ROUNDUP, Baerbock

Baerbock angesichts russischer Einflussversuche in Sarajevo

05.03.2024 - 07:20:03 | dpa.de

Außenministerin Annalena Baerbock setzt in Bosnien-Herzegowina vor dem Hintergrund russischer Einflussversuche in der Region ihre zweitĂ€gige Westbalkanreise fort.

Wie in Montenegro am Vortag soll bei den GesprĂ€chen der GrĂŒnen-Politikerin an diesem Dienstag in der Hauptstadt Sarajevo der Beitrittsprozess des Landes in die EU eine zentrale Rolle spielen. Zum Auftakt der Reise hatte Baerbock erklĂ€rt, man stelle sich "denjenigen entschieden entgegen, die Bosnien und Herzegowina mit ihren Spaltungsphantasien Steine in den Weg in die EU legen und europĂ€ische Werte in Frage stellen".

Die Bundesaußenministerin wollte in Sarajevo ihren Kollegen Elmedin Konakovic treffen. Schon am Montagabend hatte sie ein GesprĂ€ch mit den Angehörigen des StaatsprĂ€sidiums des Landes gefĂŒhrt. Es besteht aus je einem Vertreter der bosniakischen, serbischen und kroatischen Volksgruppe: Denis Becirovic (bosniakisch), Zeljka Cvijanovic (serbisch) und Zeljko Komsic (kroatisch). Der Vorsitz rotiert alle acht Monate. Die Bundesaußenministerin ließ sich anschließend vom Hohen ReprĂ€sentanten der internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina, dem Deutschen Christian Schmidt, die aktuelle Lage erlĂ€utern.

"Bosnien-Herzegowina an entscheidender Weggabelung"

Bosnien-Herzegowina stehe im EU-Beitrittsprozess an einer entscheidenden Weggabelung, erklĂ€rte Baerbock. Im vergangenen Jahr habe der EuropĂ€ische Rat beschlossen, Beitrittsverhandlungen zu eröffnen, sobald die Kriterien dafĂŒr erfĂŒllt seien. Auf dem Weg in Richtung EU mĂŒssten die Verantwortlichen in Sarajevo die dafĂŒr notwendigen Reformen Schritt fĂŒr Schritt angehen.

Die Verabschiedung des Gesetzes zur BekÀmpfung von GeldwÀsche und Terrorismusfinanzierung sei solch ein europÀischer Reformschritt gewesen, erklÀrte Baerbock. Mit Blick auf die im Oktober anstehenden Kommunalwahlen in dem Land sei es zentral, dass die Wahlrechtsreform mit einem IntegritÀtspaket angepackt werde. "Freie und faire Wahlen sind das Fundament einer demokratischen Gesellschaft", betonte sie.

Mit Bosnien-Herzegowina noch keine Verhandlungen ĂŒber EU-Beitritt

Montenegro und Bosnien-Herzegowina gehören zu den sogenannten WestbalkanlĂ€ndern. Dazu werden auch Albanien, Serbien, Nordmazedonien und das Kosovo gezĂ€hlt. Die EU fordert von den LĂ€ndern fĂŒr eine zĂŒgige AnnĂ€herung entschlossene Reformen. In BrĂŒssel wird Montenegro als am weitesten im Beitrittsprozess gesehen. Mit einer EU-Erweiterung wird frĂŒhestens gegen Ende des Jahrzehnts gerechnet. Bosnien-Herzegowina hat den Status eines Beitrittskandidaten, ist aber bislang noch nicht in Verhandlungen.

Gespaltenes Bosnien-Herzegowina

Das Land ist gespalten in die EntitĂ€ten namens Föderation Bosnien-Herzegowina (abgekĂŒrzt FBiH) und den ethnisch-serbischen Teil Republika Srpska (RS). PrĂ€sident der RS ist der serbische Nationalist Milorad Dodik, der eine Abspaltung aus dem Gesamtstaat anstrebt. Dodik steht in Sarajevo vor Gericht, weil er veranlasst hat, dass Entscheidungen des ReprĂ€sentanten der internationalen Gemeinschaft, Schmidt, nicht mehr im Amtsblatt der RS veröffentlicht werden. Erst kĂŒrzlich hat Dodik den belarussischen Langzeitherrscher Alexander Lukaschenko und den russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin besucht. Putin hatte ihm den prestigetrĂ€chtigen russischen Newski-Orden verliehen.

Vor dem Hintergrund deutsch-französischer Verstimmungen nach Paris

Von Sarajevo aus wollte Baerbock zu einem Arbeitstreffen mit ihrem französischen Kollegen StĂ©phane SĂ©journĂ© nach Paris reisen. Bei dem GesprĂ€ch dĂŒrften auch die jĂŒngsten Verstimmungen im deutsch-französischen VerhĂ€ltnis zwischen Kanzler Olaf Scholz (SPD) und dem französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron eine Rolle spielen. Scholz hatte am Wochenende seine Linie verteidigt, keine Soldaten in die Ukraine zu entsenden. Er reagierte damit auf einen Vorstoß Macrons, der kĂŒrzlich aufhorchen ließ, als er einen solchen Einsatz westlicher Bodentruppen nicht ausschloss.

Auch der Abhörskandal bei der Bundeswehr dĂŒrfte in Paris zur Sprache kommen. Am Freitag hatte Russland ein mitgeschnittenes GesprĂ€ch hoher Luftwaffen-Offiziere veröffentlicht, in der diese Einsatzszenarien fĂŒr den deutschen Marschflugkörper Taurus erörterten, falls dieser doch noch an die Ukraine geliefert wĂŒrde. Eine Unterrichtung der Öffentlichkeit nach dem Treffen Baerbocks mit SĂ©journĂ© war nicht geplant.

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