zuletzt etwas entspannt, doch die Zahl unbesetzter Lehrstellen und AusbildungsabbrĂŒche bleibe auf einem kritischen Niveau. Auch in Bayern blieben zum Ende der Bewerbungsphase tausende Jugendliche ohne Lehrstelle, wĂ€hrend Unternehmen gleichzeitig hĂ€ndringend nach Personal suchen.

Regionale DisparitĂ€ten und konjunkturelle EinflĂŒsse

Ein Blick auf die Zahlen in Nordrhein-Westfalen verdeutlicht die angespannte Lage: Dort waren Ende August 23.359 Ausbildungsstellen unbesetzt, denen 25.844 registrierte Bewerber gegenĂŒberstanden. Insgesamt sank das Angebot an betrieblichen AusbildungsplĂ€tzen in NRW im Jahr 2026 um 6,4 Prozent.

WĂ€hrend das Handwerk eine stabile Entwicklung verzeichnete, baute die Industrie ihr Angebot spĂŒrbar ab. In Regionen wie Ostwestfalen-Lippe ĂŒbersteigt das Angebot derzeit die Nachfrage. Interessant ist zudem die MobilitĂ€t der NachwuchskrĂ€fte: Im Jahr 2025 pendelten Auszubildende in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 23,3 Kilometer zu ihrem Betrieb.

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Besonders deutlich sind die RĂŒckgĂ€nge in SĂŒddeutschland. Im Kreis Ludwigsburg sank die Zahl der neuen IHK-AusbildungsvertrĂ€ge im Jahr 2026 um 15,8 Prozent auf insgesamt 1.269 VertrĂ€ge. In der Metallindustrie betrug der RĂŒckgang 19 Prozent, wobei sich die Zahl der angehenden Werkzeugmechaniker sogar halbierte.

Ähnliche Entwicklungen zeigen sich im Kreis Esslingen mit einem Minus von 11,9 Prozent und in der gesamten Region Stuttgart mit einem RĂŒckgang von 10,2 Prozent. Experten der Industrie- und Handelskammern fĂŒhren dies primĂ€r auf die schwache Konjunktur zurĂŒck, die insbesondere gewerblich-technische Berufe treffe.

Wohnraummangel und demografischer Wandel als HĂŒrden

In Potsdam blieben zum aktuellen Ausbildungsstart ĂŒber 190 Stellen offen. Lokale Kammern warnten in diesem Zusammenhang vor den Folgen des fehlenden bezahlbaren Wohnraums. Dies stelle insbesondere fĂŒr ZuzĂŒgler und GeflĂŒchtete ein massives Hindernis dar, eine Ausbildung fernab der Heimatregion aufzunehmen.

Um die Besetzungsquoten zu erhöhen, werden verstĂ€rkt alternative Formate genutzt. Im Kreis Wesel, wo Ende August 487 Stellen unbesetzt waren, sowie im Kreis Kleve mit 276 offenen PlĂ€tzen, setzen Vermittler auf Veranstaltungen wie ein „Azubi-Blind-Date“ oder Karrieremessen im September.

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Vertreter von Arbeitsagenturen raten Jugendlichen dazu, das gesamte Spektrum von ĂŒber 300 Ausbildungsberufen zu prĂŒfen und auch Angebote in angrenzenden BundeslĂ€ndern in Betracht zu ziehen. Zudem stelle die Einstiegsqualifizierung eine wichtige Option dar, um den Übergang in den Beruf zu erleichtern.

Die langfristigen Aussichten bleiben fĂŒr den Arbeitsmarkt herausfordernd. Nach Daten des Instituts fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) werden bis zum Jahr 2036 jĂ€hrlich durchschnittlich 1,3 Millionen Angehörige der Babyboomer-Generation das Rentenalter erreichen. Dies werde den Bedarf in systemrelevanten Bereichen wie der Pflege, dem Bauwesen, dem Handwerk und der RĂŒstungsindustrie weiter verschĂ€rfen.

Gleichzeitig sinkt die Zufriedenheit unter den Auszubildenden: Lag diese im Jahr 2022 noch bei 73,3 Prozent, erreichte sie zuletzt nur noch einen Wert von 66 Prozent.

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