ROUNDUP, Baerbock

Baerbock fordert mehr Schutz vor Gewalt israelischer Siedler

08.01.2024 - 12:58:27

Außenministerin Annalena Baerbock hat von der israelischen Regierung verlangt, die PalĂ€stinenser im Westjordanland besser vor Übergriffen israelischer Siedler zu schĂŒtzen und Gewalttaten zu ahnden.

"Es ist die Verantwortung der israelischen Regierung, bei Angriffen auf Menschen, die hier legitim wohnen und illegal angegriffen werden, den Rechtsstaat umzusetzen und durchzusetzen", sagte die GrĂŒnen-Politikerin am Montag beim Besuch einer palĂ€stinensischen Gemeinde im Westjordanland. Es sei die Verantwortung der israelischen Armee, die PalĂ€stinenserinnen und PalĂ€stinenser vor gewalttĂ€tigen Siedlern zu schĂŒtzen.

Die Außenministerin ließ sich die Situation der Menschen in der palĂ€stinensischen Ortschaft Al-Masraa al-Kiblija nordwestlich von Ramallah schildern. Der Ort mit gut 5000 Einwohnern ist von mehreren israelischen Siedlungen umgeben.

PalÀstinensischer Landwirt schildert Siedlergewalt

Ein betroffener Landwirt schilderte unter anderem, er könne seine GemĂŒse- und Obstfelder nicht mehr bestellen, weil die Siedler Straßen gesperrt und ihn und seine Familie angegriffen hĂ€tten. Man habe ihm auf den Kopf geschlagen und er sei mit Pfefferspray besprĂŒht worden. Auch seine Töchter seien attackiert worden, schilderte der 70 Jahre alte pensionierte Lehrer. Die Israelis hĂ€tten versucht, HĂ€user in Brand zu setzen und ihn aus seinem Haus vertrieben, das in einem Tal zwischen der palĂ€stinensischen Ortschaft und der Siedlung liegt. Die Siedlergewalt habe nach der Terrorattacke der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober nocheinmal zugenommen.

Drohne beobachtet Baerbock-Besuch

WĂ€hrend des Besuches wurden Baerbock und ihre Delegation von einer offensichtlich von israelischen Siedlern gestarteten Drohne beobachtet. Die Vorsitzendes einer Schutzvereinigung fĂŒr das Westjordanland, Allegra Pacheco, sagte, seit dem 7. Oktober seien rund 1200 PalĂ€stinenser im Westjordanland von ihrem Land vertrieben worden. Ein kĂŒnftiger Waffenstillstand fĂŒr den Gazastreifen mĂŒsse auch das Westjordanland umfassen.

Baerbock: Siedlungsbau untergrÀbt dauerhaften Frieden

Das, was um die Ortschaft im Westjordanland passiere, sei "illegal, unter israelischem Recht und illegal unter internationalem Recht", sagte Baerbock. Der Anstieg an Gewalt im Westjordanland seit dem 7. Oktober "zeigt auch: StabilitĂ€t in Gaza und im Westjordanland sind eng miteinander verknĂŒpft."

Die Bundesaußenministerin unterstrich die Forderung nach einer Zweistaatenlösung zwischen Israel und den PalĂ€stinensern. Sie betonte: "Der Siedlungsbau ist illegal. Er untergrĂ€bt den dauerhaften Frieden und gefĂ€hrdet die Zweistaatenlösung und gefĂ€hrdet damit auch die Sicherheit Israels." Mit Zweistaatenlösung ist gemeint, dass Israel und ein unabhĂ€ngiger, demokratischer PalĂ€stinenserstaat friedlich nebeneinander leben.

Treffen mit Außenminister Al-Malika

In Ramallah traf Baerbock den palĂ€stinensischen Außenminister Riad al-Maliki. Im Sechs-Tage-Krieg hatte Israel 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben inzwischen Hunderttausende Siedler inmitten von rund drei Millionen PalĂ€stinensern. Die PalĂ€stinenser fordern die Gebiete fĂŒr einen eigenen Staat.

Eskalation im Konflikt im Hisbollah Thema

Am Nachmittag wollte die Bundesaußenministerin in der israelischen KĂŒstenmetropole Tel Aviv unter anderem mit Menschen aus dem Norden Israels sprechen, die im Konflikt mit der Schiitenmiliz Hisbollah im Libanon aus ihrer Heimat flĂŒchten mussten. Zudem war ein Treffen mit dem israelischen Verteidigungsminister Joav Galant geplant. Auch dabei dĂŒrfte es um die Eskalation im Konflikt zwischen Israel und der vom Iran unterstĂŒtzten Hisbollah gehen. Israel reagiert mit Angriffen auf Stellungen der vom Iran unterstĂŒtzten Schiitenmiliz Hisbollah.

Am Abend stand die Weiterreise nach Ägypten auf dem Programm. Dort ist am Dienstag unter anderem ein Treffen mit Außenminister Samih Schukri vorgesehen.

Auslöser des Gaza-Kriegs war der beispiellose Überfall der islamistischen Hamas und anderer palĂ€stinensischer Terrorgruppen auf Grenzorte in Israel am 7. Oktober. Dabei wurden nach israelischen Angaben rund 1200 Menschen getötet und rund 240 Menschen in den Gazastreifen entfĂŒhrt. Die Zahl der getöteten PalĂ€stinenser ist nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde inzwischen auf mehr als 22 700 gestiegen, mehr als 58 000 Menschen wurden demnach verletzt.

@ dpa.de